Überwacht am Arbeitsplatz – Neues Gesetz: Facebook-Daten sind für Bosse tabu

von in Arbeitsrecht, Social am Dienstag, 24. August 2010 um 10:56

Versteckte Überwachungskameras in Büros, Video-Aufzeichnungen sogar in Toiletten, Umkleide- und Waschräumen: Gerade in Deutschland wurden in jüngster Vergangenheit extreme Fälle bekannt, bei denen Unternehmen ihre Mitarbeiter systematisch bespitzelten. Stichwort: Lidl, Deutsche Bahn, Deutsche Telekom. Nun, so berichten Medien, soll bei unseren Nachbarn ein Gesetz nicht nur heimliche Kameras verbieten, sondern auch, dass der Arbeitgeber personenbezogene Daten aus Facebook & Co. ausgräbt. Schön. Mehr Datenschutz ist immer gut. Aber – ist das überhaupt kontrollierbar?

Der Fall ging im Frühling durch alle Medien: Lebensmitteldiscounter Lidl hatte in verschiedenen Filialen versteckte Kameras montiert und seine Mitarbeiter systematisch bespitzelt: Wer geht wie oft auf die Toilette, welche Mitarbeiter haben eventuell ein Verhältnis miteinander – sogar wer tätowiert ist wurde protokolliert. Das Nachrichtenmagazin „Stern“ hatte das aufgedeckt, der Discounter stritt die Vorgangsweise nicht ab.
Um Fälle wie diesen künftig zu verhindern, will die deutsche Regierung nun per Gesetz versteckte Überwachung per Kamera verbieten. Offen sichtbare Kameras zur Qualitätskontrolle oder an Firmeneingängen sollen trotzdem möglich sein. Das berichtet unter anderem die „Süddeutsche Zeitung“.
In Österreich ist die „Mitarbeiterkontrolle an Arbeitsstätten“ übrigens schon seit Anfang Jänner dieses Jahres verboten, als das Datenschutzgesetz (DSG) einer Novelle unterzogen wurde. Umkleideräume und sogar die Hinterräume von Supermärkten dürfen nun nicht mehr gefilmt werden.
Das neue Datenschutzgesetz in Deutschland soll aber noch viel weiter gehen: Erstmals ist auch geregelt, dass soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter von der Unternehmensleitung nicht mehr auf personenbezogene Daten von Mitarbeitern gescannt werden dürfen. Datensammlungen, die sich ein Chef „ergoogelt“ werden aber trotzdem ein Streitfall bleiben: Google-Daten gelten als öffentlich und es muss zwischen Unternehmens- und Arbeitnehmerinteressen abgewogen werden.

Ist Facebook wirklich tabu?

Klingt alles sinnvoll, logisch und längst notwendig. Vor allem die Tatsache, dass Facebook künftig für Bosse zur Informationsbeschaffung über die Mitarbeiter künftig tabu sein soll, wird vielen Social-Media-Exhibitionisten einen Stein von Herzen fallen lassen. Doch allzu großer Grund zur Freude wird wohl dennoch nicht gegeben sein. Denn wie auch „Die Presse“ anklingen lässt, ist ein solches Verbot quasi nicht exekutierbar. Wer vermag schon zu überprüfen, ob ein Unternehmer die Facebook-Pinnwand seines Buchhalters anschaut? Wo liegt die Grenze zwischen beruflichem und privatem Interesse? Ein Beispiel: Ein Arbeitnehmer hat ein gutes, freundschaftliches Verhältnis zu seinem Abteilungsleiter, beide akzeptieren sich als Facebook-Freunde. Schaut der Abteilungsleiter nun in seiner Funktion als Abteilungsleiter in das Profil seines Untergebenen oder als Freund auf die Seite seines Freundes?

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft Google, 123people und ähnliche Plattformen: Diese Search-Engines schaffen es in Sekundenbruchteilen, umfangreichere Dossiers über Privatdaten ihrer Mitarbeiter anzulegen, als es Unternehmensführungen in langjährigen, firmeninternen Recherchen schaffen würden.

Keine Entwarnung also für Facebook-Afficionados mit Hang zur breitenwirksamen Plauderei aus der Privatschatulle. Wer sich – trotz verschärftem Datenschutz – völlig sicher sein will, dem bleibt nur, weiter penibel auf seine Web-Identität zu achten. Und gelegentliche Checks dieser durchzuführen. Dafür gilt es, dieselben „Waffen“ zu wählen, derer sich auch die Profis auf der Arbeitgeberseite bedienen. Das karriere.blog hat diese vor einigen Wochen bereits einmal aufgelistet.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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