Später Weg zum Traumberuf Sopranistin

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 18. Juli 2013 um 10:48

Manchmal steckt man einfach fest. Die Frage, ob der eigene Job der richtige ist, kehrt in solchen Situationen oft wieder. Eine komplette berufliche Neuorientierung ist manchmal ein Ausweg – jedoch ein steiniger, für den es vor allem Mut braucht. Und mit zunehmendem Alter wird die Entscheidung, sich beruflich neu zu orientieren, mit Sicherheit nicht leichter. Eine, die weiß wovon sie spricht, ist Sylvia Kreye. Sie hat mit 45 Jahren ihren Traum verwirklicht und Gesang studiert. Über die Höhen und Tiefen spricht sie im Interview.

Burn-out und Mobbing als endgültiger Anstoß

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Gab es ein Schlüsselerlebnis, welches den Ausschlag für diesen Schritt gegeben hat?

Sylvia Kreye: Es gab da im Grunde mehrere Schlüsselerlebnisse. Eines davon war die endgültige Erkenntnis, dass ich in meinem Job als Musikpädagogin einfach nicht weiterkam. Ich hatte dort eine halbe Stelle, und mein Arbeitgeber war nicht bereit, dem Wunsch nach Aufstockung meiner Stunden zu entsprechen. Ich habe mir das ganze Dilemma dann noch zehn lange Jahre lang (zehn Jahre zu viel!) gefallen lassen, bis ich ein  echtes Burn-Out hatte.

„Eigentlich, war das Singen schon seit vielen Jahren mein Traum“

traum_verwirklichenZu allem Überfluss fühlte ich mich von meinem damaligen Arbeitgeber auch noch gemobbt. Dies gab dann den endgültigen Anstoß für meine Kündigung und meinen Entschluss, endlich den entscheidenden Schritt zu wagen. Denn eigentlich war es schon seit vielen Jahren mein Traum gewesen, Gesang zu studieren. Zunächst gab es da meine große Vorliebe für klassischen Gesang, Oper und Belcanto, die mich immer wieder antrieb. Leider nur hatte ich diese Liebe zum Gesang und zur Oper erst im Erwachsenenalter (also eigentlich fast schon zu spät) entdeckt. Vor Aufnahme meines Gesangsstudiums hatte ich bereits ein musikpädagogisches Studium im Fach Violoncello abgeschlossen.

Die ständige Frage: Reicht das Geld?

Welche Bedenken hatten Sie?

Sylvia Kreye: Natürlich hatte ich große Bedenken, ob ich für einen solchen Neuanfang – noch dazu in der Musikstadt Wien – nicht schon viel zu alt sei und ob ich das Gesangsstudium jetzt noch würde antreten können. Klar war auch, dass ich mich zunächst erst mal mit diversen Jobs über Wasser halten musste, und das machte mir natürlich Angst und frustrierte mich. Da ich aufgrund des jahrelangen beruflichen Stillstandes auch keine Ersparnisse hatte, kamen mir natürlich Bedenken, ob das Geld überhaupt reichen würde.

„Ein Sprung ins kalte Wasser“

Waren Ihre Bedenken berechtigt?

sprung_kaltes_wasserSylvia Kreye: Ja, rückblickend muss ich schon sagen, dass diese Sorgen in gewisser Weise berechtigt waren. Der Wechsel von dem sicheren, wenn auch unbefriedigenden Job in eine ungewisse Zukunft war tatsächlich ein Sprung ins kalte Wasser – begleitet von ständigen existenziellen Sorgen. Ich musste mich immer wieder mit nicht künstlerischen und noch dazu schlecht bezahlten Tätigkeiten über Wasser halten, was meine Karriere und mein berufliches Fortkommen in große Gefahr brachte. Es gab auch Phasen der Arbeitslosigkeit. In solchen Situationen habe ich mich dann schon oft gefragt, ob dieser Schritt wohl richtig war.

„Singen ist wie Hochleistungssport“

Wie geht es Ihnen heute in ihrem neuen Beruf und wo/was genau arbeiten Sie?

Sylvia Kreye: Nachdem ich wieder fast ein Jahr lang in einem branchenfremden Job mein Geld verdienen musste, bin ich derzeit damit beschäftigt, meine Stimme wieder aufzubauen. Singen ist Hochleistungssport, und wie bei einem Sportler, der längere Zeit nicht trainiert hat, muss man das Instrument Stimme nach einer solchen Unterbrechung wieder langsam und stetig aufbauen. Mein größter Wunsch ist natürlich ein Engagement an einem Opernhaus. Da ich jedoch aufgrund meines nicht mehr ganz so jungen Alters immer wieder mit dem Problem der Altersdiskriminierung konfrontiert werde, strecke ich meine Fühler nun auch verstärkt in andere EU-Mitgliedsstaaten aus.

Innere Kündigung rasch umsetzen

Würden Sie es wieder tun?

Sylvia Kreye: Ja, ich würde es wieder tun! Allerdings würde ich nicht noch einmal so lange warten. Außerdem muss ich zugeben, dass ich für meinen Entschluss wohl einen sehr hohen Preis bezahlen musste, und hätte ich vorher gewusst, was da alles auf mich zukam, hätte ich diesen Schritt vielleicht nicht gewagt. Andererseits möchte ich betonen: Jeder, der vor einer solchen Entscheidung steht, sollte nicht so lange warten wie ich es getan habe.Ich kann nur jedem/jeder Betroffenen raten, die innere Kündigung so schnell wie möglich in die Tat umzusetzen und mit der Erfüllung der eigenen Bedürfnisse nicht zu lange zu warten – denn sonst kann es wirklich zu spät sein und auf die Dauer krank machen.

Sylvia Kreye

Sylvia Kreye

Zur Person: Sylvia Kreye

Sylvia Kreye ist diplomierte Sängerin und staatlichgeprüfte Musikpädagogin. Aktuell arbeitet die freischaffende Künstlerin an einem Konzertprojekt zum Wagner- und Verdi-Jahr 2013.

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Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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