Weiterbildung: Nicht für die Arbeit, sondern für das Leben lernen wir

von in Arbeitsleben am Montag, 2. März 2015 um 11:42

Juhu – wir fahren auf Fortbildung! Weiterbildung gehört zu den wichtigsten Benefits, die Arbeitgeber ihren Kandidaten und Mitarbeitern bieten können. Eine Studie zeigt nun auf, dass Fortbildungen von Arbeitnehmern jedoch nicht in erster Linie wegen erhofften Karrieresprüngen, sondern aus persönlichem Interesse und aus Spaß belegt werden.

Arbeit muss Sinn machen. Klar. Die meisten, die Tag für Tag ein gewisses Stundenpensum ihrer Lebenszeit für eine Sache investieren, möchten auch, dass ihr Tun Sinn stiftet. Wenn schon nicht auf produktiver Ebene, dann zumindest in persönlicher Hinsicht. Ein Job muss also Spaß machen und persönliche Befriedigung bringen – genau das ist es, was Arbeitnehmer heute von der Arbeitswelt früherer Generationen unterscheidet (als Existenzsicherung und das Erreichen von materiellem Wohlstand noch höher auf der Prioritätenliste standen).

Dass die Höhe des Gehalts nicht mehr der einzige Treiber ist, für den man arbeiten geht, ist mittlerweile bekannt. Es geht um ein individell passendes Bündel an Vorteilen, der ein passender Arbeitgeber bietet.

Bildung als Spaßfaktor

Ein wesentlicher Faktor, warum sich Menschen für einen Job oder Arbeitgeber entschließen, sind persönliche Perspektiven und Weiterentwicklungsmöglichkeiten. Wobei die Betonung auf „persönlich“ liegt. Der IIR Weiterbildungsindex zeigt nämlich auf, dass nicht das Besser-Werden auf fachlicher Ebene anspornt, sondern die Tatsache, dass man sein Portfolio erweitert: Fast die Hälfte der dafür befragten österreichischen Arbeitnehmer gab an, sich gerne weiterzubilden, weil dies „Spaß macht“. Die meisten (84 Prozent) finden Fortbildung deshalb spannend, weil sie der persönlichen Entwicklung dient. Nur elf Prozent (!) erhoffen oder erwarten sich dadurch einen Karrieresprung.

21 Prozent der Arbeitnehmer sind laut Studie der Ansicht, dass Weiterbildung „weniger wichtig“ oder ganz unwichtig sei. Spannend jedoch: Befragte aus kleineren Unternehmen glauben fast ausnahmslos, dass Fortbildungsangebote Sinn machen. Bei größeren Unternehmen (ab 50 Mitarbeitern) sinkt dieser Wert.

Je kleiner das Unternehmen, umso bildungshungriger die Mitarbeiter?

Das lässt natürlich Raum für Interpretationen. Warum mag das wohl so sein?

Erklärungsversuch 1: In kleineren Betrieben sind Mitarbeiter oft für mehrere Aufgabengebiete zuständig oder sie werden bei neuen Herausforderungen kurzerhand zum Experten ernannt („Du kümmerst dich bitte ab jetzt um unseren Social Media-Auftritt!“). Es leuchtet ein, dass Weiterbildung dann unschätzbaren Wert hat.

Erklärungsversuch 2: Weiterbildung ist in größeren Unternehmen nicht individuell genug. Viele Arbeitgeber bieten ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, eine gewisse Anzahl an Kursen aus firmeninternen Weiterbildungs-Katalogen zu belegen. Das Risiko dabei ist, dass die Angebote an den konkreten Tätigkeitsfeldern vieler Mitarbeiter vorbeigehen. Effekt: „Dann machen wir halt ‚Präsentationstechnik‘. Das klingt noch am interessantesten. Und wir sind zwei Tage lang in Graz…“

Erklärungsversuch 3: Kleinere Unternehmen haben oft nicht die Budgets, Mitarbeiter mehrmals jährlich und vor allem bei teuren Instituten weiterzubilden. Was natürlich auch bedeutet, dass Weiterbildung von den Arbeitnehmern mehr geschätzt wird.

Was ist schlecht an Spaß?

Egal ob nun im Hinblick auf kleinere oder große Arbeitgeber: Weiterbildung ist ein relevanter Faktor, der heute eher als persönlicher Benefit gesehen wird, der den eigenen Lebenslauf attraktiver macht. Das mag für Arbeitgeber mit Risiko verbunden sein – warum Mitarbeiter weiterbilden, um diese für andere Arbeitgeber attraktiver zu machen? Weil Mitarbeiter lieber dort bleiben, wo sie Neues lernen können und das Gefühl haben, sich entwicklen zu dürfen. Und das macht natürlich Spaß.

Bildnachweis: bikeriderlondon / Shutterstock

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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