Tipps fürs Überleben im Großraumbüro

von in Arbeitsleben am Mittwoch, 20. Mai 2015 um 10:30

Kein Start-up ohne „Open Office Space“, kein Medienhaus ohne großen Newsroom – der Trend zum Großraumbüro hält ungebrochen an. Oft zum Leidwesen jener, die sich mit vielen Kollegen eine Bürofläche teilen. Damit die Zusammenarbeit auf großem Raum funktioniert, sind disziplinierte Arbeitnehmer und verständnisvolle Arbeitgeber gefragt.

Gemeinschaftsbüro: Eines für alle – und alle sind dagegen?

Es ist nicht alles schlecht an einem Großraumbüro – und dennoch: Auf die Schnelle fallen einem zur „Massenmitarbeiterhaltung“ mehr negative als positive Dinge ein: Zu laut, zu kalt, zu warm, zu stickig, zu wenig Privatsphäre. Wo kreativ im Team gearbeitet wird, ist eine gemeinsame Bürofläche der Kommunikation sicher dienlich. Wer sich konzentrieren muss, leidet unter einem großen Gemeinschaftsbüro dafür umso mehr. Es kommt natürlich darauf an, ob man sich das Büro mit 10, 15 oder 50 Kollegen teilt. Mit den passenden Rahmenbedingungen lässt es sich aber auch in einem Großraumbüro gut arbeiten.

Knigge fürs Großraumbüro

Die Basics

Miteinander höflich umzugehen sollte eine Selbstverständlichkeit sein – im Großraumbüro muss Rücksichtsnahme aber noch größer geschrieben werden: Kopfhörer statt Radio, das Handy lautlos stellen und private Telefonate auf ein Minimum reduzieren. Gespräche zwischen Kollegen können störender sein als Telefonate oder übrige Geräusche. Auch wenn man nur kurz etwas besprechen möchte, sollte man das nicht direkt am Schreibtisch tun, sondern in eine ruhigere Ecke oder ein Besprechungszimmer ausweichen. Das gilt natürlich auch für mitteilsame Führungskräfte.

Es geht nicht ohne Raumkonzept

In einen Raum 40 Schreibtische stellen – fertig ist das Großraumbüro. So einfach geht’s nicht, vorher muss der Arbeitgeber noch seine Hausaufgaben erledigen: Wie viel Raum für wie viele Mitarbeiter? Wie werden die Schreibtische aufgestellt, welche Teams und Arbeitseinheiten kann man logisch zusammenfassen? Es macht sich bezahlt, in professionelle Beratung durch Raumplaner zu investieren. Wie ein gutes Büro funktioniert, kann man sich auch bei anderen abschauen: Jede Menge Büroinspiration gibt es in unserer Office Spaces Serie und auf Officelovin.

Was du nicht willst, das man dir tut…

Was nervt im Büro am meisten? Laute Telefonate? Der Kollege, der bei Telefonaten immer mit dem Kugelschreiber auf die Tischplatte klopft? Andere Schuldige sind schnell gefunden, man muss sich aber auch selbst an der Nase nehmen: Ist mein eigenes Verhalten immer kollegial und großraumbürotauglich? Nur wer selbst Rücksicht nimmt, kann sie auch von seinen Kollegen einfordern.

Von Offenheit und Nachsicht

Im Großraumbüro ein besonderer Balanceakt: Störende Dinge ansprechen – aber nicht bei jeder Kleinigkeit meckern. Manche Dinge muss man im Büro so akzeptieren, wie sie sind: Telefonate wird es immer geben, ausufernde private Plauschereien kann man aber ansprechen.

Rückzugsmöglichkeiten bieten

Grenzenlose Kommunikation! Wir sind alle ein großes Team! Bei aller Liebe zum Family-Feeling im Großraumbüro: Es kann auch mal genug sein. Wer seinen Arbeitnehmern ein Großraumbüro zumutet, muss auch Rückzugsräume schaffen: Besprechungszimmer oder kleine Büros, in die man sich für konzentriertes Arbeiten oder Meetings zurückziehen kann, sollten fix eingeplant werden. Manche Mitarbeiter schätzen auch die Möglichkeit, sich mit Kopfhörern und entspannender Musik einen akustischen Rückzugsort zu schaffen.

Meetingpoint

Privatsphäre

Jeder schaut jedem auf den Schreibtisch – Realität in den meisten Großraumbüros. Wer Pech hat, sitzt noch dazu mit dem Rücken zum Gang oder zur Tür. Auch wenn man nichts zu verbergen hat (Stichwort: Privates Surfen oder Facebook) tragen solche Sitzplätze nicht zur Wohlfühlatmosphäre im Büro bei. Abhilfe kann ein durchdachtes Büroplanungskonzept schaffen. Trennwände oder Pflanzen fungieren als Sichtschutz. Wer sich auf seinem Platz überhaupt nicht wohlfühlt, sollte das im Team und beim Chef ansprechen. Und noch was zum Thema Privatsphäre: Vertrauliche Gespräche haben im Gemeinschaftsbüro keinen Platz. Genauso wie Lästereien über Chef, Kollegen oder Mitarbeiter in anderen Abteilungen. Ein Großraumbüro hat viele Ohren und Schweigen ist hier manchmal Gold.

Flexibel bleiben

Die Situation in einem Großraumbüro ist nach einem, zwei oder mehreren Jahren nicht mehr dieselbe: Teams und Aufgabengebiete verändern sich, Büroräume (und Arbeitgeber!) müssen darauf reagieren: Jemand führt mehr Telefonate als früher oder ist öfter im Außendienst unterwegs, als im Büro anwesend. Auch darauf können flexible Raumkonzepte und die Führungsrkäfte Rücksicht nehmen: Büromöbel bei Bedarf umstellen, Arbeitsplätze anders gruppieren oder Arbeitnehmern ermöglichen, die Plätze zu tauschen.

Bildnachweis: bedya / Shutterstock; Kzenon / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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