Tschüss Österreich! Junge High Potentials zieht es ins Ausland

von in HR am Donnerstag, 3. November 2016 um 11:33

Wer als Arbeitgeber denkt, die High Potentials der österreichischen Wirtschaftsstudenten nach ihrem Abschluss abholen zu können, der irrt: Laut aktueller trendence-Studie ist der heimische Arbeitsmarkt für sehr gute Absolventen nur bedingt interessant. Ihre Ansprüche an den Job nach dem Studium sind hoch, viele zieht es überhaupt ins Ausland. Ein Blick auf die Wünsche der Wirtschaftsabsolventen und Strategien, um sie als Arbeitnehmer zu gewinnen.

Karriere im Ausland ist gefragt

Ein Job im Ausland ist für ein Drittel der High Potentials der österreichischen Wirtschaftsstudierenden erstes Karriereziel. Dem österreichischen Arbeitsmarkt gehen so viele gut ausgebildete Kräfte verloren. Wer in Österreich bleiben und auch hier arbeiten möchte, fasst vor allem Consulting-Unternehmen oder große Arbeitgeber wie Red Bull ins Auge. Das Marktforschungsunternehmen trendence hat für das aktuelle Absolventenbarometer mehr als 7.700 Studierende befragt, die kurz vor ihrem Abschluss stehen. Darunter sind auch 242 High Potentials – Studierende, die sich durch Praxis- und Auslandserfahrung sowie besonders gute Noten auszeichnen.

Jene High Potentials zieht es doppelt so häufig ins Ausland wie ihre Kommilitonen. Nach dem Abschluss ziehen sie die Gründung eines eigenen Unternehmens außerdem häufiger in Erwägung als ihre Studienkollegen. Mehr als die Hälfte der High Potentials kann sich die Jobsuche nach dem Studium überhaupt sparen – sie haben bereits einen unterschriebenen Vertrag in der Tasche, wenn sie die Universität oder FH verlassen. Für österreichische Arbeitgeber ist nur ein Viertel der High Potentials verfügbar, große Konzerne haben als meistgenannte Wunscharbeitgeber hier gute Karten.

Die attraktivsten Arbeitgeber der High Potentials

Stichwort Wunscharbeitgeber: Red Bull, BCG, Google, BMW und Apple sind die beliebtesten Arbeitgeber der High Potentials aus dem Bereich Wirtschaft. Für den Durchschnittsabsolventen sind ebenfalls Red Bull, Google, BMW und Apple attraktive Arbeitgeber. Die Consulting-Branche zieht allerdings überdurchschnittlich viele High Potentials an. In den Top 15 der beliebtesten Arbeitgeber finden sich neben BCG auch McKinsey, PwC und KPMG.

Geld ist nicht alles – für High Potentials ist ein gutes Gehalt jedoch unverzichtbarer Bestandteil eines guten Packages. Dafür sind sie auch bereit, viel zu investieren: Sie sind bereit, 46,2 Wochenstunden zu arbeiten (3,1 Stunden mehr als der durchschnittliche Wirtschaftsstudierende), sind mobil, arbeiten strategisch, sind leistungsstark und bringen Unternehmergeist mit. Diesen Preis müssen Arbeitgeber dafür bezahlen: 39.900 Euro brutto Jahresgehalt erwarten High Potentials und damit 15 Prozent mehr, als der durchschnittliche Wirtschaftsstudierende. Das Gehalt steht allerdings nicht an erster Steller der Wunschliste: Gute Karriereperspektiven, attraktive Aufgaben und Möglichkeiten zur persönlichen Entfaltung sind den High Potentials ebenfalls sehr wichtig.

Spitzenkräfte finden und rekrutieren

High Potentials sind laut trendence-Studie vielleicht rar, sie für sich zu begeistern ist aber nicht ausgeschlossen. Zwei Handlungsempfehlungen für Recruiting und HR:

  • Recruiting: Nach dem Studium ist es zu spät
    Kontakt zu aussichtsreichen Kandidaten knüpfen, solange sie noch an der Hochschule sind – dazu rät auch Bernhard Vierhaus von trendence: „Unternehmen müssen High Potentials frühzeitig im Studium ansprechen und überzeugen, wenn sie sie als Mitarbeiter gewinnen wollen. Dabei sind Karriereportale und Karrierewebsites wichtige Anlaufstellen.“ Online ist praktisch, offline ist persönlicher. Oft gibt der persönliche Kontakt zu Arbeitgebern, z.B. auf Karrieremessen, für High Potentials den Ausschlag.
  • Das Gesamtpaket muss passen – und kommuniziert werden
    Gute Absolventen sind hoch motiviert, leistungsbereit und wissen, was sie wert sind. So bedeckt sich viele Arbeitgeber bezüglich der Bezahlung oft geben: Die Aussicht auf ansprechendes Grundgehalt oder Prämien und Boni kann ausschlaggebend sein. Was High Potentials außerdem lockt sind ein herausforderndes Aufgabengebiet und die Möglichkeit, Karriere zu machen. Die Aussicht auf berufliche Stationen im Ausland kann ein Plus sein. Entwicklungsmöglichkeiten anzubieten – das alleine reicht jedoch nicht. Jobs, Karriereperspektiven, Benefits und Verdienstmöglichkeiten müssen klar kommuniziert werden.

Bildnachweis: tomertu/Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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