Forscher erklären: Darum muss man fremde Telefonate mithören

von in Arbeitsleben am Montag, 18. März 2013 um 11:45

Egal ob Partner, Kollege oder Wildfremder: Handygespräche anderer fesseln die eigene Aufmerksamkeit und das nicht zu knapp. Die einen oder anderen kennen wohl die unangenehme Situation, dem eigenen Gesprächspartner nicht mehr folgen zu können, weil ein Telefonat abgelenkt hat. „Ich kann einfach nicht weghören!“, so die Entschuldigung. US-Forscher springen nun für all jene in die Bresche, die diese Erklärung schon einmal gebraucht haben und denen vielleicht nicht geglaubt wurde. Sie meinen nämlich: Unser Gehirn lässt uns nicht weghören.

Wie wirken Telefonate auf die Mithörer?

Egal ob ein Anruf übers Handy oder per Festnetz kommt: Jeder Menschen wird zum unfreiwilligen Mithörer von Telefonaten seiner Mitmenschen. Und dies, der Mobiltelefonie sei es gedankt, quasi an fast jedem Ort. Manchmal sogar an jedem – denn auch „stille Örtchen“ sind manchmal gar nicht so still. „Dass ein Handygespräch die geistigen Leistungen des Telefonierenden mindern kann – vor allem beim Autofahren – haben schon mehrere Studien gezeigt“, berichet eine Forscherin von der University of California laut Bild der Wissenschaft. Kaum erforscht sind hingegen die Auswirkungen von Telefonaten auf die Mithörer.

Lüge im Sinne der Wissenschaft

Mit einem Experiment unter 149 Studenten wollten die Forscher feststellen, wie mitgehörte Telefonate auf Menschen wirken – unabhängig von der bereits bekannten Tatsache, dass sie meistens als störend oder nervig empfunden werden. Dafür wurden die Studenten in zwei Gruppen geteilt und – im Sinne der Wissenschaft – angelogen. Ihnen wurde nämlich erklärt, dass sie an einem Computer durcheinander gewürfelte Wörter entschlüsseln sollen. Während die Probanden noch über den Anagrammen brüteten, begann der eigentliche Test. In einer Gruppe begannen plötzlich zwei im Raum sitzende, scheinbar unbeteiligte Personen ein Gespräch. Auch bei der zweiten Gruppe startete ein Gespräch – allerdings durch einen Anruf per Handy.

Handygespräch wirkte lauter und störender

Bei dem vermeintlichen Telefonat verwendete die Person exakt den gleichen festgelegten Wortlaut, wie im anderen Raum einer der Gesprächsteilnehmer. Nach dem Test wurden die Studenten gebeten, einen Gedächtnistest zu absolvieren: Sie sollten aus insgesamt 70 Wörtern diejenigen auswählen, die in dem Störgespräch bzw. dem Telefonat vorgekommen waren. Und es zeigte sich: Die Probanden gaben an, dass sie das Handytelefonat als stärker ablenkend, störender und lauter empfanden als das Gespräch. Auch konnten sie sich die Wörter aus dem Telefonat besser merken. „Obwohl sie eigentlich an einer anderen Aufgabe saßen und nicht wussten, dass die Konversation Teil der Studie war, konnten sie sich hinterher besser an Wörter aus dem Telefonat erinnern als aus dem Dialog“, so die Forscher.

Mehr Arbeit fürs Gehirn

Warum wir Menschen uns den Telefonaten anderere so schlecht entziehen können, ist noch nicht genau geklärt. Die Wissenschaftler vermuten aber, dass uns unser Gehirn dabei quasi einen Streich spielt. Denn immer dann, wenn wir ein Gespräch führen, versucht es automatisch, den weiteren Verlauf bzw. die Richtung des Gesprächs vorherzusagen. Hört man aber nur eine Seite des Dialogs, wie es beim Telefonieren der Fall ist, fehlen dem Gehirn auch 50 Prozent der Informationen. Um diesen Mangel auszugleichen, muss es mehr Aufmerksamkeit und Arbeit aufwenden. „Nicht zu wissen, wohin das Gespräch führt, ist es letztlich, das mitgehörte Telefonate so störend macht“, erklärt Studienautorin Rosa Vessal.

Bildnachweis: Aaron Amat / Quelle Shutterstock

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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