Ist der Trend zum Morgensport berechtigt?

von in Arbeitsleben am Mittwoch, 12. Februar 2014 um 09:55

Morgensport, nicht zu verwechseln mit „Ich mach morgen Sport“, wird immer beliebter. Dies merkt man nicht nur bei den eigenen Arbeitskollegen, sondern auch an anderer Stelle – etwa, dass auch immer mehr Businesshotels morgendliche Sportstunden anbieten. Was dahinter steckt und wer lieber die Finger vom morgendlichen Turnen lassen sollte, erklärt Sportarzt und Arbeitsmediziner Piero Lercher.

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Sporteln vor der Arbeit: Wann ist es sinnvoll?

Ist Morgensport für jeden Menschen geeignet? Es gibt hier keine Pauschalaussagen, meint Piero Lercher. „Man muss sich das immer individuell ansehen, denn die Eignung für Morgensport hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab.“

  • Piero Lercher

    Piero Lercher

    Der Biorhythmus: Dieser ist jedoch nicht immer gleich und kann sich durch die Lebensweise ändern. Ein Morgenmuffel bleibt also nicht immer ein Morgenmuffel.

  • Körperliche Leistungsfähigkeit: Morgensport macht wenig Sinn, wenn sich jemand dabei völlig verausgabt und anschließend den ganzen Arbeitstag seine Leistung nicht mehr bringen kann.
  • Jahreszeit: Neujahrsvorsätze hin oder her – es gibt Jahreszeiten, zu denen Morgensport einfach mehr Sinn macht. Etwa im Sommer, wenn man dadurch Hitze und gefährlichen Ozonwerten entkommen kann.

Motivation Morgensport„Motivieren, nicht zwingen“

„Am wichtigsten ist jedoch das Thema Motivation. Wenn ich mich zu etwas zwingen muss, mache ich es vielleicht halbherzig und nicht richtig“, betont Lercher. „Es geht außerdem nicht darum, unbedingt in den Morgenstunden zu trainieren, sondern um die Tatsache, dass Bewegung generell Bestandteil des täglichen Lebens ist. Man sollte sich und seine Umgebung daher immer motivieren – jedoch nie zwingen!“

Alles ist erlaubt

Was man dabei an Bewegung macht, sollte vor allem ein Kriterium erfüllen: Es sollte Spaß machen. „Egal ob Radfahren, Schwimmen, Laufen: Von der Sportart her ist alles erlaubt, was gefällt.“ Wem etwa die ruhigere Variante lieber ist, der kann sich als Morgensport auch einfach ausgiebig im Bett strecken oder am Rücken liegend „Radfahren“, um Kreislauf und Durchblutung in Schwung zu bringen. Generell gibt es DEN Morgensport nicht – alles ist erlaubt, so Lercher.

Frühstück: Ja oder nein?

Morgensport FruehstueckEine Frage, die bei diesem Thema immer wieder aufkommt, ist jene nach dem Frühstück: „Hier sollte jeder Mensch in sich hineinhören und die Frühstücksgewohnheiten nicht groß ändern. Manchen Sportlern gibt zum Beispiel eine Banane die ideale Grundlage, andere brauchen eine ausgiebigere Mahlzeit. Danach sollte jedoch ein bis zwei Stunden mit dem Sporteln gewartet werden – und das macht den Morgensport schon komplizierter“, erklärt der Mediziner. Es komme zudem immer darauf an, weshalb man sich sportlich betätigen möchte. Zum Abnehmen, so Lercher, gibt es nur zwei Stellschrauben: Die Aufnahme und den Verbrauch von Energie. „Wer morgens läuft, dann aber den ganzen Tag viel isst, der wird sein Gewicht nicht reduzieren. Das Problem ist auch, dass viele durch den Morgensport erst so richtig hungrig werden.“

Zur Person: Piero Lercher

Piero Lercher ist Sportarzt sowie Umwelt- und Arbeitsmediziner, Autor, Medizinjournalist und Karikaturist. Unter anderem ist er Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Sportmedizin- und Prävention (ÖGSMP).

Bildnachweis: l i g h t p o e t / Quelle Shutterstock, Olga Danylenko / Quelle Shutterstock, Mariia Masich / Quelle Shutterstock, Andy Pumpa

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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