Telefonieren verboten! Droht auch in Österreich ein Verbot von Privat-Handys am Arbeitsplatz?

von in Arbeitsrecht am Donnerstag, 29. Juli 2010 um 13:56

Ein deutsches Gerichtsurteil erlaubt nun Arbeitgebern, ihren Mitarbeitern die Nutzung ihrer Privathandys in der Dienstzeit zu verbieten. karriere.at sprach mit einer Arbeitsrechts-Expertin: „Dürfen österreichische Chefs das auch?“

Machen Sie den Selbst-Check: Wie oft haben Sie während der heutigen Arbeitszeit Ihr Privathandy zur Hand genommen? Seien Sie ehrlich – Telefonate, SMS, MMS, Facebook, Twitter und Co. via Smartphone gecheckt? Fotos vom letzten Wochenende Ihren Bürokollegen gezeigt? Alles zusammen. Und nun überlegen Sie, wieviel Zeit dafür draufgegangen ist. Schwer zu sagen, oder? Die Verbindungsdauer der Telefonate lässt sich ja noch addieren, wie lange aber tippt man für ein SMS? Einigen wir uns darauf: Eine Viertelstunde wird es schon gewesen sein. Und nun: Stellen Sie sich vor, ob ihr Chef damit einverstanden wäre, dass Sie in der Arbeitszeit „privatisieren“.

Keine Angst, der Karriere-Blog wird nun nicht allzu arbeitsmoralisch. Die Geschichte dient nur der Vorwarnung: In Deutschland nämlich hat das Landesarbeitsgericht (LAG) Rheinland-Pfalz in Mainz entschieden, dass Unternehmen ein Privathandy-Verbot während der Arbeitszeit verhängen können. Diesem Verbot muss auch der Betriebsrat nicht zustimmen (Artikel hier), so der Entscheid. Nach dem Urteil gehöre es zu den selbstverständlichen Pflichten der Mitarbeiter, ihr Mobiltelefon in der Dienstzeit weder aktiv noch passiv zu verwenden. Ein Verbot des Arbeitgebers würde dies lediglich zusätzlich klarstellen.

Gibt es solche Verbote auch schon in Österreich? „Uns ist derzeit kein Entscheid eines Gerichtes bekannt“, gibt Arbeitsrechts-Expertin Christina Teuchtmann von der Arbeiterkammer Oberösterreich Entwarnung: „Derzeit ist die private Handynutzung am Arbeitsplatz noch kein Thema.“ Immer wieder komme es jedoch zu Diskussionen über die Privatnutzung der Firmentelefonanlage. „Das steht Dienstnehmern in dringenden Fällen zu“, erklärt Teuchtmann. Würden für dringende Privatgespräche die eigenen Handys zum Einsatz kommen, würden sich Arbeitgeber auch diese Kosten sparen, betont die Expertin.

Dass Privathandys im Dienst jedoch auch bei uns ins Zentrum der Diskussionen rücken könnten, sei durchaus möglich, so Teuchtmann: „Es kann natürlich sein, dass dieses Problem auch bei uns relevant wird, nämlich hinsichtlich der neuen Handytechnologie, die die Nutzung von Diensten wie Facebook oder E-Mail-Services ermöglicht, obwohl diese am Firmen-PC gesperrt sind.“

Ganz abgeschlossen dürfte das Kapitel also in Österreich nicht sein. Man denke nur daran, wieviele Firmen Facebook, Twitter, GMX, Hotmail und Co. bereits für ihre Mitarbeiter gesperrt haben.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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