„Undercover Boss“ bald auch in Österreich: Der Chef als Hilfsarbeiter

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 10. Januar 2013 um 11:19

Einen Beruf von der Pieke auf lernen. So könnte man die Idee hinter dem britischen TV-Format „Undercover Boss“ beschreiben. Anders formuliert: Ein Firmenchef hört etwa auf sich zu rasieren, wird – im Idealfall – bis zur Unkenntlichkeit verkleidet und mischt sich für einige Tage als Praktikant oder Hilfsarbeiter „undercover“ unter seine Angestellten. Ziel ist es, eine völlig andere, unverfälschte Sicht auf die Vorgänge im eigenen Unternehmen zu bekommen. Und lustig ist es freilich auch. Für ein neues ORF-Format ließen sich nun auch österreichische Topmanager auf das spannende Experiment ein.

„Neue Chance“ für Langzeitarbeitslose

Klaus Schierhackl als Arbeiter und als Manager

In der Auftaktsendung am 16. Jänner (21.05, ORF1) schlüpft niemand geringerer als Asfinag-Vorstandsdirektor Klaus Schierhackl in die Rolle eines Langzeitarbeitslosen, der in einer Automeisterei eine neue Chance bekommt. Vier Tage lang macht der „Undercover Boss“ mit und bewältigt all jene Aufgaben, die seine Mitarbeiter jeden Tag erwarten: Böschungen mähen, Nachtdienst schieben und Tierkadaver beseitigen inklusive. Um ob der Kameras keinen Verdacht zu schöpfen, wurde den Asfinag-Mitarbeitern vom ORF erklärt, es handle sich um eine „Am Schauplatz“-Reportage über Langzeitarbeitslose. „Für mich war Undercover Boss eine Erfahrung, die stärker war, als ich geglaubt habe. Es macht natürlich einen Unterschied, ob man im Anzug oder als Langzeitarbeitsloser in eine Autobahnmeisterei kommt. Ich habe viel positive Energie mitbekommen – wenn man sieht, wie sich die Leute untereinander unterstützen und ihre teils harten Schicksale meistern“, so Schierhackl.

Bildergalerie: „Undercover Boss“ Österreich

Psychologin: „Die Sendung birgt Chancen und Risiken“

Cornelia Schmon

Cornelia Schmon, Betriebspsychologin vom „Research Team“ in Graz sieht in dem Projekt große Chancen – aber auch einige Risiken. „Wenn es in einem Unternehmen viele Hierarchiestufen gibt, fehlt oft das Verständnis für das, was an der Basis oder im Topmanagement passiert. Daher ist die Sendung eine gute Idee, um das gegenseitige Verständnis zu stärken sowie Wertschätzung zu vermitteln.“ Und genau diese, so Schmon, sei aktuell das Thema Nummer eins in den Unternehmen. „Es ist ganz schwer, Wertschätzung zu vermitteln. Kommt dann der oberste Boss an die Basis und arbeitet mit, kann dies als Zeichen von großem Respekt gesehen werden“, erklärt die Psychologin. Ein Risiko der Sendung ortet sie hingegen in bestimmten Hoffnungen oder Erwartungen, die die Mitarbeiter durch den Chefbesuch bekommen könnten, die dann jedoch womöglich nicht erfüllt werden.

Diese Bosse trauen sich

Die internationale Erfolgsserie „Undercover Boss“ stammt aus England, die Doku-Reihe wird mittlerweile in mehreren Ländern weltweit ausgestrahlt, die deutsche Version, gezeigt auf RTL, werden wohl einige Österreicher bereits kennen.

Das Programm für die Österreich-Version sieht wie folgt aus:

  • 16. Jänner: Klaus Schierhackl, Asfinag-Vorstandsdirektor
  • 23. Jänner: Manfred Denner, Vorstand der Supermarktkette Merkur
  • 30. Jänner: Hannes Lechner, operationeller Direktor der Hotelgruppe Accor
  • 13. Februar: Georg Ketzler, Geschäftsführer der Brantner-Gruppe
  • 20. Februar: Rückblick – was haben Bosse und Mitarbeiter gelernt

Fotos: ORF/MME, Research Team

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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