10 Wege, wie man ein Vorstellungsgespräch zum Fiasko macht

von in Bewerbung, Jobsuche am Dienstag, 11. Januar 2011 um 12:09

Vorstellungsgespräche sind heikel. Geht alles glatt, ist es eine knappe Stunde Konzentration, die den Schranken zum künftigen Karriereweg öffnet. Für das Gegenteil reichen dann oft zwei Sekunden. Denn von der Begrüßung bis zum Verabschieden: Fettnäpfchen lauern überall – nicht nur in den mehr oder weniger offensichtlichen Fallen, die Ihnen der Personalverantwortliche stellt. Zehn Dinge, die Sie im Bewerbungsgespräch besser sein lassen, wenn Sie einen Job wirklich wollen – in drei Rubriken: Dumm, Nachlässig, Peinlich!

Prädikat „Dumm“

  • Sie vergessen den Termin
    Unsere Vorhersage: Neun von zehn Personalchefs werden mit „Pech gehabt“ reagieren. Wer sich für die Mitarbeit in einem Unternehmen wirklich interessiert, kann sich nicht auf einen vollen Terminkalender, kranke Hamster oder ein zu spannendes TV-Programm ausreden. Erscheinen Sie, sonst weinen Sie! Wer aus irgendeinem wirklich wichtigen persönlichen Grund ein Vorstellungsgespräch nicht wahrnehmen kann, sollte dies erstens rechtzeitig und zweitens mit einer guten (=wahrheitsgemäßen) Erklärung machen.
  • Sie kommen zu spät
    Der kleine Bruder von „Sie vergessen den Termin“: Ebenfalls absolutes No-Go. Sicher, gerade wenn man keinen Nerv dafür hat, gehen Autos ein, fahren sonst immer pünktliche Busse, Straßenbahnen und Züge verspätet oder es herrscht lebensgefährliches Glatteis. Daher: Unbedingt rechtzeitig (!) wegfahren. Zehn Minuten im Vorzimmer zu warten ist auf alle Fälle besser als außer Atem und zu spät einzureiten. Wenn es doch irgendwie zur Verspätung kommt: Rechtzeitig anrufen (Nummer von Ansprechpartner im Handy einspeichern!) und den Verspätungsgrund angeben. Übrigens: „Verschlafen…“, ist keine gute Ausrede.
  • Sie haben Rechtschreibfehler im Bewerbungsschreiben
    Wenn Sie es mit einer Bewerbung, die vor Rechtschreibfehlern strotzt, bis zum Vorstellungsgespräch geschafft haben, freuen Sie sich. Bei Ihrem Wunscharbeitgeber legt man offenbar keinen Wert auf Genauigkeit oder Ihr Lebenslauf ist dermaßen überzeugend, dass über diese Schwäche hinweggesehen wird. Das ist jedenfalls selten, wie eine Studie belegt: 2,5 Rechtschreibfehler gelten bei einem österreichischen Durchschnitts-Personaler in der Regel als K.O.-Marke für einen Bewerber.
  • Sie sind nur widerwillig da
    Sie symbolisieren Ihrem Gegenüber gleich von Beginn weg, dass Sie eigentlich kein Interesse an dem Job, am Unternehmen und an der ganzen Bewerbungs-Sache überhaupt haben. Wenn Sie nach außen kehren, dass Sie nur da sind, weil man Ihnen sonst die Arbeitslosenunterstützung streicht oder weil Sie von Ihrer Frau genötigt wurden (ein Bewerberblog.de-Klassiker!), ruinieren Sie bestenfalls Ihren Ruf. Denn seien Sie sicher: Auch Personalchefs verschiedener Unternehmen reden miteinander. Und je kleiner die Branche und eine Stadt, umso eher eilt Ihnen unter ihren künftigen Chefs ein Ruf voraus.

