Arbeitgeber aufgepasst! Das wünschen sich die jungen High Potentials

von in Arbeitsleben, HR am Dienstag, 3. November 2015 um 11:28

Home Office, digitales Nomadentum oder doch lieber den guten alten Bürojob mit fixen Arbeitszeiten? Welche Erwartungen junge Talente an die Arbeitswelt stellen, hat das Institut für Jugendkulturforschung in einem neuen Bericht zum Arbeiten von morgen zusammengefasst. Besonders interessant für alle, die High Potentials rekrutieren und möglichst lange im Unternehmen halten möchten.

Jeder Arbeitgeber hätten sie gerne in seinen Büros sitzen, die jungen Talente: Hoch qualifiziert arbeiten sie aber nicht nur an ihrem eigenen Erfolg, sondern bestimmen auch mit, wie die gesamte Arbeitswelt tickt: Durch ihren Arbeitsstil, wie sie sich organisieren und welche Einstellung sie zum Job mitbringen. Fünf Trends der jungen Arbeitswelt hat das Institut für Jugendkulturforschung in einem aktuellen Bericht zusammengefasst.

Trend 1: Arbeiten an vielen Orten

Junge Talente sind sich ihrer Kenntnisse und Fähigkeiten durchaus bewusst. Sie sind flexibel und passen sich neuen Rahmenbedingungen schnell an. Flexiblität fordern sie aber auch von ihrem Arbeitgeber ein. Zielvorgaben gehen für sie völlig in Ordnung – wie sie diese Ziele erreichen, möchten sie aber selbst bestimmen. Ihre Arbeitskraft lassen sie ungern von einem Vorgesetzten verwalten, sie organisieren sich am liebsten selbst. In der Praxis bedeutet das: Arbeiten wann man möchte, wo man möchte. Ein paar Stunden im Büro, nach dem Termin im Kaffeehaus weiterarbeiten und morgen im Home-Office. Leistung statt Anwesenheitspflicht – durch den Abschied von der Präsenzkultur verteilen sich die Rollen in der Arbeitswelt neu. An die Stelle der Kontrolle durch den Arbeitgeber tritt die optimierte Selbstkontrolle – allerdings in Kombination mit dem „Hire-and-fire“-Prinzip: Wer das Vertrauen seines Arbeitgebers missbraucht, der fliegt.

Trend 2: Einzelkämpfer statt Teamplayer

Teamplayer sind gefragt – im Stelleninserat, im Jobinterview, im Arbeitsalltag. Die Fähigkeit zur Teamarbeit ist fast ein Muss. „Crowdsourcing“ gilt auch als zukunftsträchtiger Weg in der Arbeitsorganisation: Flexible Teams arbeiten virtuell zusammen, dazu müssen sich die Teammitglieder nicht einmal am selben Ort aufhalten. Laut Sozialforschung ist Teamarbeit bei den Jungen aber gar nicht so gefragt. Sie würden viel lieber alleine an Projekten arbeiten und den Weg zum Ziel im Alleingang bewältigen: Das spart Zeit, Energie und mitunter auch Nerven, weil man sich nicht mit anderen Teammitgliedern absprechen muss.

Trend 3: Loyalität auf Zeit

High Potentials binden sich nur so lange an einen Arbeitgeber, bis sie ein besseres Angebot erhalten. Ein anderer Arbeitgeber mit interessanteren Aufgaben und/oder mehr Gehalt macht ein Angebot? Junge Menschen fackeln dann nicht lange und ziehen ein attraktiveres Jobangebot durchaus in Erwägung. Wer junge Talente rekrutieren oder im Unternehmen halten möchte, muss ihren Wunsch nach interessanten, beruflichen Herausforderungen permanent erfüllen: Individuelle Entwicklungsmöglichkeiten plus gute Bezahlung und darüber hinaus immer die Aussicht auf neue Perspektiven und Aufgaben.

Frau im eigenen Start-up

Trend 4: Start-up-Szene ist exklusive Nische

Blogger, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben und junge Kreative, die im Alleingang höchst erfolgreich sind: Best-Practice-Beispiele für erfolgreiche Start-ups gibt es jede Menge, die Szene markiert aber eher eine exklusive Nische. Berufseinsteiger ziehen nach wie vor den sicheren Rahmen eines Angestelltenverhältnisses vor. Das hält die Option offen, jederzeit in eine andere Position wechseln zu können. In der Start-up-Szene versammeln sich nicht nur die jungen, erfolgreichen, sondern auch jene Arbeitnehmer, die aus der Not eine Tugend machen und ihr Unternehmen aus der Erwerbslosigkeit heraus gründen. Ungeachtet der prekären Arbeitsbedingungen, unter denen viele Jungunternehmer arbeiten, zieht die Szene oft faszinierte Blicke auf sich. Der Grund: Coole Lifestyle-Typen machen Erwerbsarbeit zum Lebensstil. Vom erfolgsorientierten „Yuccie“ bis zum Digitalen Nomaden – die Grenze zwischen Broterwerb und Lifestyle verschwimmt. Wie sehr sich junge Selbstständige oft anstrengen müssen, wird nicht immer erwähnt.

Trend 5: Die Normalarbeitsplatznostalgiker kommen!

Ein sicherer Job mit fixen Arbeitszeiten und wenig persönlichem Risiko – auch davon träumen junge Berufseinsteiger. Der Wunsch nach einem „normalen Job“ ist sogar bei der breiten Mehrheit der Jugendlichen ausgeprägt. Sie bevorzugen klare Vorgaben gegenüber zuviel Eigenverantwortung. Hierarchien sind für sie in Ordnung, solange wertschätzend und auf Augenhöhe kommuniziert wird. Laut Bericht des Instituts für Jugendkulturforschung lässt sich hier eine „Normalarbeitsplatznostalgie“ beobachten. Sie ist die Antwort auf immer schärferen Wettbewerb, Flexibilitätszwänge und eine globalisierte Wirtschaft, die auf viele Arbeitnehmer einschüchternd wirkt.

Bildnachweis: Eugenio Marongiu / Shutterstock; Uber Images / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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