Wenn man trotz Weiterbildung im Job nicht weiter kommt

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 7. April 2011 um 10:57

Weiterbildung bringt’s – möchte man meinen. Wenn Mitarbeiter ihre Fähigkeiten und ihren Horizont erweitern, profitieren diese nicht nur selbst davon, sondern auch der Arbeitgeber: Weil er das Potenzial seiner Angestellten ausbaut und somit seine Wettbewerbsfähigkeit erhöht. Was aber tun, wenn all das erworbene Wissen beim eigenen Chef irgendwie nichts wert ist und man trotz Weiterbildung im Job auf der Stelle tritt? Psychologin und Psychotherapeutin Christa Schirl-Russegger über Ziele, angestrebte Positionen und das Leben als Matrose.

Ich (32 J.) bin Betriebswirt und arbeite seit 6 Jahren als Assistent der Geschäftsführung. Ich habe mich nach Abschluss meines Studiums in diversen Lehrgängen permanent weitergebildet. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass mein Arbeitgeber meine Weiterbildungen nicht anerkennt, obwohl ich unterschiedlichste Seminarerfahrungen und Abschlüsse vorweise (Marketing, Spanisch-Kurs, Rhetorik, Projekt-Management,…).

»Für ein Schiff, das seinen Hafen nicht kennt, ist jeder Wind ungünstig!« sagt Seneca. Aus Ihrem Schreiben geht hervor, dass Sie sehr lernwillig und wissenshungrig sind. Sie haben sich in verschiedensten Bereichen weitergebildet. Nicht klar ist mir Ihr Ziel: Wofür haben Sie sich weitergebildet? Was genau streben Sie an? Welche Fähigkeiten haben Sie weiterentwickelt und wofür brauchen Sie diese Fähigkeiten?

Abschlüsse sind nicht das Ziel, sondern nur der Weg zum Ziel

Ein Seminar-Abschluss ist kein Ziel, sondern immer nur der Weg zum Ziel. Sie häufen Wissen und Zertifikate an. Ich frage mich, in wie weit Sie Ihr Wissen einsetzen und mit Ihrer praktischen Erfahrung in Zusammenhang bringen? Machen Sie deutlich, was Ihre Firma von Ihren Weiterbildungen hat? Wie kann Ihr Arbeitgeber Ihr erworbenes Wissen einsetzen? Bevor Sie eine Ausbildung beginnen, sollten Sie sich mit Ihrer Firma abstimmen, in wie weit die neu erlernten Fähigkeiten einsetzbar sind und ob die von Ihnen angestrebte Position überhaupt verfügbar ist.

Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber: Wenn Sie Ihr Ziel kennen, stimmen Sie Ihr Ziel mit den Vorstellungen Ihres Dienstgebers ab. Vielleicht hat Ihr Chef in Ihnen den optimalen Assistenten gefunden und möchte nicht auf Sie verzichten? Dann ist es möglicherweise Zeit, sich von dieser Firma und Ihrer Assistenten-Position zu verabschieden, sich ein neues Schiff zu suchen, damit Sie als Kapitän und nicht als Matrose einen neuen Hafen ansteuern können.

Zur Person:
Christa Schirl-Russegger ist Klinisch- und Gesundheitspsychologin, zertifizierte Arbeitspsychologin und sinnzentrierte Psychotherapeutin. Neben der Tätigkeit in ihrer eigenen Praxis ist sie außerdem Trainerin und Vortragende. Ihre Expertise stellt Christa Schirl-Russegger seit mehreren Jahren zahlreichen Medien zur Verfügung.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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