Das „Je-ne-sais-quoi“ – Was Bewerber von Models lernen können

von in Arbeitsleben, Bewerbung, Jobsuche am Dienstag, 6. September 2011 um 13:50

Ich liebe es! Dieses kribbelige Gefühl, bevor es losgeht. Noch ein kurzer Blick in meine Unterlagen bestätigt: Alles ist an seinem Platz! Ich habe nichts vergessen. Jetzt nicht nervös werden! Noch einmal durchatmen! Und los geht’s! Ich betrete den Raum, in dem drei Personen um einen runden Tisch sitzen. Eine der Drei lächelt, die anderen blicken gelangweilt. Nicht einschüchtern lassen! Das ist mein Job und ich will ihn haben! „Hallo“, sage ich und begrüße alle Anwesenden mit einem Handschlag. „Mein Name ist Olivia und ich bin von Stellamodels.“

Ja, Castings und Bewerbungsgespräche sind sich ähnlicher als man denkt. Wer Heidi Klums Modelshow kennt, kann sich schwer vorstellen, daraus sinnvolle Lehren zu ziehen. Und doch sind Model-Castings nichts anderes als Vorstellungsgespräche. Und das am laufenden Band: Profimodels haben täglich bis zu zehn Castings. Hatten Sie schon einmal zehn Bewerbungsgespräche an einem Tag? Wohl kaum. Models sind also richtige Profis, wenn es um Bewerbungsgespräche geht. In einem weiteren Punkt unterscheidet sich die Model-Branche kaum von anderen Berufsfeldern. Das Angebot an Bewerbern ist größer als jenes für Jobs. Der Unterschied: Models sind es gewohnt, sich mit vielen Bewerbern messen zu müssen. Sie sollten diese Herausforderung lieben lernen.

Geheimwaffe Austrahlung

Kennen Sie das Gefühl, jemanden kennengelernt zu haben, der Sie fasziniert, ohne zu wissen warum? Das ist es, was Profimodels tagtäglich machen. Sie versuchen, ihrem Gegenüber das Gefühl zu geben: Ich bin etwas Besonderes! Das „Je-ne-sais-quoi“-Gefühl eben (zu Deutsch: das gewisse Etwas). Also eine Art undefinierbaren Eindruck, mit dem man sein Gegenüber verzaubert. Einen Eindruck, der in Erinnerung bleibt. Top-Models sind wahre Meister dieser Kunst. Sie betreten einen Raum und entlocken den Anwesenden allein dadurch ein „WOW“.

Und was hat das bitte mit einem „normalen“ Bewerbungsprozess zu tun? Ganz einfach: Haben Sie es einmal bis zum Vorstellungsgespräch geschafft, konnten Sie schon durch Ihre wahrscheinlich perfekten Bewerbungsunterlagen punkten. Nun ist es an Ihnen, den Personalverantwortlichen zu bezaubern. Dazu müssen Sie keine 1,80 Meter groß sein und gerade mal 50 Kilo auf die Waage bringen. Entscheidend ist Ihre Ausstrahlung. Angehende Models bekommen vor ihrem ersten Casting ein Coaching, das ihnen hilft, im Casting zu bestehen – eine Art Survival-Kit.

Folgende fünf Punkte sind dabei entscheidend:

  1. Brust raus, Bauch rein!
    Unsere Körperhaltung sagt mehr über uns aus, als wir mit Worten beschreiben können. Jeder bildet sich unbewusst eine Meinung seines Gegenübers. Setzen Sie daher Ihre nonverbalen Körpersignale taktisch ein. Wenn wir nervös sind, passiert es schnell, dass wir das auch durch unsere Haltung ausdrücken. Gerade der Moment des Eintretens in einen Raum ist entscheidend. Achten Sie dabei besonders auf Ihre Haltung.
  2. Sprich deutlich!
    Gerade wenn Sie sich vorstellen und Ihr Gegenüber begrüßen: Sprechen Sie laut und deutlich. Wenn Sie Ihren Namen nennen, soll man diesen auch verstehen. Deutliches Sprechen ist in der Geschäftswelt in allen Bereichen wichtig. Niemand mag Nuschler. Vor allem dann nicht, wenn Sie jemanden von sich überzeugen wollen.
  3. Cheeeese!!!
    Lächeln Sie Ihr Gegenüber beim Eintreten an. Das macht Sie gleich vom Fleck weg sympathisch. Auf ein Lächeln folgt meist ein Gegenlächeln. Damit haben Sie unbewusst schon Pluspunkte gesammelt.
  4. Blick immer in die Kamera!
    In Ihrem Fall ist die Kamera Ihr Gegenüber. Versuchen Sie während des Gespräches Augenkontakt zu halten. Beantworten Sie die gestellten Fragen ehrlich und gewissenhaft, aber immer mit Augenkontakt. So erkennen Sie sofort, wenn Ihrem Gegenüber eine Information missfällt. Sie können schnell handeln und noch mal deutlich argumentieren.
  5. Au revoir!
    Egal welchen Ausgang Ihr Gespräch hat, verabschieden Sie sich immer mit einem persönlichen Händedruck. So zeigen Sie Ihrem Gegenüber nicht nur, dass Sie an dem Job interessiert sind, sondern auch froh sind, seine Bekanntschaft gemacht zu haben.

Verzaubern statt zögern!

Das ist es, was das „Je-ne-sais-quoi“ ausmacht. Den Gesprächspartner in seinen Bann ziehen, ohne dass dieser weiß, wie Sie das geschafft haben. Warum fand ich diesen Bewerber sympathischer als den letzten? So wie sich im Model-Business die Mädchen ähneln, gleichen sich auch Qualifikationen auf dem Papier. Heben Sie sich ab und punkten Sie durch Ihr Auftreten. Schaffen Sie es Ihren Gesprächspartner in den Bann zu ziehen! Man wird sich dann sicher bei der Auswahl an Sie erinnern.

Einziger Unterschied: Authentisch bleiben!

Was Models und Bewerber auf jeden Fall unterscheidet, ist die Authentizität. Für einen Job schlüpfen Models in eine andere Rolle. Sie jedoch sollten Sie selbst bleiben. Es bringt nichts, sich nur für das Vorstellungsgespräch besser auszugeben, als man ist. Spätestens in der Probezeit würde diese Lüge auffliegen und der Schaden für alle Beteiligten wäre umso größer. Ihr „Je-ne-sais-quoi“ strahlt von innen heraus. Fühlen Sie sich wohl in Ihrer Haut und strahlen Sie das auch aus!

Redaktion

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren