Ehrlich oder nicht? Die Unterschrift kann Bände sprechen

von in Arbeitsleben, Bewerbung am Freitag, 1. Juli 2016 um 10:40

In Zeiten der Digitalisierung steht der langen Tradition der handschriftlichen Unterschrift die weit bequemere Möglichkeit der elektronischen Unterschrift gegenüber. Hat damit die ganz persönliche Note in Dokumenten des Arbeitslebens ausgedient? Wir sagen ganz klar nein und verraten dir, warum du besser mit der Hand unterschreiben solltest.

Arztklauen, liebliche Schnörkel oder akkurate Linienführung – in der Unterschrift können sich Persönlichkeit und Charakteristiken spiegeln, aber vor allem ist sie ein unverwechselbares Kennzeichen unserer selbst. Während Autogramme von Stars langsam durch Selfies ersetzt werden, lauert der händischen Unterschrift bereits die elektronische auf. Ist die zweite Variante doch viel praktischer: Ein Klick reicht und zudem muss das Dokument nicht extra ausgedruckt und wieder eingescannt werden, um inklusive Unterschrift auf den elektronischen Weg geschickt zu werden.

Handgeschriebenes ist ehrlicher

Gesetzlich sind beide oft gleichgestellt und dennoch gibt es triftige Gründe, sich nicht von der Effizienz der digitalen Welt verleiten zu lassen, wie die Plattform Forschung erleben aufzeigt. Neben nostalgischen Gründen steht nämlich auch ein anderes, psychologisches Motiv für die handschriftliche Variante: Ehrlichkeit! – dafür bürgt nämlich die Unterschrift per Hand, das belegt eine Studie der Forscherin Eileen Chou. Sie fand heraus, dass elektronisch unterzeichnete Dokumente im Vergleich zu handschriftlich unterschriebenen Glaubwürdigkeit einbüßen.

In einer Studienserie wurde den Teilnehmern ein Anreiz zur Unehrlichkeit gegeben: z.B. sollten diese selbst angeben, wie viele Mathematikaufgaben sie gelöst hatten. Für jede korrekte Lösung erhielten sie ein Los mit der Chance auf einen Geldgewinn. Ohne ihr Wissen wurden die Teilnehmenden überprüft und die tatsächliche Anzahl der richtig gelösten Aufgaben festgehalten, wodurch der Anteil an unehrlichen Angaben gemessen werden konnte. Bei all diesen Studien sollte die Mehrheit der Studienteilnehmer am Anfang bestätigen, dass sie die Aufgabe verstanden hatte und nur wahre Informationen anführen würde – und das per Handschrift oder elektronischer Unterschrift (durch Eintippen des Namens am Computer, dem Eingeben einer PIN oder dem Anklicken einer Checkbox). Der Rest der Teilnehmer musste keine solche Erklärung unterzeichnen.

In der Tat bewirkte eine klassische Unterschrift mit der Hand – selbst wenn sie mit dem Maus-Cursor ausgeführt wurde – weniger Unehrlichkeit, während nach einer elektronischen Unterschrift öfter falsche Angaben gemacht wurden. Auch die Gruppe, die überhaupt keine Erklärung zur Richtigkeit der Angaben unterschrieben hatte, war eher von Lügen geleitet. Zwei weitere Studien zeigten außerdem, dass sich Personen stärker mit ihrer handschriftlichen Unterschrift verbunden fühlten. Wurde diese Identifikation mit der eigenen Unterschrift unterbrochen (wie bei elektronischen Varianten), neigten sie eher zu unaufrichtigem Verhalten.

Psycho-logisch?!

Weil elektronische Unterschriften weniger mit der eigenen Person in Verbindung gesetzt werden, schaffen diese auch weniger Verbindlichkeit als eine persönliche, handgefertigte Unterschrift. Dementsprechend tendieren Menschen bei „bloßer“ elektronischer Unterschrift zu mehr Unehrlichkeit. Diesen Studien zufolge ist eine elektronische Unterschrift wohl doch nicht gleichwertiger Ersatz für die klassische Variante, da sie oft nicht die gewünschte Verbindlichkeit schaffen kann. Zudem begleitet uns vielleicht nicht umsonst ein gewisses Unwohlsein bei der Vorstellung, dass ein einfacher Mausklick uns vor dem Gesetz vertreten soll. Elektronische Unterschriften, die eine stärkere Identifikation unterstützen, etwa das Unterschreiben per Maus, könnten dem eher entgegenwirken.

Warum du generell immer mit der Hand unterschreiben solltest, haben wir außerdem in diesem Artikel verraten.

Bildnachweis: tsyhun/Shutterstock

Tanja Karlsböck

Tanja Karlsböck verfasst Blogposts rund umʼs Arbeitsleben, denn Schreiben ist ihre liebste Kulturtechnik.

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