Love it, change it or leave it: So findest du dein Glück im Job

von in Arbeitsleben, Jobsuche am Montag, 20. Juni 2016 um 20:13

Unglücklich im Job. Das Gefühl taucht vielleicht erst schleichend auf, an einzelnen Tagen oder zu bestimmten Zeitpunkten. Ach, das geht vorbei. Arbeit kann halt nicht immer Spaß machen. Stimmt, aber wenn die negativen Gefühle sich am Arbeitsplatz häuslich einrichten ist es an der Zeit, etwas an Job, Karriere oder Arbeitsplatz zu ändern. Karrierecoach Stephanie Kempe über fehlende Happiness im Job und wie man sich der Angst vor Veränderungen stellt – ganz im Sinne von: #willstdukannstdu

Da stimmt doch was nicht!

Stephanie Kempe

Stephanie Kempe

Nicht immer ist sofort klar, warum der Job keine Freude mehr macht. „Anfangs ist es uns nicht bewusst, dieser Zustand macht sich erst schleichend bemerkbar“, sagt Change-Expertin Stephanie Kempe über die ersten Anzeichen dafür, dass es im Job nicht mehr ganz rund läuft: Funktionieren, arbeiten und letztendlich auch einfach Geld verdienen. „Irgendwann fühlen wir aber, dass etwas nicht stimmt. Es fühlt sich nicht richtig an. Wir gehen ungern zur Arbeit und es gibt Situationen, in denen wir uns klein fühlen. Wir sind gelangweilt und auch dem Unternehmensbild können wir nicht mehr aus tiefstem Herzen zustimmen“, erklärt Kempe.

Wie kann ich meiner eigenen Unzufriedenheit auf den Grund gehen?

Kempe: Indem du dir Zeit nimmst und dir Raum für die Suche gibst. Deine Unzufriedenheit verschwindet offensichtlich nicht von selbst wieder. Du spürst innerlich, dass etwas nicht stimmt. Die Routine ermüdet dich. Durch diese Auseinandersetzung wirst du hellhöriger und betrachtest deine Situation aus einem anderen Blickwinkel. Was macht dich eigentlich unzufrieden? Wünscht du dir mehr Sinn? Wird deine Kreativität im derzeitigen Job nicht gesehen oder wertgeschätzt? Bekommst du überhaupt die Chance, dich auszudrücken, so wie es dir entspricht? Manchmal ist der Auslöser für die Unzufriedenheit sofort klar. Wenn dieser Zustand schon Jahre anhält und auch länger nicht hingeschaut wurde, dann kann das aber schon seine Zeit brauchen.

„Im passenden Tempo auf den Weg machen, um eine Lösung zu finden.“

Muss es gleich die „große Veränderung“ sein, um wieder happy im Job zu sein?

Kempe: Wenn es sofort die große Veränderung sein müsste, wären viele Menschen noch in der gleichen Situation und würden diese ertragen. Veränderung ist in unseren Köpfen oft mit „Angst vor Neuem“ verknüpft. Wir trauen uns in den seltensten Fällen einfach mal so ins kalte Wasser zu hüpfen und sind selten voller Zuversicht und Vertrauen, dass sich alles sofort zum Besten wandeln wird. Es kann eine Fortbildung sein, die den Funken wieder zum Brennen bringt, ein größerer Verantwortungsbereich oder neue Kunden. Fest steht: Wir dürfen uns selbst auf die Suche begeben, Möglichkeiten abwägen und größer denken. Wir dürfen uns auf den Weg machen um eine Lösung zu finden – in einem Tempo, das zu uns passt.

Die Leidenschaft findenj

Wie groß ist die Gefahr, sich mit dem eigenen „Job-Unglück“ zu arrangieren und nie etwas zu ändern?

Kempe: Das kommt vor, ja. Erfreulicherweise allerdings immer seltener. Veränderung wird immer präsenter und willkommener. Neue Firmentrends, die schnelllebige Onlinewelt mit all ihren Möglichkeiten des Austauschs und der Vernetzung, die neue Definition von Leadership, Studiengänge wie zum Beispiel Change-Management, die Möglichkeit im Homeoffice zu arbeiten, der digitale Nomaden-Boom, die Möglichkeit, sich ein Online-Business aufzubauen, und vieles mehr. All diese Dinge führen zu mehr Selbstbestimmtheit. Sobald wir uns auf die Suche nach einer Lösung machen, hören wir durch „Zufall“ von diesen Dingen und beginnen zu forschen.

Die Unzufriedenheit lässt sich nicht abschalten

Kannst du uns „Erste Hilfe“-Tricks für mehr Zufriedenheit empfehlen?

