Mobber oder selbst gemobbt? – Wenn Vorurteile das Denken ersetzen

von in Arbeitsleben, HR am Donnerstag, 24. März 2011 um 11:37

Vorurteile und Anschuldigungen können ganz schön perfide sein: Zum Beispiel, indem man einer Person nachsagt, Mobbing zu betreiben und Streit mit anderen Kollegen zu provozieren. Ziel jeder Führungskraft muss sein, Probleme rasch und transparent aufzulösen. Unterstellungen von Chefs an Mitarbeiter können nämlich über längere Strecken als Mobbingattacken gewertet werden, erklärt Psychologin und Psychotherapeutin Christa Schirl-Russegger.

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Mein Chef unterstellt mir in letzter Zeit folgendes: Er behauptet, dass ich als Frau ein Frauenproblem habe und anderen Frauen etwas neide. Er wirft mir vor, dass ich mobbe, über andere schimpfe und nicht teamfähig bin. Mittlerweile fühle ich mich auch im Team unwohl, sodass ich sogar auf den Betriebsausflug keine Lust mehr habe. Wie soll ich mich verhalten?

Nicht Sie haben ein Frauenproblem, sondern Ihr Chef. Hier gibt es nur ein Rezept: Versuchen Sie ruhig und sachlich zu bleiben. Gehen Sie nicht in die Verteidigungshaltung, denn Argumente sind bei Vorurteilen nutzlos. Sie können nicht zu etwas Stellung nehmen, das Sie nicht erkennen und das sich nach Ihren Augen nicht ereignet hat. Vorurteile sind vielmehr Produkte der Unwissenheit, darum gilt: Fragen Sie bei jedem Vorwurf ganz genau nach! Wie kommen Sie auf die Idee, dass ich ein Frauenproblem habe? Woran können Sie das erkennen? In welcher Situation haben Sie gemerkt, dass ich anderen Frauen etwas neidig sein könnte? Durch diese Fragen erfahren Sie, wie Ihr Chef denkt. Sie bekommen Anteil an seiner persönlichen Wahrheit und Sichtweise. Weitere Fragen an Ihren Chef sind: Was bedeutet für Sie Teamfähigkeit? Woran messen Sie, ob jemand teamfähig ist? Gegen wen habe ich gemobbt? Über wen bin ich hergezogen?

Unterstellungen sind Mobbing

Wenn er auf eine bestimmte Person anspricht, bestehen Sie darauf, dass diese Person zum Gespräch eingeladen wird. Konfrontieren Sie die Person mit den Vorwürfen und versuchen Sie eine Klärung. Möglicherweise liegt ein Missverständnis vor.
Ein Sprichwort sagt, dass Vorurteile das Nachdenken ersparen. Diese vielen Fragen sollen dazu führen, dass Ihr Chef über seine Attacken nachdenkt und selbst erkennt, ob seine Phantasien der Wirklichkeit entsprechen. Gerade in schwierigen Situationen ist es wichtig, sich die Rückenstärkung vom Team zu holen. Gehen Sie mit den Kollegen in die Mittagspause. Nehmen Sie unbedingt am Betriebsausflug teil. So holen Sie ihm den Wind aus den Segeln. Wenn dies alles nichts nützt, schreiben Sie seine Vorwürfe auf und führen Sie ein Mobbing-Tagebuch. Mit diesen Aufzeichnungen gehen Sie zum Betriebsrat. Sollte sich die Situation nicht bessern, ziehen Sie eine Versetzung in Erwägung.

Zur Person:
Christa Schirl-Russegger ist Klinisch- und Gesundheitspsychologin, zertifizierte Arbeitspsychologin und sinnzentrierte Psychotherapeutin. Neben der Tätigkeit in ihrer eigenen Praxis ist sie außerdem Trainerin und Vortragende. Ihre Expertise stellt Christa Schirl-Russegger seit mehreren Jahren zahlreichen Medien zur Verfügung.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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