Chefs, gebt euren Mitarbeitern Verantwortung!

von in Arbeitsleben, HR am Montag, 3. September 2012 um 10:23

Das tolle Gefühl, wenn eigene Ideen im Unternehmen umgesetzt werden sowie die anschließende Freude am Erfolg: Wer diese Emotionen in seinem Job erleben darf, der kann sich glücklich schätzen. Und ist, wie eine aktuelle Studie des deutschen Unternehmensberaters Rochus-Mummert zeigt, in der Minderheit. Denn drei von vier Mitarbeitern fühlen sich von ihren Chefs ausgebremst und im eigenen Gestaltungswillen beschnitten. Die logischen Folgen sind Frust und sinkende Arbeitsmotivation. Firmen, die ihre Mitarbeiter fördern, statt ausbremsen, fahren hingegen doppelt gut, so die Kernaussage der Studie.

Topmanager ohne Mut?

„Wenig Unternehmergeist, geringe Risikobereitschaft und kaum Vertrauen in die Fähigkeiten der eigenen Mitarbeiter – die Topmanager hat offenbar der Mut verlassen“, kommentiert Hans Schlipat von Rochus Mummert die Ergebnisse der aktuellen Studie, für die 220 Mitarbeiter und Führungskräfte großer und mittelständischer Unternehmen befragt wurden. 73 Prozent der Mitarbeiter in Deutschlands Unternehmen finden laut der Online-Umfrage, dass sie in ihrer Arbeit bzw. Gestaltungsfreiheit durch das Topmanagement eingeschränkt sind. Dadurch gehen nicht nur zahlreiche gute Ideen verloren, sondern mit der Zeit auch die Motivation. Studienleiter Peter Euringer ist sich sicher, dass kein Vorstand oder Geschäftsführer langfristig ohne den Rückhalt seiner Mitarbeiter erfolgreich sein kann. Das Problem scheint hier, wie so oft, zu sein, dass die Selbst- und die Fremdwahrnehmung der Betroffenen weit auseinanderklaffen. Denn 63 Prozent der Topmanager gaben zwar an, dass ihr Unternehmen auf den Gestaltungswillen des Einzelnen und dessen Freude am Erfolg setzt, andererseits bejahen nur 42 Prozent der leitenden Angestellten und 27 Prozent der Fachkräfte diese Aussage.

Try and Error? – Meist Fehlanzeige!

Aber nicht nur beim Gestaltungswillen, auch beim Übertragen von Verantwortung zeigt sich die Diskrepanz in der Wahrnehmung von Manager und Mitarbeiter: Während drei von vier Topmanagern sagen, dass sie Verantwortung abgeben, ist nur einer von vier Mitarbeitern der Ansicht, auch tatsächlich Verantwortung übertragen zu bekommen. Am deutlichsten zeigt sich diese Unstimmigkeit zwischen den Hierarchiebenen übrigens bei der Fehlertoleranz: Nur elf Prozent der Mitarbeiter sagten, dass das Ausprobieren – mit der Möglichkeit, Fehler zu machen – in ihrer Firma erlaubt und gern gesehen sei. Eine gänzlich andere Einschätzung gibt es auch hier auf Seiten der Manager: 38 Prozent von ihnen sagten, das Try and Error-Prinzip sei im Unternehmen gewollt und erlaubt.

Vertrauen wird reich belohnt

Dass Unternehmen, in denen auch tatsächlich Verantwortung an die Mitarbeiter übergeben wird, erfolgreicher sind, ist ein wesentliches Ergebnis der Studie. Es konnte bewiesen werden: In erfolgreichen Unternehmen bestätigen zwei Drittel der Befragten, dass die oberen Etagen auch tatsächlich Kompetenzen und Verantwortungen abgeben würden. In durchschnittlich bzw. weniger erfolgreichen Unternehmen stimmten hingegen nur rund ein Drittel der Befragten dieser Aussage zu. Vertrauen an die Mitarbeiter wird demnach mit Erfolg belohnt, die Menschen sind kreativer und motivierter. Für die Mitarbeiter ergeben sich aus einem Mehr an Verantwortung zudem bessere Karrierechancen, weil mit der Verantwortung auch die Position im Unternehmen wächst. Zudem zeigte sich, dass das Ausbremsen negative Auswirkungen auf die Flukuation hat bzw. dass Firmen, die die Gestaltungskraft ihrer Mitarbeiter fördern, eine sehr geringe Fluktuation haben. „Je eher die Topentscheider auf den Gestaltungswillen des Einzelnen und dessen Freude am Erfolg setzen, desto größer ist die Zufriedenheit im Unternehmen“, erklärt Euringer dieses Ergebnis.

Bildnachweis: Colourbox

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren