Endlich Urlaub! So macht man das Beste aus den sonnigen Tagen

von in Arbeitsleben, Arbeitsrecht am Montag, 15. Juni 2015 um 19:53

Sommerzeit ist Urlaubszeit! Unsere aktuelle karriere.at-Umfrage hat erfragt, wie es mit dem Urlaubskontingent der Arbeitnehmer aussieht: Wird immer alles aufgebraucht oder bleiben Arbeitnehmer auf ihren Urlaubstagen sitzen? Ob Urlaub verfallen kann oder der Chef bereits genehmigten Urlaub wieder zurücknehmen kann weiß Rechtsanwalt Georg Bruckmüller. Er beantwortet häufig gestellte Fragen zum Urlaubsrecht. Psychologin Christa Schirl verrät 5 Tipps, wie man aus dem Urlaub möglichst viel Erholung rausholt.

Keine Zeit für Urlaub?

Am Ende eines Arbeitsjahres immer noch ein dickes Plus am Urlaubstage-Konto? Laut Online-Stimmungsbild nehmen 17 Prozent der befragten Arbeitnehmer massenhaft Urlaub mit ins neue Jahr. 16 Prozent sammeln so viele Überstunden an, dass das Urlaubskontingent nicht wirklich schrumpft. Ein Drittel der Arbeitnehmer werden vom Dienstgeber dazu angehalten, ihren Urlaub aufzubrauchen, 34 Prozent konsumieren ihren Urlaub auf jeden Fall.

Umfrage Urlaub aufbrauchen Arbeitnehmer

Urlaubsrecht: 3 Antworten auf oft gestellten Fragen

Georg Bruckmüller

Georg Bruckmüller

So positiv Urlaub auch ist, im Joballtag sorgt das Thema mitunter für Streitigkeiten. Der Arbeitgeber verlangt, dass man seinen Urlaub möglichst aufbraucht – selbst möchte man gerne ein oder zwei Wochen ins neue Jahr mitnehmen. Und was passiert, wenn der Chef kurz vor Urlaubsantritt verkündet: Sorry, geht doch nicht – wir brauchen dich hier. Urlaub stornieren und ab ins Büro? Rechtsanwalt Georg Bruckmüller beantwortet drei häufig gestellte Fragen zum Urlaubsrecht:

Kann der Arbeitgeber verlangen, dass man Urlaub im betreffenden Jahr vollständig aufbraucht und keine Urlaubstage ins neue Jahr mitnimmt?

Bruckmüller: Der konkrete Verbrauch eines Urlaubs bedarf grundsätzlich einer Vereinbarung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Nach dem Gesetzeswortlaut hat diese Vereinbarung so zu erfolgen, dass der Urlaub möglichst bis zum Ende des Urlaubsjahres, in dem der Anspruch entstanden ist, verbraucht werden kann. Ein einseitige Anordnung durch den Arbeitgeber, etwa in der Form, dass er dem Mitarbeiter den Urlaubsverbrauch und dessen zeitliche Lage vorschreibt,  ist aber aufgrund dieser notwendigen „Vereinbarung“ ausgeschlossen. Zu beachten ist aber, dass der Urlaubsanspruch nach Ablauf von zwei Jahren ab dem Ende des Urlaubsjahres, in dem er entstanden ist, verjährt. Durch diese Bestimmung soll das „Horten“ von Urlaubsansprüchen durch den Arbeitnehmer verhindert werden.

Hat der Arbeitnehmer Anspruch auf eine bestimmte Anzahl zusammenhängender Urlaubstage?

Bruckmüller: Ja. Das Urlaubsgesetz sieht vor, dass der Urlaub des Arbeitnehmers in zwei Teilen verbraucht werden kann und ein Teil mindestens sechs Werktage beträgt. Nach dem Gesetz ist ein Urlaubsverbrauch im geringeren Ausmaß – also zum Beispiel lediglich ein oder zwei Urlaubstage – an sich unzulässig. Nach Lehre und Rechtsprechung ist ein derartig unzulässig vereinbarter Urlaubsverbrauch von beispielsweise einem Urlaubstag aber wirksam, wenn die Initiative vom Arbeitnehmer ausgeht (im Sinne des „Günstigkeitsprinzips“).

Kann ein Arbeitgeber bereits genehmigten Urlaub wieder „zurücknehmen“? Was tun, wenn der Arbeitnehmer bereits Geld in Reise oder Unterkunft investiert hat?

Bruckmüller: Eine einmal zustande gekommene Urlaubsvereinbarung bindet beide Seiten, also Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Die Urlaubsvereinbarung kann allerdings vor oder nach Antritt des Urlaubs durch eine neue (gemeinsame) Vereinbarung ersetzt, abgeändert oder aufgehoben werden. Eine einseitige Aufhebung ist grundsätzlich nicht zulässig. Eine Ausnahme besteht bei Vorliegen eines wichtigen Grundes, dann kann von der Urlaubsvereinbarung zurückgetreten werden. Als wichtiger Grund gelten ausschließlich schwerwiegende, also betrieblich notwendige Gründe, die zur Vermeidung eines wirtschaftlichen Nachteils des Arbeitgeber unerlässlich sind. Wenn dem Arbeitnehmer infolge des Rücktritts durch den Arbeitgeber, insbesondere durch die Rückberufung vom Urlaub, Kosten entstanden sind (z.B. Stornogebühren), sind diese vom Arbeitgeber zu ersetzen.

Urlaub Tipps

Yeah, Urlaub! 5 Tipps, um das Beste aus den freien Tagen zu machen

Christa Schirl

Christa Schirl

„Der wichtigste Urlaub beginnt im Alltag“, sagt Psychologin Christa Schirl und rät zu kleinen Urlaubsphasen, die die Hektik des Alltags auch abseits des großen Sommerurlaubs durchbrechen: Regelmäßig Pause machen, an schönen Tagen einmal früher aus dem Büro gehen, nicht jeden Tag Überstunden schieben. Bei aller Gelassenheit im Alltag, geht es ohne die heiß erwartete Urlaubszeit dann aber doch nicht. 5 Wochen bezahlter Urlaub stehen jedem Arbeitnehmer zu – und man sollte das Beste daraus machen.

  • Urlaub richtig timen
    Wenn man sich urlaubsreif fühlt, ist es für die eigene Erholung oft schon zu spät. „Viel wichtiger als der Urlaub selbst sind die kleinen Urlaubsinseln im Alltag, dann ist der große Urlaub nicht mehr so dringend nötig“, erklärt Schirl.
  • Welcher Urlaubstyp bin ich?
    Plötzlich Urlaub. Und jetzt? Kaum zu glauben, aber manche tun sogar im Urlaub Dinge, die ihnen eigentlich nicht gefallen. „Es gibt immer wieder Menschen, die genau den falschen Urlaub buchen“, sagt Schirl: Jemand sehnt sich nach Bergluft und grenzenlosem Weitblick vom Gipfel – im Urlaub findet man sich dann mit Kind und Kegel auf Cluburlaub in der Türkei. Das geschieht laut Schirl, wenn man sich vorher nicht ehrlich überlegt, was man vom Urlaub eigentlich möchte – oder die Urlaubsplanung anderen Personen überlässt.
  • Aktiv oder doch lieber gemütlich?
    Die Psychologin rät dazu, im Urlaub das Gegenteil von dem zu machen, was im Job getan wird. Wer viel sitzt, möchte sich in seiner Urlaubszeit vielleicht viel bewegen und Sport treiben. Hat man beruflich sehr viel mit Menschen zu tun, sehnt man sich wahrscheinlich nach Ruhe und Rückzug. Auch, ob man zwei oder drei Wochen Urlaub am Stück konsumieren möchte oder lieber kurze Phasen über das ganze Jahr verteilt: Es hängt immer von der eigenen Persönlichkeit und den Vorlieben ab.
  • In den Urlaub hineingleiten
    Der Klassiker: Die letzten Arbeitstage vor dem Urlaub sind gefüllt mit Meetings, Überstunden und Dingen, die man noch erledigen muss. Mit Hochdruck wird daran gearbeitet, dass alles fertig wird, pünktlich zu Urlaubsbeginn wird man dann krank. Die sogenannte „Entlastungsdepression“ ist laut Schirl ein Zeichen dafür, dass man vor der Erholungsphase zu viel Gas gegeben hat. Stressige Tage vor dem Urlaub lassen sich nicht immer vermeiden, man kann aber versuchen, die Arbeitsbelastung etwas einzudämmen. Die Psychologin empfiehlt außerdem: Am letzten Arbeitstag den Schreibtisch aufräumen, nicht sofort am ersten Urlaubstag ins Flugzeug steigen, sondern einen ruhigen Tag zu Hause einplanen: Zum Abschalten, Urlaub begrüßen und Koffer packen.
  • Raus aus der alltäglichen Umgebung
    Auch Wochenenden und einzelne Tage können viel Erholung bringen. Vorausgesetzt, man nutzt sie nicht ausschließlich für häusliche oder soziale Verpflichtungen. „Man arbeitet Vollzeit und erledigt daneben noch den Haushalt. Wenn man nach der Arbeit in die Wohnung kommt und dann auch noch die Hausarbeit im Sinne von Arbeit wahrnimmt, ist es besser, mal ein Wochenende wegzufahren„, rät Schirl.

Bildnachweis: Protasov AN/ Shutterstock; Carlos Caetano / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.