Wie das Vertrauen zurück ins Internet kommt

von in Arbeitsleben am Mittwoch, 4. Juni 2014 um 10:32

Alles nur mehr online. Für die einen Segen, für andere Fluch. Google, Facebook & Co. haben sowohl unser Privat- als auch unser Arbeitsleben massiv beeinflusst und verändert. Eine aktuelle Studie der FH OÖ zeigt nun Möglichkeiten auf, den negativen Effekten der virtuellen Kommunikation entgegen zu wirken. Studien-Koordinator René Riedl im Interview.

Wie haben die Leute das früher gemacht?

Wie eingangs erwähnt, hat alles zwei Seiten: auch der technische Fortschritt. Zum einen ermöglichen uns E-Mail & Co. einen enorm raschen Informationsaustausch und auch eine schnelle und sehr unkomplizierte Kontaktaufnahme. Wer hat nicht schon einmal gedacht: Wie haben die Leute das früher gemacht? Arbeiten ohne all das? Der verbesserte Zugang zu Informationen ist wohl einer der größten Gewinne des WWW. Die Kehrseite der Medaille liegt jedoch nahe. Datensicherheit im Netz ist hier nur ein Stichwort. Und genau hier, bei der Einschätzung der Vertrauenswürdigkeit im Internet, setzt die internationale Studie an.

Mensch und Hirn können umlernen

René Riedl

René Riedl

Sie zeigt erstmals auf Basis von Verhaltens- und Gehirndaten, dass virtuelle Kommunikation im Vergleich zu Face-to-Face-Kommunikation zu signifikant negativen Effekten führen kann. Und dies insbesonders deshalb, weil im Internet viel schwerer eingeschätzt werden kann, ob jemand vertrauenswürdig ist oder eben nicht. Die Erklärung hierfür liegt in der Evolution: Denn der Mensch hat für sehr, sehr lange Zeit fast ausschließlich direkt und persönlich kommuniziert. Auf die anonyme Interaktion im Intenet, so Riedl, ist der Mensch aufgrund seiner neurobiologischen Ausstattung wenig vorbereitet. Es gibt jedoch Hoffnung, denn: „Die Verhaltensdaten zeigen, dass der Mensch rasch lernt und sich auf neue Gegebenheiten einstellen kann“, erklärt der Forscher, weshalb sich die junge Generation im Internet viel wohler fühlt und auch mit dieser Art der Kommunikation viel mehr anfangen kann.

Diese Maßnahmen schaffen Vertrauen

Geht es also um wichtige Geschäftstermine, dürfen die möglichen Nachteile der anonymen Online-Kommunikation nicht unterschätzt werden. „E-Mails oder Chats sollten hier definitiv nicht die erste Wahl sein“, rät Riedl zu Videokonferenzen oder dem guten, alten Telefonat. Wer auf Videokonferenzen setzt, sollte dies übrigens nur dann tun, wenn die Technik wirklich einwandfrei funktioniert. „Bei Verzögerungen oder schlechter Qualität des Chats sollte man es lieber ganz bleiben lassen.“

Tipp: Texte immer mit Fakten belegen

Es gibt jedoch, so wie bei der Qualität von Video-Chats, für Unternehmen Möglichkeiten, vertrauensbildende Maßnahmen zu setzen. Als Beispiel nennt Riedl Online-Shops. „Durch die Möglichkeit der Bewertung, entweder auf einer Punkteskala oder durch persönliche Texte, steigt die Vertrauenswürdigkeit der Verkäufer bzw. Firmen enorm. Denn wenn jemand sich einmal nicht an die Regeln hält, wird dies schnell aufgedeckt.“ Weiters können Unternehmen darauf achten, wie sie Informationen online darstellen. Mit welchen Bildern sie etwa Artikel oder Seiten hinterlegen: „Vertrauenserweckend sind, das kennt man aus der Werbung, etwa Tiere oder Kinder.“ Wer mit Texten arbeitet, tut gut daran, Aussagen oder Behauptungen immer zu belegen. „Gut funktioniert dies etwa mit wissenschaftlichen Studien“, so Riedl.

Zur Person: René Riedl

René Riedl ist Inhaber der Professur für Digital Business und Innovation an der University of Applied Sciences Upper Austria. Seit 2013 ist er stellvertretender wissenschaftlicher Leiter am Institut für Personal- und Organisationsentwicklung in Wirtschaft und Verwaltung an der JKU Linz. Riedl war an mehreren akademischen Institutionen aktiv und ist zudem Mitbegründer von NeuroIS. Sein Forschungsschwerpunkt ist interdisziplinär und liegt an der Schnittstelle von Informationssystemen, Wirtschaftswissenschaften, Psychologie, Neurobiologie und Medizin. Übrigens: Von 5. bis 7. Juni 2014 findet in Gmunden die sechste Fachtagung zum Thema „Neuro-Informationssysteme“ statt.

Bildnachweis: Nicoleta Raftu /Quelle Shutterstock, FH OÖ, zaniman /Quelle Shutterstock

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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