Hobbys im Lebenslauf Teil 2: Was Ihre Leidenschaften über Sie aussagen

von in Bewerbung, Jobsuche am Donnerstag, 21. Oktober 2010 um 13:21

Dass zu viele, falsche oder zu uninteressante Hobbys im Lebenslauf durchaus zur Karrierefalle werden können, haben wir gestern thematisiert. Unser gestriges Fazit: Nur jene Leidenschaften anführen, die auch das eigene Persönlichkeits- und Leistungsportfolio in der Bewerbung unterstreichen. Denn ob ein angehender Key Accounter gerne häkelt, wird einem Personalisten relativ egal sein. Der erwartet nämlich Agilität, Flexibilität und Kommunikationstalent von einem Top-Verkäufer. Doch welche Freizeitaktivitäten sagen genau das aus? Zehn Beispiele dafür, was Ihr künftiger Chef von Ihren Hobbys halten könnte.

  • Joggen, Laufen, Marathon: Wie alle Ausdauersportler werden Läufer als leistungsorientiert eingestuft. Sie haben ein Ziel (z.B. Marathon), für das sie sich über Monate im Training quälen und das sie auch erreichen wollen. Zwei weitere Pluspunkte beim Personalchef: Selbst gewählte Ziele (=Bewerber liebt Herausforderungen) und flexible Trainingszeiten (=Bewerber muss nicht vier Mal pro Woche um 15.30 Uhr früher zum Training weg).
  • Bergsport, Klettern, Skitouren: Bergsportlern attestiert man gerne Ausgeglichenheit. Sie suchen den Endorphin-Kick in der sportlichen Herausforderung und finden dabei gleichzeitig eine beneidenswerte innere Ruhe durch das überwältigende Naturerlebnis. Sie legen Teamgeist (Seilschaften), Verantwortungsbewusstsein (Sicherung ist alles!) und Zähigkeit (Kein Gipfel ohne Schweiß!) an den Tag, weil das für ihren Sport überlebensnotwendig ist. Trotzdem – auch wenn das alles gut klingt – keinesfalls schwindeln! Denn ist der Personaler ebenfalls Bergfex, wird’s schnell peinlich.
  • Briefmarken, Modelleisenbahn, Laubsäge: Dass manche zu ihrem stressigen Fulltime-Job in ihrem Slow-Motion-Hobby einen bewussten Kontrapunkt setzen, ist absolut richtig und legitim. Nur ist es wenig ratsam, diese Leidenschaften auch im Lebenslauf anzuführen, wenn man sich um einen High-Pressure-Job bewirbt. Auf den ersten Blick sagen nämlich Hobbys wie diese einem wenig aufgeschlossenen Personalchef: Ich ziehe mein Kämmerchen und den Aufbau meines Paralleluniversums der hektischen „Welt da draußen“ vor.
  • Feuerwehr, Rettung, Milizsoldat: Der freiwillige Einsatz in einer gemeinnützigen Organisation zeugt von Engagement, Teamgeist und der Bereitschaft, anderen zu helfen. Lauter Eigenschaften, die vom Gros der Personalverantwortlichen auch als positiv vermerkt werden wird. Wenn es zu einem Bewerbungsgespräch kommen sollte, sollte man jedoch auch darauf vorbereitet sein, allfällige Fehlzeiten im Vorfeld anzusprechen. Denn wenn die Sirene heult, wird der Feuerwehrmann wohl kaum vor dem PC sitzen bleiben. Die freiwillige Sanitäterin wird des öfteren müde von der Rettungs-Nachtschicht zum Dienst kommen. Und der Milizsoldat wird regelmäßig eine Dienstfreistellung für Truppenübungen benötigen.
  • Canyoning, Heli-Skiing, Mountainbike-Downhill: Mut. Was andere den Rockzipfel der Mutter herbeisehnen lässt, scheint Action-Trendsportler erst richtig anzuturnen. Sie lieben Adrenalin, vertrauen auf ihr Können und gehen davon aus, damit jedes Risiko so klein wie möglich halten zu können. Das kann in einer Bewerbung durchaus imponieren. Ausschließlich auf diese Trümpfe zu setzen, kann – je nach angestrebtem Job – auch kontraproduktiv wirken: „Der ist dann sicher drei Monate im Jahr verletzungsbedingt im Krankenstand“, ist eine Reaktion, die man beim künftigen Chef ja eher nicht provozieren sollte.
  • Reisen, Lesen, Kultur: Signalisieren Weltoffenheit, Intellekt und Wille zur Weiterbildung. Sollte einerseits in keinem guten „Persönliche Interessen“-Punkt fehlen. Andererseits werden diese Punkte wohl von den meisten Bewerbern angeführt bzw. diese Skills von den meisten Personalreferenten ohnehin vorausgesetzt.
  • Computer, Blogs, Konsole: Hier macht es definitiv die Mischung aus! Sind diese drei Punkte die einzigen angeführten Hobbys, so mag das für den Programmierer ohne großen Kollegen- und Kundenkontakt eventuell noch möglich sein. Ansonsten schadet es sicher nicht, auch etwas Kompetenz im Umgang mit „richtigen Menschen“ zu präsentieren.
  • Stammtisch, Sparverein, Ultra-Fanclub: Sollten im seriösen Lebenslauf nichts verloren haben. Auch wenn Geselligkeit und guter Humor in vielen Firmen durchaus erwünscht ist – in einem Bewerbungsschreiben suggeriert man dadurch eher, dass es durchaus vorkommen kann, mit fadem Auge und wehender Fahne zum Dienst zu erscheinen. Und das gilt, gerade wenn man Verantwortung übernehmen will, nicht unbedingt als förderlich.
  • Sozialdienste, Jugend-Trainer, Greenpeace: Gerade bei Berufseinsteigern Top-Referenzen. Man zeigt Verantwortungsbewusstsein, soziales Engagement und Leistungsbereitschaft aus eigenem Antrieb. Wie bei den meisten Hobbys, am besten in Kombination mit anderen Leidenschaften anführen. Denn den Ruf eines notorischen Weltverbesserers hat man gerade bei konservativen Vorgesetzten schnell weg. Ist dies der Fall, sollte aber ohnehin überlegt werden, ob der angestrebte Job auch der richtige ist.
  • Golf: Was Tennis in den 1990ern war, ist der Sport auf dem Green heute. Golfer gelten nach wie vor als Menschenschlag, die wissen, wie man netzwerkt, Geschäfte macht und sich dem businessfördernden Smalltalk hingibt. Wie bei den Bergfexen gilt auch hier: Nur angeben, wenn man zumindest die Platzreife hat! Denn als Blender ohne Handicap ist man schnell enttarnt.
Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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