  • Sofortige Hilfe bietet das Gefühl, zu allererst einmal anzunehmen und zu sich selbst zu sagen: „Ja, hier läuft etwas massiv schief. Es ist ein ziemliches Schlamassel, das ich hier erlebe. Mir ist klar, dass dies so nicht weitergehen wird. Ich begebe mich auf die Suche nach einer Lösung, versprochen. Ich komme hier mit einem guten Gefühl wieder raus. “
  • Um einen klaren Kopf zu bekommen, kann man sich natürlich ablenken. Das ist auf Dauer aber wenig förderlich, denn Unzufriedenheit lässt sich nicht abschalten. Um mehr zu sich selbst zu kommen und um sich Klarheit zu schaffen, empfehle ich einen Gang in die Natur. Such dir einen ruhigen Platz und mache dir bewusst, dass alles, was du bisher erlebt hast, Vergangenheit ist. Die Zukunft steht noch nicht fest. Und du kannst dich in jedem einzelnem Moment – JETZT  – frei entscheiden, wie du ab jetzt handeln und somit auch wie du dich fühlen möchtest.
  • Noch ein wichtiger Tipp: Stopp mit Vorwürfen, negativen Gedanken und Schuldzuweisungen. Sofort. Es macht dich müde und du fühlst dich schwach. Außerdem gibst du so die Verantwortung ab: Andere sollen „schuld sein“, dass du in dieser Situation bist? Versuche es mit dieser Sichtweise: Ich habe diese Umstände selbst kreiert, das bedeutet, ich habe auch die Macht, darüber zu bestimmen, wie mein Idealzustand in Zukunft aussehen wird. Ich kann an meinem Erleben so lange herumbasteln, bis ich rundum glücklich bin. Die größte Veränderung nehmen wir wahr, wenn wir in uns beginnen.
  • Du kannst deine Unzufriedenheit als Anlass nehmen, um zu erkennen, dass es einer Veränderung bedarf. Diese Veränderung kann sein, dass du dich mit Dingen auseinandersetzt, die dich bewegen und berühren, oder mit Sinnfragen bzw. Persönlichkeitsentwicklung. Schritt für Schritt darfst du dich neu definieren und erforschen, was für dich noch möglich ist. Offensichtlich ist die momentane Situation nicht die ultimative Lösung für dich. Also, mach dich auf den Weg und finde heraus, was dich erfüllt und wofür du brennst.

unglücklich im job

Stichwort Veränderung und Angst: Hat man den Entschluss gefasst, am Job oder der Karriere etwas zu verändern, geht das kaum ohne Bedenken. Wie gelingt der Umgang mit der Angst?

Kempe: Sich zu fürchten ist völlig normal, wir Menschen werden immer Ängste haben. „Wenn einer keine Angst hat, hat er keine Phantasie“, sagte schon Erich Kästner.  Als Schutzfunktion hat sie auch durchaus Sinn. Eines vorweg: Dort auszuharren wo ich bin, das ist sinnlos. Wenn ich etwas mit aller Kraft nicht mehr will, dann steigert sich dieses Gefühl nur noch mehr. Gut ist, wenn man die Angst nicht bekämpft, sondern akzeptiert und wahrnimmt: Ja, so ist es. Ich habe Angst. Das mag jetzt vielleicht komisch wirken, aber ich empfehle im Umgang mit Ängsten eine Art „Tanz“, ein Dialog: Wovor willst du mich schützen? – Ich weiß das zu schätzen, aber ich gehe jetzt weiter, ich begebe mich auf Neuland. Gib mir deine Hand, ich führe dich da durch.

Hilfreich ist auch, sich ein Blatt Papier zu nehmen und seine Ängste auf Papier zu bringen. Angenommen, ich möchte mich beruflich neu orientieren – meine erste Angst könnte dann sein, dass es komplett schief geht und ich ohne Einkommen „auf der Straße lande“. Wie wahrscheinlich ist es, dass dieser Umstand tatsächlich eintreten wird? Um Klarheit zu gewinnen, kann auch ein guter Freund mit neutralen und ruhigen Fragen dazu helfen oder ein Coach, der durch diese Phase begleitet. Wichtig ist immer, dass du dich pudelwohl fühst und ganz du selbst sein kannst.

Zur Person

Stephanie Kempe ist Mutter von zwei Kindern, verheiratet und hat sich vor Jahren selbst auf die Suche begeben. Als Change-Expertin hat sie sich „Professional Asskickery“ auf die Fahnen geschrieben und begleitet Klienten auf dem Weg in die erfolgreiche Selbstständigkeit und zu selbstbestimmtem Arbeiten. Die tägliche Dosis Inspiration und Motivation gibt’s unter anderem auf ihrem Instagram-Account.

Bildnachweis: VectorDoc/Shutterstock, Stephanie Kempe, Constantin Stanciu / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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