Vier Turbos für mehr Weiterbildung am Arbeitsplatz

von in Arbeitsleben am Freitag, 15. November 2013 um 11:43

Neun von zehn Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern Angebote zur Weiterbildung – so weit, so gut. Weniger gut ist jedoch die Tatsache, dass weniger als die Hälfte der Österreicher an Weiterbildung teilnimmt. Genauer betrachtet zeigt sich, dass besonders die Gruppe der höher qualifizierten Männer die Angebote in Anspruch nimmt. Vier Turbos für mehr Weiterbildung:

„Nur ein sehr kleiner Kreis profitiert“

Peter Hochegger

Peter Hochegger

Die Ausgangssituation fasst WIFI-Leiter Peter Hochegger wie folgt zusammen: „Berücksichtigt man, dass laut Statistik Austria fast neun von zehn Unternehmen ab zehn Mitarbeitern Weiterbildungen ihrer Mitarbeiter fördern, ergibt sich hier eindeutig, dass davon nur ein sehr kleiner Kreis an Mitarbeitern profitiert. Dieser Kreis muss dringend erweitert werden.“ Aktuell wird besonders die zu Beginn angesprochene Gruppe der höher qualifizierten Männer von den Weiterbildungsangeboten angesprochen. Gemeinsam mit Bildungsforscherin Daniela Holzer und Arbeitspsychologin Helga Schloffer wurden vier wesentliche Punkte erarbeitet, die die Weiterbildung für einen größeren Personenkreis zugänglich machen sollen.

Turbo Nummer Eins: Die Zeit

Weiterbildung sollte zur Arbeitszeit angerechnet werden. Hochegger: „Studien bestätigen, dass mangelnde Vereinbarkeit einer Weiterbildung mit der Arbeitszeit eines der häufigsten Hindernisse für Arbeitnehmer ist. Dem könnte man entgegen wirken, indem jeder Arbeitnehmer einen bestimmten Anteil seiner Arbeitszeit für Weiterbildung verwenden darf.“

Turbo Nummer Zwei: Keine Zwangsbeglückung

„Das musst du machen“ hört wohl niemand gerne. Egal ob Klavierüben als Kind oder eben Weiterbildung als Erwachsener. Diese sollte deshalb immer als Angebot und nie als Pflicht vermittelt werden. Daniela Holzer von der Uni Graz meint: „Es soll ein Recht auf Weiterbildung geben. Aber auch ein Recht auf Widerstand.“ Auch Arbeitspsychologin Helga Schloffer meint: „Die Zwangsbeglückung mit Weiterbildung fördert die ablehnende Haltung. Besser wäre es von Seiten des Vorgesetzten, die Weiterbildungsmaßnahmen gemeinsam mit dem Mitarbeiter festzulegen, damit sich dieser auch ernstgenommen fühlt.“

Turbo Nummer Drei: Keine Alibi-Kurse

Echt ist nur, was auch wirklich im Unternehmen gelebt wird. Dies gilt auch für die Weiterbildung. Wird diese aus reinen Imagegründen angeboten, merken dies meist auch schnell die Mitarbeiter. Und da die Unternehmenskultur von oben vorgelebt werden muss, sollten sich auch Führungskräfte aktiv an den Weiterbildungsmaßnahmen beteiligen. Das Ziel ist es, Weiterbildung als fixen Bestandteil der Unternehmenskultur zu etablieren.

Turbo Nummer Vier:

Individuelle Angebote sind das Um und Auf, wenn es darum geht, möglichst viele Arbeitnehmer mit Bildungsangeboten zu erreichen. Vor allem ältere Mitarbeiter können so ins Boot geholt werden. „Je älter man wird, desto sinnorientierter möchte man lernen“, betont Schloffer. Daher sei es wichtig, stets einen Bezug zu bereits vorhandenen Lebens- und Facherfahrungen herzustellen.

Bildnachweis: Yurylmaging / Quelle Shutterstock, WIFI

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren