Trainer vs. Manager: „Es geht um Selbstbewusstsein und Kreativität“

von in HR am Mittwoch, 7. August 2013 um 10:29

Spitzensport und Wirtschaft – zwei Bereiche, zwischen denen immer wieder Parallelen gezogen werden. Logisch, in beiden geht es um Höchstleistungen, Motivation, Innovation und Präzision. Michael Warm, Trainer des österreichischen Volleyball-Teams, erklärt, was gute Trainer und Manager verbindet.

Michael Warm hat viel erlebt: Geboren 1968 in Nürnberg, Lehramtstudium, 15 Jahre im Profibereich, langjähriger Bundesligatrainer des SCC Berlin. Dazwischen Meistermacher beim SC Zalau (Rumänien), den er vom sechsten Platz noch zum Titel führte und seit 2010 Teamchef der österreichischen Volleyball-Nationalmannschaft. Beim Sommergespräch des Netzwerk Humanressourcen ließ der Erfolgscoach hinter die Kulissen blicken und sprach darüber, was Führungskräfte in der Wirtschaft mit Trainern im Sport gemeinsam haben.

Warm„Es gibt nicht so viele Unterschiede: In beiden Fällen verfügt man über hochgradig ausgebildete und motivierte Mitarbeiter. In beiden Fällen muss man mit seinem Team die bestmögliche Performance erreichen“, ist Warm überzeugt. Allerdings stehe heute der Faktor „Druck“ weiter hinten in der Werteskala von Führungskräften in beiden Bereichen – weil dieser allein keine wirklichen Bestleistungen hervorrufen kann.

„Kümmere dich um die Menschen“

IMG_8576Seine Leitsätze als Trainer übernahm Warm von einem seiner Mentoren: 1. Kümmere dich um die Menschen. 2. Wenn du dann noch etwas vom Volleyball verstehst, wirst du ein Großer. Warm: „Es geht immer um Beziehungsmanagement: Wie arbeiten einzelne Akteure optimal in Teams zusammen?“

Besonders wesentlich sei dabei das Spannungsverhältnis zwischen Einzelsportler und Teamgefüge, so der Teamchef: „Ich kann noch so viele Hochseilgärten und Teambuildings machen, wenn die Qualität der Einzelspieler nicht stimmt, hilft das alles nichts.“ Nur wenn beide Bereiche gleichermaßen beachtet werden, kann man Erfolg haben.  Das schlägt sich bereits bei den Anforderungen an Spitzenspieler nieder, erklärt Warm: „Ein Mannschaftssportler muss unheimlich sozialkompetent sein. Aber er muss auch in der Früh aufwachen und sagen können, wo er selbst heute besser werden will.“

Selbstbewusstsein und Kreativität entscheiden

Andreas Geiblinger/Netzwerk Humanressourcen, Michael Warm (v. li.)

Andreas Geiblinger/Netzwerk Humanressourcen, Michael Warm (v. li.)

Entscheidend sei also, wie sich ein Trainer – also die unmittelbare Führungskraft – sowohl dem einzelnen Spieler als auch dem Team gegenüber positioniert: „Der Trainer steht heute nicht mehr mit der Peitsche da. So lassen sich Höchstleistungen nicht mehr rausholen. Das Verhältnis Trainer-Sportler wurde zunehmend zu einer Partnerschaft, bei der der Spieler im Vordergrund steht und der Trainer sich eher als Berater sieht“, ist Warm überzeugt. Zentral seien im Leistungssport Selbstbewusstsein und Kreativität – und beide Eigenschaften lassen sich nicht durch Druck erzeugen. Wesentlich sei darüber hinaus, wie und wo sich der Trainer dann im Team positioniert und ob dieser es schafft, solide Achsen im Team aus verscheidenen Gruppen zu bilden.

Warms Fazit: „Es geht niemals primär um das eigene Führungsverhalten. Als Trainer und Führungskraft muss ich mir immer anschauen, was brauchen die Spieler, um Höchstleistungen zu bringen. Mit Verlaub: Die Höchstleistung vollbringt man nämlich nie als Trainer selbst.“

Bildnachweis: Stefan Schurr / Quelle Shutterstock, karriere.at, Netzwerk Humanressourcen (2)

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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