Absolventen-Umfrage: Beliebte Arbeitgeber, bescheidene Frauen und geplante Start-ups

von in Arbeitsmarkt, HR am Freitag, 29. April 2016 um 10:25

Nach dem Studium ist vor der Jobsuche. Bei der Wahl des Arbeitgebers spielen zahlreiche Faktoren eine Rolle: Gehalt, Branche und Image des Unternehmens. Welche Arbeitgeber es aktuell auf die Wunschliste der Österreicher nach ganz oben schaffen, hat die trendence Absolventenbefragung erhoben. Wir haben außerdem exklusiv geschlechtsspezifische Detailergebnisse: Wie viel Gehalt verlangen Frauen, wie viel die Männer? Und wer ist bei der Wahl eines Arbeitgebers besonders anspruchsvoll?

Mehr als 7.700 Studierende an 32 österreichischen Hochschulen wurden für das trendence Graduate Barometer befragt: Rund 3.500 Wirtschaftswissenschaftler und 2.800 Techniker haben verraten, für welche Unternehmen sie am liebsten arbeiten würden, worauf sie bei der Wahl des Arbeitgebers Wert legen und welches Gehalt für sie drin sein muss.

Das Ranking im Überblick

Top-Arbeitgeber WirtschaftTop-Arbeitgeber Technik
Red Bullvoestalpine
BMW GroupGoogle
GoogleBMW Group
AppleSiemens
AußenministeriumStrabag
voestalpineRed Bull
United NationsBoehringer Ingelheim
MicrosoftApple
Raiffeisen ZentralbankBaxter
HoferBayer
ORFMicrosoft

Mit Red Bull und der voestalpine finden sich seit 2011 erstmals wieder zwei österreichische Unternehmen an der Ranking-Spitze. Die heimischen Arbeitgeber liegen heuer aber generell gut im Rennen. Ein Blick auf die Top 10 zeigt, dass bei den Technikern drei österreichische Unternehmen in den Top 3 liegen, bei den Technikern sind es sogar fünf. Die Heimatverbundenheit der Studierenden nimmt laut trendence generell zu. Die Top 100 des Rankings für Österreich ist hier zu finden.

Branchen: Die Verlierer, die Gewinner

  1. Zu den Verlierern des Jahres zählen die Banken. Im Vorjahr lagen sie noch auf Rang 2 der beliebtesten Branchen, heuer fallen sie auf Rang 6 zurück. Für Wirtschaftswissenschaftler sind Banken keine so attraktiven Arbeitgeber mehr. „Die Absolventen schätzen vor allem den Einstellungsbedarf und die Jobsicherheit bei den Banken schlechter ein als im Jahr zuvor“, so Bernhard Vierhaus, Country Manager Österreich bei trendence.
  2. Zu den Gewinnern zählt diesmal der Handel, vor allem der Lebensmittelhandel ist für Wirtschaftswissenschaftler eine attraktive Option. Davon profitiert Hofer und landet erstmals in den Top 10 der beliebtesten Arbeitgeber. Top-Branche der Wirtschaftswissenschaftler bleibt jedoch die Konsumgüterindustrie mit Red Bull als attraktivstem Arbeitgeber.
  3. Bei den Technikern überholt in diesem Jahr der Maschinenbau die Elektroindustrie und ist damit die beliebteste Branche dieser Absolventen.
  4. Die IT-Branche hingegen verliert an Attraktivität bei den angehenden Ingenieuren und Informatikern. Einer der Gründe: Jeder fünfte Techniker spielt mit dem Gedanken, ein Start-up zu gründen. Bei den Informatikern ist es sogar jeder Dritte. Top-Talente aus der IT gehen damit auch anderen Branchen wie dem Handel, den Banken oder der Automobilindustrie verloren.

Erster Job: Wohin möchten die Frauen, wohin die Männer?

