Bereits im Mai fragte Blogger-Kollege Michael Feichtinger provokant: What shall we do … with the Bachelor? Eine Frage, die sich derzeit wohl auch eine Vielzahl von Studenten stellt. Bachelor, die erste Ebene der noch relativ neuen, dreistufigen Bologna-Studienabschluss-Architektur, sorgt dieser Tage wieder für Wirbel. Denn jener akademische Grad, der den „Magister“ in den kommenden Jahren endgültig ablösen soll, soll auch künftig im öffentlichen Dienst nicht für Akademikerposten zugelassen werden. Und die „Bachelors“ folglich auch nicht als A-Beamte bezahlt werden.
Studentenvertreter und Gewerkschaften schäumen: „Man presst die jungen Leute in ein Studium, um dieses dann nicht anzuerkennen“, wettert beispielsweise Beamtengewerkschafter Norbert Schnedl. Er spricht das an, was den betroffenen Studenten sauer aufstößt. Denn diese fallen aufgrund ihres Geburts- beziehungsweise Inskriptionsjahrgangs automatisch in die Bologna-Architektur mit den Abschlüssen Bachelor, Master und PhD/Dr. Ohne Wahlmöglichkeit.
Verständlich ist daher, dass sich Diskussionen wie die aktuelle demotivierend auf die Studierenden auswirken. Bei Einführung des neuen Studienmodells wurde ihnen doch noch versprochen, dass die neuen Abschlussgrade ohne Abstriche anerkannt und bekannt werden würden. Akademiker-Entlohnung inklusive. Das Gegenteil ist leider bis heute der Fall. In der Privatwirtschaft werden Bewerber nach wie vor mit Fragen konfrontiert, was das denn für ein Titel sei, den man da stolz hinter dem Namen anführe. Wer Glück hat, kann es seinem künftigen Chef erklären und wird dann, je nach Qualifikation, auch entsprechend entlohnt. Weil es in der Privatwirtschaft kein Beamtendienstrecht gibt, bei dem bestimmte Berufe – A-Posten – nur Akademikern vorbehalten sind.
Wenn nun aber der öffentliche Dienst – also der Vewaltungsapparat jenes Staates, der noch vor wenigen Jahren keine Benachteiligung durch den Bachelor versprochen hatte – diesen neuen Grad nicht anerkennt, ist es nur konsequent, wenn sich die künftigen Leistungsträger fragen: „Warum dann überhaupt dieser Schmalspur-Titel?“
Gedacht war er natürlich auch, um das überlastete Diplomstudiensystem zu entlasten. „Kürzere Studiendauer = mehr Absolventen in kürzerer Zeit = weniger Studierende, die im Studienprozess stecken“, war jene Gleichung, die eine der Zauberformeln zur Behebung der Uni-Misere werden hätte sollen. Höhere akademische Weihen würden im neuen System dann nur die wenigsten anstreben, eher jene, die in der Wissenschaft reüssieren wollen, rechnete man damals. Nach drei Jahren Bachelorstudium solle jeder Absolvent fit für das Berufsleben sein. Zusätzlich sei europaweite Anerkennung der Abschlussgrade künftig dann auch gegeben. Ganz nebenbei würde die Akademikerquote im Land auch noch erhöht.
Lauter Argumente, die wohl von den Studenten und Absolventen durch die Bank gutgeheißen werden. Gerade dass der Abschluss auch im Fall einer angestrebten Karriere im Ausland ohne Probleme anerkannt wird, ist einer der größten Pluspunkte des neuen Systems. Doch der allein wird den wenigsten jungen Bachelors als Karriere-Boost gereichen. Viel wichtiger wäre es, der Öffentlichkeit auch zu kommunizieren, dass Absolventen mit diesem Abschluss auch als „vollwertige“ Akademiker zu sehen sind. Der Ärger der Studierenden ist folglich nachvollziehbar: Wenn die Regierung das Produkt „Bachelor“ einerseits als großen Wurf zu verkaufen versucht, im Gegenzug jedoch betont, dass sie selbst nicht an den Wert dieses Titels glaubt, herrscht Erklärungsnotstand. Und demotiviert künftige Leistungsträger obendrein.
Man mag natürlich auch argumentieren, dass seit Einführung des Masters der Mag. nur noch ein Abschluss zweiten Grades ist, denn immerhin dauert der Master 1 akademisches Jahr länger.
