Väter 2.0 – Der Unterschied zwischen Wunsch und Wirklichkeit

von in Arbeitsleben am Mittwoch, 5. Februar 2014 um 11:24

Das Thema Väterkarenz beschäftigt viele: Die Betroffenen oder potenziell Betroffenen an erster Stelle, die Arbeitgeber wohl an zweiter. Auch die Politik spielt dabei natürlich eine große Rolle. Viele Väter würden gerne mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, zwischen Wunsch und Wirklichkeit liegen bei diesem Thema jedoch manchmal Welten. Eine aktuelle forsa-Studie im Auftrag der Zeitschrift Eltern.de hat den modernen Vater nun unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse sind spannend.

Leben mit Kindern „überhaupt nicht so“ wie vorgestellt

1012 Väter und Stiefväter zwischen 20 und 55 Jahren wurden zum Thema Vatersein befragt – nachdenklich stimmt, dass für acht Prozent der Männer das Leben mit Kind „überhaupt nicht so“ wie erhofft ist. Aber der Reihe nach: 58 Prozent der Männer gaben an, durch die Geburt des Kindes ein glücklicheres und erfüllteres Leben zu führen. Weitere 29 Prozent empfinden ihre Partnerschaft als Eltern intensiver. Einfluss auf die Zeit für sich selbst hat die Vaterrolle freilich auch – mehr als die Hälfte (56 Prozent) der Männer gaben an, nun deutlich weniger Zeit für sich zu haben, weitere 30 Prozent spüren eine geringe Einschränkung. Je jünger die Kinder und je mehr Nachwuchs, desto seltener die Zeit für sich. So weit, so logisch.

Wie viel Zeit pro Tag mit dem Kind?

Zeit mit den KindernWie aber sieht es mit der gemeinsamen Zeit mit den Kindern aus? Auch hier liefert die Studie spannende Ergebnisse:

An einem durchschnittlichen Wochentag verbringen …

  • 9 Prozent der Väter bis zu 30 Minuten
  • 21 Prozent zwischen 30 und 60 Minuten
  • 29 Prozent der Männer zwischen einer und zwei Stunden
  • 20 Prozent zwischen zwei und drei Stunden
  • 18 Prozent mehr als drei Stunden

… mit ihrem Kind.

Keine Auswirkungen auf die Karriere

Vaeter KarriereWem diese Zahlen zu denken geben, dem sei gesagt, dass nur 15 Prozent der Väter die mit den Kindern verbrachte Zeit für ausreichend halten – die Männer wollen mehr am Familienleben teilhaben. Etwa in Form der Elternzeit. In Anspruch genommen haben diese 18 Prozent der Befragten – nur wenige davon waren jedoch für mehr als zwei Monate zu Hause bei ihren Kindern. Was aber hindert die Männer daran, mehr Zeit mit ihren (vor allem kleinen) Kinder zu verbringen? Wie erwartet: Die finanzielle Absicherung sowie die Karriere. Auf die Frage: „Auswirkungen der Elternzeit auf die Karrierechancen“ gab jeder dritte (!) Mann an, dass sich diese eher negativ auswirken würde. Sieben Prozent gehen laut der Studie sogar von „sehr negativen“ Folgen aus. Spannend ist, dass Väter, die bereits in Elternzeit waren, im Vergleich überdurchschnittlich häufig angaben, dass die fehlende Arbeitszeit keine Auswirkungen auf die Karriere hatte. Eine Botschaft, die Hoffnung gibt – jedoch noch zu wenig verbreitet ist. Denn was es braucht, sind mehr Vorbilder.

Den Anforderungen nicht gerecht werden

Vaeter Karriere AlleinverdienerDenn der Wunsch nach mehr Zeit mit der Familie ist groß – 43 Prozent der Männer haben ihn. Nur ein Prozent der Befragten hingegen gab an, gerne mehr Zeit für den Beruf zu haben. 15 Prozent fühlen sich weder in der Lage, den Anforderungen daheim noch jenen im Job gerecht zu werden. Die eindeutige Mehrheit der Befragten (89 Prozent) war zum Zeitpunkt der Befragung Vollzeit berufstätig, die finanzielle Versorgung der Familie liegt mit 74 Prozent größtenteils beim Mann. Eine Rolle, die zwölf Prozent der Väter sehr belastet. Gegenüber stehen einander also das traditionelle Familienbild mit dem Mann als Versorger auf der einen und dem Vater als Familienmensch auf der anderen Seite.

Was zeichnet einen guten Vater aus?

Gefragt, was ihrer Meinung nach einen guten Vater auszeichnet, sind sich die Männer größtenteils einig – hier die wichtigsten Punkte:

Ein guter Vater:

  • interessiert sich für die schulische Situation der Kinder (89 Prozent)
  • verbringt so viel Zeit wie möglich mit dem Nachwuchs (81 Prozent)
  • sorgt für die finanzielle Versorgung der Familie (61 Prozent)
  • wickelt und füttert sein Baby und ist, wenn er zu Hause ist, ansprechbar (jeweils 56 Prozent)

Wird die Vereinbarkeit von Familie und Beruf diskutiert, darf nicht auf den Mann vergessen werden. Dies zeigt die Studie eindeutig. Auch, dass noch viel getan werden muss. Für die Betroffenen und potenziell Betroffenen an erster Stelle.

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Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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