Lesestoff zum Wochenende: „Die Tyrannei der Arbeit“

von in Arbeitsleben am Freitag, 1. August 2014 um 10:37

Zugegeben. Bücher, die den (zu hohen) Stellenwert der Arbeit in unserem Leben anklagen, gibt es aktuell nicht wenige. „Die Tyrannei der Arbeit“ von Ulrich Renz darf dennoch nicht unerwähnt bleiben. Der Autor zeigt auf, was schief läuft und dass vieles zwar früher nicht anders, aber auch nicht unbedingt schlechter war.

Übrigens: Wir verlosen naürlich wieder drei Bücher – Mehr dazu unten!

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Verschiebung unserer Glückssuche

Nicht die Arbeit an sich kritisiert der Autor, sondern die Tatsache, dass wir uns von ihr tyrannisieren lassen. Den hohen Stellenwert, den wir ihr zuschreiben und dass sie es sogar schafft, dass wir unser Glück vermehrt in ihr suchen. Was auf der Strecke bleibt? Ganz einfach: unser Leben. Wer dies nicht glaubt, wird sich beim Lesen schnell eines besseren belehrt fühlen. Untermauert von historischen Fakten, die sich alles andere als verstaubt lesen, führt Renz durch die jüngere Entwicklung der Arbeitswelt und zeigt auf, dass wir mit den scheinbar „armen“ Fabriksarbeitern von früher gar nicht so wenig gemeinsam haben. Was uns aber unterscheidet ist, dass sie frei waren, nach Dienstschluss ein Leben hatten und sich nicht der „Tyrannei der Arbeit“ zum Fraß vorwarfen, so wie wir es heute tun.

Wenn das Privatleben stressiger als die Arbeit wird

Die Kernfrage lautet: Warum tun wir das? Die Antwort findet der Autor nicht nur in der „Gesellschaft“ (das alleine wäre ja recht billig), sondern vor allem in uns Menschen selbst. Dies zeigt sich etwa auch im veränderten Bild der Familie: Renz schreibt: „Der Arbeitsplatz ist für viele zumindest gefühlt wärmer geworden: die Hierarchie flacher, die Beziehung zu den Kollegen freundschaftlicher. Dem gegenüber wird die private Welt immer öfter als unverbindlicher, schwieriger und stressiger empfunden.“

Mehr Hausarbeitszeit als noch 1961

Kurzum: Die Modernisierung des Familienlebens erfordert Managerqualitäten. Ohne Plan B läuft beim Spagat Familie und Arbeit nichts mehr, so Renz, „dafür sind zu viele Bälle in der Luft“. Spannendes Detail zum Thema Haushalt: „Von Jahrzehnt zu Jahrzehnt wächst die durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf deutschlandweit um jeweils fast fünf Quadratmeter“ – und diese wollen gepflegt werden. „Der Durchschnittsbürger verbringt heute pro Tag eine halbe Stunde mehr bei der Hausarbeit als 1961, trotz all der neuen Geräte, die sie erleichtern.“

„Aus Angestellten entsteht eine Schicksalsgemeinschaft“

Analysiert wird alles und zwar auf Herz und Nieren: Vom Hintergrund des Teamgedankens „Aus ganz normalen Angestellten entsteht eine Schicksalsgemeinschaft, die wie die elf Freunde eines Fußballteams durch Siege und Niederlagen geht, durch dick und dünn und die Konkurrenz das Fürchten lehrt“, über den neuen Chef als Trainer bis hin zu der Seele, die jedes Unternehmen durch Unternehmenswerte plötzlich zu bekommen scheint.

Fazit: Ein wertvolles Buch, angenehm lesbar, nüchtern im Humor aber keineswegs in der Sprache. Ausgezeichnet recherchiert und pointiert formuliert. „Die Tyrannei der Arbeit“ zwingt einen fast, die Dinge zu überdenken und hilft somit, das eine oder andere Mal den eigenen, inneren Sklaventreiber auf Pause zu schicken.

Zu gewinnen: Drei Ausgaben von “Die Tyrannei der Arbeit”

Cover TyranneiEinfach bis einschließlich 10. August 2014 eine E-Mail mit dem Betreff „Tyrannei“ samt Postadresse an marketing@karriere.at senden. Die drei Bücher werden unter allen Einsendungen verlost – der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werden per E-Mail informiert.

Bildnachweis: Sergey Nivens /Quelle Shutterstock,

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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