„Warum nicht vernünftig mit Bewerbern umgehen?“

von in Bewerbung, Jobsuche am Mittwoch, 8. Februar 2012 um 14:41

Fast jeder Bewerber kennt das Phänomen: Man bewirbt sich für einen Job – und hört einmal über Wochen nichts. Trotz passendem Anforderungsprofil, den gewünschten Fähigkeiten und der Berücksichtigung aller wesentlichen Bewerbungsgrundsätze. Die seit neun Jahren in Graz lebende Schwerinerin Antje Schütt hat das auch vielfach erlebt – bis es ihr reichte: Sie startete die Plattform bewerbersicht.com. Damit will sie nicht nur Bewerbungsprozesse bei Unternehmen bewerten lassen, sondern eine umfassende „Bewerberlandkarte“ zeichnen, die Jobsuchende bei der Entscheidungsfindung hilft.

Antje Schütt

Antje Schütt

„Seit ich 16 Jahre alt bin, bewerbe ich mich bei Unternehmen für ausgeschriebene Stellen und seitdem hat sich – trotz immer höherer Qualifikationen – nichts am Umgang der Unternehmen mit mir als Bewerberin geändert„, erzählt Antje Schütt über ihre Motivation für ein neues Bewertungsportal. 2009, als ein Unternehmen einen fix ausgemachten Bewerbungstermin einfach platzen ließ, hatte die Mutter zweier Kinder genug: „Ich habe mir gedacht: Warum nicht vernünftig mit Bewerbern umgehen? Man müsste den Leuten Bescheid sagen können, woran sie sind.“ Es folgten Gespräche mit Freunden, Bekannten, Personalchefs. Und jede Menge Arbeit. Seit einigen Monaten ist bewerbersicht.com nun online – derzeit noch als Betaversion „in interessantem Design“ (Schütt), das allerdings noch im Februar geändert werden soll.

Statistische Daten als Basismaterial

Alles laufe darauf hinaus, nicht allein Bewertungen zu Bewerbungsprozessen bei den einzelnen Unternehmen abgeben zu können – vielmehr gehe es darum, umfassendes Service für Jobsuchende zu bieten. Hinsichtlich der ersten User-Schritte baut die Plattform auf drei Säulen auf: Der Kurzbewertung für Bewerbungsvorgänge bei Betrieben (Dauer: 30-60 Sekunden), einem Firmenranking und schließlich einem Blitzcheck, der – registriert man sich am Portal – als Einstieg zur Analyse des eigenen Status Quo gesehen werden kann. Daten von Eurostat, Arbeiter- und Wirtschaftskammern, Verbänden und Institutionen wurden ins System eingespeist und dienen als Basis dafür, dass Bewerber sich ihre persönliche „Bewerberlandkarte“ erstellen.

Ziel: Bewerbungslandkarte zur Orientierung

„Eine Landkarte, die nicht nur mit der jeweiligen Region zu tun hat, sondern als Orientierungshilfe am Markt dient“, erklärt Schütt im karriere.at-Gespräch. Insgesamt zwölf Komponenten (Mobilität, Ausbildung etc.) bilden derzeit die Grundlage dafür und sollen mittels konkreten „Handlungsanweisungen“ Hilfe und Orientierung bieten. „Es geht darum, Bewerber in ihren Entscheidungen zu unterstützen“, sagt Schütt. Derzeit mangle es noch an Daten – je mehr Datensätze man habe, umso mehr Rückschlüsse auf Regionen, Branchen und Unternehmenslandschaft ließen sich ziehen. „Wir garantieren absolute Anonymität. Niemand wird je zu den Userdaten kommen. Rückschlüsse auf die Person sind unmöglich“, versichert die Seiteninhaberin. Derzeit sei man auf der Suche nach Kooperationen mit Unternehmen und Interessensvertretungen, um umfassenderes Datenmaterial zur Verfügung gestellt zu bekommen und die Bekanntheit zu steigern.

Viel positives Feedback

Die Gefahr, dass die Bewertungsplattform tendenziell eher von unzufriedenen und enttäuschten Bewerbern genutzt werde und somit ein verzerrtes Bild entstehe, bestehe laut Schütt nicht: „Es zeigt sich sehr deutlich, dass in den eingehenden Bewertungen sehr sachlich argumentiert wird.“ Darüber hinaus laufe nebenher ein Skript, welches bösartige, unqualifizierte Bewertungen aufspüre. Deren Absender werden dann persönlich kontaktiert.

Derzeit freut sich Schütt über sehr viel positives Feedback, das sie als Reaktion auf erste Medienartikel erhält: „Ich bekomme sehr viele Mails von Leuten, die teilweise seit Jahrzehnten immer wieder in Bewerbungsprozessen sind und die sagen ‚Das ging mir genauso.'“

Wie ging es Ihnen in Bewerbungsprozessen?

Bildnachweis: colourbox.com, privat

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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