Versprechen: Mehr als nötig, zahlt sich das aus?

von in Arbeitsleben am Mittwoch, 17. Dezember 2014 um 11:50

Dass ein gebrochenes Versprechen negative Reaktionen nach sich zieht, ist einleuchtend. Lohnt es sich aber, ein Versprechen nicht nur einzuhalten, sondern überzuerfüllen? Nein – das ist verlorene Liebesmüh, behaupten zwei Sozialpsychologen die sich damit beschäftigen, welche Konsequenzen erfüllte oder nicht erfüllte Versprechen nach sich ziehen.

Nur nicht übertreiben

Die Kollegin erklärt sich bereit, eine Stunde länger zu bleiben, um bei der Fertigstellung des Jahresberichtes zu helfen. Nach einer Stunde ist noch jede Menge zu erledigen und sie beschließt spontant, noch länger zu bleiben und zu helfen. Freut man sich darüber? Klar! Aber hätte man sich genauso gefreut, wenn die Kollegin nach einer Stunde Hilfe gegangen wäre? Die beiden Sozialpsychologen Ayelet Gneezy und Nicholas Epley würden das bejahen, berichtet die Plattform Forschung erleben. In ihren Studien widmeten sich die Forscher den Konsequenzen, die eingehaltene bzw. nicht eingehaltene und übererfüllte Versprechen nach sich ziehen.

Vertrauen zählt mehr als Einsatz

Besonders interessant ist ihre Annahme, dass übererfüllte Versprechen nicht besser bewertet werden als Versprechen, die einfach nur eingehalten werden. Woran liegt’s? Möglich ist, dass eingehaltene Versprechen überbewertet und übererfüllte Versprechen unterbewertet werden. Der Aspekt der bewiesenen Vertrauenswürdigkeit könnte so stark ins Gewicht fallen, dass das Ausmaß der Erfüllung dann nicht mehr ins Gewicht fällt.

Nicht über das Ziel hinausschießen

Geprüft wurde diese These folgendermaßen: Im Rahmen eines Experiments mussten Versuchspersonen paarweise Aufgaben lösen. Person A sollte 40 Aufgaben bearbeiten, pro richtiger Lösung konnte Geld verdient werden. Was die Versuchsperson nicht wusste war, dass Person B instruiert wurde, Hilfe anzubieten. Sie bot Person A an, die Lösung von zehn Aufgaben zu übernehmen. Verschiedene Versuchspersonen machten sich dann daran, dieses Versprechen zu erfüllen – oder auch nicht. Ein Drittel aller Personen B löste wirklich zehn Aufgaben, ein anderes Drittel brach ihr Versprechen und löste nur fünf Aufgaben, das letzte Drittel schoß über das Ziel hinaus und löste gleich 15 Aufgaben. Danach schätze Person A das Bemühen von Person B ein und bewertete die eigene Dankbarkeit und Fröhlichkeit angesichts der gelösten bzw. ungelösten Aufgaben.

Ganz egal, ob Versprechen eingehalten oder übererfüllt werden

Nach der Versuchsreihe zeigte sich folgendes Ergebnis: Die gebrochenen Versprechen von Person B stimmten Person A weniger fröhlich und dankbar. Zwischen den eingehaltenen und den übererfüllten Versprechen zeigten sich jedoch keine Unterschiede. Objektiv gesehen ist klar, dass das Lösen von 15 Aufgaben mehr Zeit und Energie kostet und Person A mehr Gewinn eingebracht hatte, als das Lösen von nur zehn Aufgaben. In einem weiteren Experiment bestätigten Gneezy und Epley die Annahme, dass die Asymmetrie in der Bewertung durch die Überbewertung eingehaltener Versprechen entsteht. Vermutlich zeigt sich darin die evolutionäre Wichtigkeit von Vertrauenswürdigkeit.
Kann man sich großzügiges Verhalten dann gleich sparen? Die Studienergebnisse legen tatsächlich nahe, dass es verschwendete Mühe ist, beim Erfüllen eines Versprechens mehr als die Erwartungen zu erfüllen.

Bildnachweis: Stokkete / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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