Väterkarenz – Es gibt noch zu wenig Vorbilder

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 27. Juni 2013 um 10:52

„Wir wollen niemanden zu etwas zwingen aber die Möglichkeit zur Väterkarenz muss da sein“, schloss Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek gestern in der Linzer AK ihre Österreich-Tour zum Thema „Echte Männer gehen in Karenz„. Gezwungen wird auch kein Vater und wenn, dann wohl eher zum Arbeiten. Denn in vielen Betrieben sind Karenzväter nach wie vor Exoten.

Warum Männer nicht zu Hause bleiben (können)

Aktuell beträgt die Väterquote bei Karenzen in Österreich 4,5 Prozent. Den Wunsch, mehr Zeit mit den Kindern zu verbringen, äußern immer mehr Väter – erfüllen können oder wollen sich diesen jedoch noch viel zu wenige, so Heinisch-Hosek. Die Hauptgründe hierfür sind einerseits finanzieller Natur, andererseits in der Angst um die eigene Karriere begründet. Jedoch: Die fünf verschiedenen Kinderbetreuungsgeldmodelle (siehe unten) sollen die finanziellen Bedenken von früher zerstreuen. Zur Sorge um den Job meint AKOÖ-Präsident Johann Kalliauer: „Eltern, auch Väter, haben das Recht, in Karenz zu gehen. Für Männer gelten die gleichen Diskriminierungsverbote wie für Frauen“, betont Kalliauer. Dies bedeutet, dass auch Männer, die in Karenz gehen, weder gekündigt noch entlassen werden dürfen.

Jeder Vater hat Vorzeigewirkung

Er räumt jedoch auch ein, dass es trotz der Rechtslage nach wie vor in vielen Betrieben Vorbehalte gibt. „Diese abzubauen ist ein längerer Prozess.“ Jedoch: „Jeder Vater, der in Karenz geht, hat eine große Vorzeigewirkung und es ist unser Ziel, dass ein Mitarbeiter, der in Karenz geht, zur Selbstverständlichkeit wird.“ Aktuell müssen also viele Männer, die in Väterkarenz gehen, so wie deren Familien, noch sehr mutig sein. Ist einmal die kritische Masse erreicht, soll alles viel leichter gehen. Hoffentlich.

Überblick: Die fünf Kinderbetreuungsgeld-Modelle

30 + 6: ein Elternteil maximal bis zum 30. Lebensmonat, Verlängerung um maximal sechs Monate, wenn die Eltern sich die Betreuungszeit aufteilen. Summe: 436 Euro pro Monat

20 + 4: ein Elternteil maximal bis zum 20. Lebensmonat, Verlängerung um maximal vier Monate, wenn die Eltern sich die Zeit aufteilen. Summe: 624 Euro pro Monat

15 + 3: ein Elternteil maximal bis zum 15. Lebensmonat, Verlängerung um maximal drei Monate, wenn die Eltern sich die Betreuungszeit aufteilen. Summe: 800 Euro pro Monat

12 + 2 pauschal: ein Elternteil maximal bis zum 12. Lebensmonat, Verlängerung um maximal zwei Monate, wenn die Eltern sich die Bezugszeit aufteilen. Summe: 1.000 Euro pro Monat

12 + 2 einkommensabhängig: ein Elternteil maximal bis zum 12. Lebensmonat, Verlängerung um maximal zwei Monate, wenn die Eltern sich die Zeit aufteilen. Summe: 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens, mindestens 1.000 und maximal 2.000 Euro.

Bildnachweis: Max Topchii / Quelle Shutterstock

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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