Ich würde sagen, die ganze Diskussion ist wieder mal typisch Österreichisch … als ob es nichts wichtigeres gäbe. Dieses Land geht einem mit der Zeit ganz ehrlich auf die Nerven.
Der Bachelor ist ein schönes Instrument, wenn man:
1. die Akademikerquote erhöhen will, aber nichts ins Bildungssystem investieren will … man legt die Latte einfach tiefer – und schon ist diese dämliche Akademikerquote a bissl höher, statistisch gesehen.
2. die Drop-Out-Rate senken will: ebenfalls eine rein statistisch-kosmetische Lösung … aber in Rankings schaut’s dann sicher irgendwann besser aus.
3. eigentlich nur a bissl studieren wollen, sondern nur einen schnellen Abschluss in irgendwas haben will, der mehr hergibt als bloß Matura.
4. genau jene, die eh nicht wissenschaftlich arbeiten wollen, schneller aus dem Uni-Betrieb raus haben will, um Personal und Ausbildungsplätze zu sparen (NICHT um die Qualität der Ausbildung zu erhöhen, weil dann würde der Mag. diese Funktion viel besser erfüllen – nur müsste man dann mehr investieren, damit alle auch zu Ausbildungsplätzen/ adäquater Betreuung kommen).
Die Umsetzung der Bologna-Struktur ist vollständig konzeptlos, von fantasielosen Bürokraten geplant und umgesetzt und schlicht ein Disaster!
Ich kann euch nur zustimmen! Ich habe gerade meinen Bachelor in Lebenswissenschaften abgeschlossen und statt 6 Semester 9 1/2 gebraucht, weil der Studienplan so voll ist, dass man das in 6 Semestern kaum schaffen kann. Meiner Meinung nach kann man den Bachelor mit dem Magister vergleichen, nur, dass halt ein paar spezielle Fächer fehlen. Und jetzt steht man da und kommt sich eigentlich blöd vor, wenn man sagt, man hätte den Bachelor geschafft, denn der ist ja sowieso nichts wert. Da wird man schon ein bisschen frustriert!
[...] Weltreise machen. Dem eigenen Kind beim Aufwachsen zusehen. Endlich den lange geschobenen Studienabschluss nachholen. Alles Dinge, von denen viele Menschen träumen. Wäre da nur nicht der eigene Job, der [...]
[...] nicht ausreichend für einen erfolgreichen Berufseinstieg eingeschätzt werde. Ebenfalls kam Kritik auf, dass es schwer wäre, vom erfolgreichen Bachelor auf einen gewünschten Master-Studienplatz zu [...]
[...] sogar in unbefristeten Dienstverhältnissen. Und – was ebenfalls überrascht – zwischen Bachelor- und Diplomstudien bzw. zwischen FH- und Uni-Studien sei ebenfalls kein wesentlicher Unterschied [...]
Habe früher mal jemanden sagen hören:
Mag. == Dr. / 2
Scheint fasst so, also ob man heute sagen könnte:
Bachelor == Master / 2?
^^ ;-)
Kann aber gut verstehen, wenn man den Bachelor geschafft hat und dann von der Industrie zu hören bekommt: Nichts wert …. ^^
… vielleicht war ja meine Entscheidung, gleich nach der HTL (und dem Bundesheer) arbeiten zu gehen, gar nicht mal sooo schlecht … Zumindest finanziell zahlt es sich fast nicht mehr aus, zu studieren …
Einem Ingenieur mit einer Berufserfahrung von mehr als 10 Jahren, muss ein frisch-gebackener Bachelor mal das Wasser reichen ;-)
… dem Ingenieur is nix zu schwör … *fg*
3. eigentlich nur a bissl studieren wollen, sondern nur einen schnellen Abschluss in irgendwas haben will, der mehr hergibt als bloß Matura.
Offensichtlich hast du ja kein bachelorstudium absolviert, sonst würdest du solches blödsinn nie in deinem leben schreiben :) Also bachelorstudium ist schon auf einigen universitäten wahnsinnig schwer, manchmal vielleicht eine prüfung kann ich mit meinem “matura” vergleichen. Also bissl studieren ist nicht der Ausdruck was ich gemacht habeUnd schnellen Abschluss? Dauerte 5 Jahre statt 3 in VOLLSTUDIUM, richtig mehr gelernt als in HAK, ist das wirklich so schnell?
Wie man sieht, wird ungern “Deutsche Rechtschreibung” studiert ^^
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