  • Die FMCG-Industrie (Fast Moving Consumer Goods) ist für Frauen der Wirtschaftswissenschaften attraktiver als für Männer: Red Bull, LVMH und L’Oréal zählen zu den beliebtesten Arbeitgebern der Frauen und finden sich auf der Wunschliste der Männer weiter unten. Auch der öffentliche Dienst ist für Frauen attraktiver.
  • Männer finden eine Karriere in der klassischen Beratung spannender als ihre weiblichen Kollegen: Die Boston Consulting Group und McKinsey stehen bei Männern höher im Kurs.
  • In der Technik zieht es Frauen verstärkt in die Pharma-Industrie: Neben Baxter zählt Boehringer Ingelheim zu ihren beliebtesten Arbeitgebern – insgesamt finden sich sieben Pharmaunternehmen in den Top 20 der Frauen. Bei den Männern sind es nur zwei.
  • Ein Blick auf die Wünsche der männlichen Techniker: Die Bau- und Automobilbranche steht bei ihnen hoch im Kurs: Strabag, Porr, BMW, AVL, Magna Steyr und Volkswagen finden sich in den Top 20 der Männer.

Gehalt: Bescheidene Frauen und der Wunsch nach Autonomie

Interessanter Fact zum Thema Einkommenswünsche: Zwischen Frauen und Männern gibt es einen deutlichen Unterschied, was das Wunschgehalt betrifft. 31.500 Euro brutto pro Jahr – so viel möchten weibliche Wirtschaftswissenschaftler beim Berufseinstieg gerne verdienen. Der Gehaltswunsch der Männer liegt höher, sie möchten 38.900 Euro jährlich verdienen. Das Wunscheinkommen der Technikerinnen liegt bei 33.100 Euro, das der Techniker bei 40.000 Euro. Blickt man auf die Ergebnisse fünf Jahre zurück, hat sich daran nicht viel geändert. Frauen verlangen nach wie vor rund 20 Prozent weniger Gehalt als ihre männlichen Kollegen. Geld ist für die Absolventen allerdings nicht alles. Viel wichtiger ist ihnen Eigenverantwortung und autonome Gestaltung ihrer Arbeitszeit. Wenn ein Arbeitgeber wirklich gut zu ihnen passt, würden sie dafür sogar weniger Geld in Kauf nehmen. Ein schlechtes Image können Unternehmen allerdings nicht in Geld aufwiegen: Nur ein Drittel der Absolventen würde für einen Arbeitgeber mit schlechtem Image arbeiten, wenn dafür das Geld stimmt. Am kritischsten sind hier übrigens Frauen.

Die Wünsche an den Arbeitgeber: Frauen sind kritischer als Männer

Techniker: Sie legen vor allem Wert auf attraktive Arbeitsaufgaben, einen wertschätzenden Umgang und Kollegialität. Die Wirtschaftswissenschaftler wünschen sich attraktive Karriereoptionen, interessante Aufgaben im Daily Business und Wertschätzung. Frauen und Männer sind sich in diesen Punkten weitgehend einig, dennoch gibt es Unterschiede: Auf Chancengleichheit legen Frauen deutlich mehr Wert. Insgesamt stellen Frauen etwas höhere Erwartungen an Arbeitgeber als Männer. Wieviel Pessimismus ist bei der Jobsuche angebracht? Frauen sind hier weniger optimistisch als Männer. 42 Prozent der befragten weiblichen Absolventen denken, dass es 2016 auf dem Arbeitsmarkt schwierig wird. Bei den Männern denkt rund ein Drittel so. Auch die Zukunft bereitet Frauen mehr Sorgen: 56 Prozent der Technikerinnen und 50 Prozent der Wirtschaftswissenschaftlerinnen sorgen sich um ihre berufliche Zukunft – aber nur ein Drittel der Männer teilen diese Bedenken.

Über die Studie

trendence ist ein unabhängiges Beratungs- und Forschungsunternehmen für Employer Branding und Personalmarketing. Die österreichische Absolventenstudie wird seit 2007 jährlich als Barometerstudie durchgeführt. Befragt wurden diesmal mehr als 7.700 Teilnehmern im Zeitraum September 2015 bis Februar 2016. Das trendence Graduate Barometer ist Teil von Europas umfassendster Absolventenbefragung in 24 Ländern.

Bildnachweis: Gonzalo Aragon / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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