Unbezahlte Überstunden: Vor allem Akademiker arbeiten häufig umsonst

von in Arbeitsleben, Arbeitsmarkt, Gehalt am Dienstag, 3. Dezember 2013 um 11:17

296 Millionen Überstunden wurden 2012 in Österreich geleistet, davon blieben 68 Millionen (das sind 23 Prozent) unbezahlt. Zu diesem Ergebnis kommt ein aktueller Bericht des Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo. Die Detailauswertungen zeigen spannende Fakten darüber, wer weshalb mehr arbeitet, als er bezahlt bekommt. Vor allem Akademiker und Führungskräfte sind demnach häufig betroffen.

Wer arbeitet am häufigsten „umsonst“?

unbezahlte_ueberstundenWer arbeitet also am häufigsten „umsonst“ – wie man es natürlich nicht nennen darf. Laut der Studie werden zwei Drittel der unbezahlten Überstunden von Angestellten geleistet, ein Fünftel von öffentlich Bediensteten und rund ein Achtel von Arbeitern. Vor allem bei Berufsgruppen, die mit höheren Bildungsabschlüssen einher gehen, kommen diese Stunden häufiger vor. Führungskräfte sind mit 14,1 Prozent am häufigsten betroffen.

Überstunden von Frauen sind häufiger unbezahlt

Sieht man sich die Geschlechterverteilung an, so zeigt sich, dass Männer ein Prozent häufiger unbezahlte Überstunden leisten als Frauen. Die Auswertung macht jedoch auch deutlich, dass Überstunden von Frauen häufiger unbezahlt sind. Weiters sind Vollzeitkräfte eindeutig stärker betroffen als Teilzeitkräfte.

Flexibilisierung des Arbeitseinsatzes: All-In & Co.

gehaltserhoehungDie Gründe für unbezahlte Überstunden sind vielfältig. Für Arbeitgeber liegen sie hauptsächlich in der Flexibilisierung des Arbeitseinsatzes, auch können Kosten gesenkt und personelle Engpässe überwunden werden. Weiters wird von einer Stärkung der Wettbewerbsposition des Unternehmens gesprochen. Für die Arbeitnehmer hingegen kann die unentgeltlich erbrachte Arbeitsleistung Investitionscharakter in die eigene Zukunft haben – verbunden etwa mit der Aussicht auf höhere Löhne. Nicht vergessen werden dürfen hierbei jedoch Faktoren wie All-In-Verträge, die immer häufiger zum Einsatz kommen. Das Wifo erklärt deren Zunahme damit, dass immer mehr Tätigkeiten ergebnis- und nicht zeitorientiert sind.

Wenig Einfluss auf Arbeitslosenquote

In der Aussendung warnt das Wifo von den negativen Auswirkungen der langen Arbeitszeiten. So würden diese nicht nur die Gesundheit und auch das Familienleben beeinträchtigen, sondern bringen wirtschaftliche Nachteile wie etwa auch den Entfall von Sozialversicherungsbeiträgen mit sich. Auf die Arbeitslosenquote, so die Schlussfolgerung, dürften unbezahlte Überstunden allerdings nur geringe Auswirkungen haben. Auch zeigt die Studie, dass die unbezahlten Überstunden zwischen 2005 und 2009, also in den Jahren vor der Krise, abgenommen haben. Erst seit 2009 hat sich dieser Wert stabilisiert.

Bildnachweis: APA, bikerlondon / Quelle Shutterstock, Aleksandar Stojkovic / Quelle Shutterstock

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren