Die Meisterschaft des Leidens – oder: „Das Vergleichen ist das Ende des Glücks“

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 17. Februar 2011 um 10:58

Sie kennen das. Eine Abteilung läuft wie eine gut geölte Maschine. Plötzlich kommt ein neues Teammitglied dazu und bringt das bestehende Teamgefüge völlig durcheinander. Die Leistung des neuen Mitarbeiters stimmt, die Vorgesetzten sind zufrieden. Nur die „Alteingesessenen“ fühlen sich nicht mehr wohl. Warum das so ist, erklärt Psychologin uns Psychotherapeutin Christa Schirl-Russegger.

Unser Team wurde aufgestockt und jetzt ist eine wesentlich jüngere, sehr engagierte Mitarbeiterin dazu gekommen. Die  neue Kollegin sprüht vor Elan, hat wirklich gute Ideen und ist auch sonst sehr umgänglich. Leider merke ich, wie sich seither mein Wohlbefinden im Team verschlechtert. Innerlich vergleiche ich mich ständig mit ihr und schneide in manchen Bereichen wirklich schlechter ab als sie.

Wenn Sie sich mit einem Schimpansen vergleichen, schneiden Sie im Bereich Klettern sicher schlecht ab. Wenn Sie sich mit einer Biene vergleichen, haben Sie was das Honig sammeln betrifft, mit Sicherheit schlechte Karten. Und die vielen Füßchen eines Tausendfüßlers werden Sie nie erreichen! Und wenn Sie sich mit einem Mann vergleichen…. Was wäre dann?… Fehlt Ihnen da nicht auch etwas ganz Entscheidendes? Wenn Sie erfolgreich leiden möchten, vergleichen Sie sich am besten mit Kriterien, die unerreichbar sind. Tun Sie das möglichst häufig und berücksichtigen Sie nur jene Faktoren, die andere besser können. Gehen Sie dabei ins Detail und vergessen Sie, alles, was Sie können. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit genau auf das, was Sie nicht können. Die Meisterschaft im Leiden werden Sie so schnellstens erreichen. Oder wie Kierkegaard sagt: „Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit!“

Fokus auf Stärken legen

In meinen Beratungsprozessen merke ich immer wieder, dass zufriedene Menschen ihren Fokus auf ihre Stärken legen, auf ihre Erfolge, auf ihre Einmaligkeit. Sollten Sie keine Meisterin im Leiden werden wollen, stoppen Sie sofort alle Vergleiche: Überlegen Sie sich, was Ihre Einmaligkeit und Einzigartigkeit ausmacht? Was macht Sie unverwechselbar? Worauf sind Sie stolz? Was schätzen Ihre Freunde besonders an Ihnen? Was ist Ihr einmaliges, einzigartiges Talent? Und vergessen Sie nicht: Die vermeintlich Besseren haben auch Ihre Schwächen und Wachstumspotentiale.

Zur Person:
Christa Schirl-Russegger ist Klinisch- und Gesundheitspsychologin, zertifizierte Arbeitspsychologin und sinnzentrierte Psychotherapeutin. Neben der Tätigkeit in ihrer eigenen Praxis ist sie außerdem Trainerin und Vortragende. Ihre Expertise stellt Christa Schirl-Russegger seit mehreren Jahren zahlreichen Medien zur Verfügung.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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