Prädikat „Nachlässig“

  • Sie sind falsch gekleidet
    Krawatte oder nicht? Ist Anzug Pflicht? Kostüm oder Hosenanzug? Natürlich, früher war diese Frage einfacher zu beantworten. Der Anzug für den Herren, das Kostüm für die Dame. Aus. In gewissen Branchen (Bank, Versicherung, Verwaltung, Standesvertretung…) sind diese Bewerbungs-Outfits nach wie vor State of the Art. Heute gibt es aber auch jede Menge Firmen, die keinerlei Bekleidungsvorschriften haben. Wie dort erscheinen? Unser Tipp: Besser etwas over- als underdressed! Auch in Kreativunternehmen liegt man mit (weißem) Hemd, Sakko und geputzten (!), schönen Schuhen nie daneben!
  • Sie sind nicht vorbereitet
    Sie wissen nicht, WAS das Unternehmen überhaupt genau macht, WOFÜR Sie in Ihrer angestrebten Position genau gebraucht werden oder WIE sich das Unternehmen in den vergangenen Jahren entwickelt hat beziehungsweise WOHIN sich dieses entwickeln will? WO ist ihr Dienstort? Wie man dem entgeht: Grundlagenrecherche auf der Firmen-Website, News-Artikel via Google und Zeitungs-Onlinearchive suchen, Bekannte im Unternehmen fragen, worauf es bei der Bewerbung ankommt. Und, und, und. Grundsatz: Nur wer gute Fragen im Vorstellungsgespräch stellt, wird als interessierter Bewerber mit Biss wahrgenommen. Diese sollten aber fundiert sein und nicht auf Grundlagen abzielen. Also: Für die Vorbereitung Zeit einplanen!

Prädikat „Peinlich“

  • Sie begrüßen Ihren künftigen Chef mit falschem Namen
    Könnte ebenso in den Rubriken „Dumm“ und „Nachlässig“ angeführt werden, wenn dieser Fauxpas ein Produkt mangelnder Vorbereitung ist. Unbedingt: Fotos der Unternehmensleitung auf der Firmenwebsite (meist in den Bereichen „Über uns“, „Presse“ oder „Galerie“) ansehen, damit man auch weiß, zu wem man da „Guten Tag“ sagt.
  • Sie sind offensichtlich übernächtig
    Dunkle Augenringe, schlechter Teint und Alkoholfahne … die Nachwehen einer durchzechten Nacht sind allzu offensichtlich? Bevor man so zu einem Vorstellungsgespräch erscheint, ist es schon besser, den Termin gleich ganz zu vergessen (siehe ganz oben). Wer es nicht einmal nüchtern zum Personalchef schafft, legt dem Gegenüber auf jeden Fall den Schluss nahe, dass dies auch in Zukunft mit gewisser Regelmäßigkeit vorkommen wird.
  • Sie zeigen keine Distanz
    Im „Warm Up“ des Gesprächs stellt der Personalchef fest, dass Sie in dieselbe Schule gegangen sind, dass Sie im gleichen Fußballverein spielen oder dass sie gemeinsame Bekannte haben. Nehmen Sie dies nur ja nicht als Anlass zur „Verhaberung“, wie man auf gut österreichisch sagt. So genannte „Eisbrecherfragen“ sind Teil fast jedes Bewerbungsgesprächs und dienen rein dazu, ein Frage-Antwort-Spiel auf hohem Nervositätsniveau zu vermeiden und das Jobinterview auf eine fruchtbare Gesprächsebene zu bringen.
  • Sie sind der klassische Fettnäpfchen-Typ
    „So ein nettes Foto von Ihrem Sohn“ – „Das ist meine Gattin.“ Worst case. Wenn Sie zu dem Typus „Ich lasse kein Fettnäpfchen aus“ zählen, dann versuchen Sie zumindest im Bewerbungsgespräch jegliche Form von Witzen und persönlichen Feststellungen zu unterdrücken.  Denn selbst wenn das Gespräch grundsätzlich super verlaufen ist, können diese wenigen Sekunden zum Abschluss Ihren Gesprächspartner dermaßen verletzen, dass er mit negativen Emotionen an Sie zurückdenkt.
Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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