Arbeitszeiten: Warum wir in Österreich flexibler werden müssen

von in Arbeitsleben am Montag, 3. Dezember 2012 um 11:44

Die Arbeit muss dann getan werden, wenn sie da ist. Klingt logisch und einfach, wird in vielen Unternehmen jedoch (noch) nicht umgesetzt. Die Rede ist von flexiblen Arbeitszeiten, mit denen einerseits auf die Kundenwünsche eingegangen und andererseits eine Steigerung der Produktivität erreicht werden kann. Die Arbeitszeit in Österreich insgesamt liegt, so das Ergebnis einer aktuellen IMAS-Umfrage unter Unternehmensvertretern, deutlich unter dem OECD-Schnitt.

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Wenig Nettoarbeitszeit in Österreich

Und zwar konkret auf dem siebtletzten Platz. Doch woher kommt dieser Wert? Mit 40,3 Arbeitsstunden pro Woche liegt Österreich nämlich im oberen Drittel der EU. Rechnet man jedoch die 38 arbeitsfreien Tage durch Urlaub und Feiertage ab, rasselt Österreich stundenmäßig nach unten. Auch das frühe Pensionsalter – hier liegen wir europaweit auf Platz 1 – trägt seinen Teil zur geringen Gesamtarbeitszeit bei. Die verbleibende Nettoarbeitszeit müsse daher möglichst effizient genutzt werden, kommentiert etwa WKOÖ-Präsident Rudolf Trauner.

Arbeitgeberattraktivität vor Produktivität

Das Thema Arbeitszeit-Flexibilisierung hat auf vielen Ebenen Auswirkungen – nicht nur auf der unmittelbaren Ebene der Produktion. Denn wie die IMAS-Umfrage im Auftrag der WKOÖ zum Thema „Überstunden“ weiter zeigt, spielt die Produktivität aus Unternehmenssicht nur die zweitgrößte Rolle (71 Prozent). Für 78 Prozent der Unternehmen ist der wichtigste Grund, die Arbeit flexibler zu gestalten, eine Steigerung der Attraktivität als Arbeitgeber. Mit deutlichem Abstand liegt auf Platz drei die Fähigkeit, Flexibilitätsansprüche der Kunden zu erfüllen.

Modelle mit Zukunft

Beschäftigungsformen wie Teilzeit, Gleitzeit oder geringfügige Beschäftigungen sind stark nachgefragt – sie ermöglichen es den Arbeitnehmern, private Interessen mit beruflichen zu verbinden. Sei es die Kinderbetreuung oder die Betreuung bzw. Pflege älterer Angehöriger. Flexible Modelle sind nicht nur aktuell gefragt, sie haben auch Zukunft und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bzw. anderen privaten Interessen nimmt als Entscheidungskriterium für die Arbeitgeberwahl zu – und dies nicht nur bei der jungen Generation.

Überstunden? Für die meisten Alltag

Zum Thema Überstunden: Laut der Umfrage gehören diese für die absolute Mehrheit der heimischen Arbeitnehmer zum beruflichen Alltag. 41 Prozent arbeiten regelmäßig mehr, 50 Prozent der Befragten hin und wieder. 94 Prozent der befragten Arbeitnehmer bekommen für ihre Überstunden entweder Zeitausgleich oder zusätzliches Entgelt. Das grundsätzliche Bild aus der Studie ist, dass es für jeden zweiten Arbeitnehmer (53 Prozent) kein Problem sei, hin und wieder Überstunden zu machen. 13 Prozent bessern so gerne ihr Gehalt auf. Für 19 Prozent stellen die Überstunden jedoch eine große Belastung dar.

Bildnachweis: thetank / Quelle Photocase, Grafik: IMAS

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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