Telefonterror – Warum uns Handys den Verstand rauben

von in Arbeitsleben am Montag, 27. Juni 2011 um 13:18

Sie kennen das sicher: Eine Aufgabe, die völlige Konzentration erfordert, dazu der telefonierende Kollege am Schreibtisch gegenüber. Und für die gesamte Dauer des Telefonats geht bei Ihnen überhaupt nichts weiter. Weil es eben viel interessanter ist, den Wochenend-Tratsch des Schreibtischnachbarn zu erfahren. Im Job kann das aber zu massiven Problemen und Einbußen bei der Arbeitsleistungen führen, belegt nun eine Studie. Was also tun, wenn sich die Produktivität im Büro wegen diesem ständigen Gequatsche dem Nullpunkt nähert?

Super. Jetzt wissen wir, welche Hose sich der Kollege gegenüber gestern gekauft hat, wie die Geburtstagsparty der Sekretärin nebenan war und wohin der nächste Urlaub des Lehrlings gehen wird. Alles Dinge, die man eigentlich nicht wissen will. Die man aber Büros zwangsläufig mitbekommt: Weil ständig telefoniert wird! Trotzdem: Kein Grund, gleich ähnlich auszurasten, wie folgender Kollege hier:

Eine Untersuchung eines Forscherteams rund um Lauren Emberson, erschienen in der Fachzeitschrift Psychological Science, hat nun feststestellt, dass mitgehörte Telefonate von Kollegen zu den Aufmerksamkeits-Killern zählen – und zwar noch mehr als Gespräche zwischen zwei Anwesenden. Warum? Weil uns gerade „Halbdialoge“, also Gespräche, bei denen man nur einen Kommunikationsteilnehmer hört, besonders fesseln. Jeder kennt das aus dem Zug: Warum ist der Informationsgehalt des Telefonats der wildfremden Person gegenüber so interessant, dass mich mein Buch plötzlich gar nicht mehr interessiert?

Das Experiment: Probanden mussten für die Untersuchung verschiedene Aufgaben, bei denen es um Konzentrationsfähigkeit ging, lösen. Gleichzeitig wurden sie jeweils Zeuge einer gewöhnlichen Unterhaltung, eines Monologs oder eben eines „Halbdialogs“. Ergebnis: Gerade letztere Situation machte den Teilnehmern besonders zu schaffen.

Der Grund dafür ist, so die Forscher, dass gerade dieser unvollständige Inhalt zu sehr beansprucht – man weiß nur eine Hälfte und hat quasi keine Chance, das weitere Gespräch vorherzusehen. Und ist dies der Fall, so führe das automatisch zu Unsicherheit. Das wiederum lenke unsere Aufmerksameit automatisch auf den Inhalt des Gesagten, um mehr zuerfahren und somit Sicherheit zu erlangen, so die Psychologen.

Lärm macht unkreativ

Lärm am Arbeitsplatz – generell ein Problem, das die Leistungsfähigkeit von Arbeitnehmern massiv beeinträchtigt, bestätigt auch Martin Prongratz, von M.O.O.CON, der sich auf die gesamthafte, an der Unternehmensstrategie orientierten Gebäudeentwicklung spezialisiert hat. Denn der hohe Grundpegel an Lärm wirke sich nicht nur auf die Konzentrationsfähigkeit aus, sondern er erhöht den Stresslevel noch zusätzlich zur Arbeitsbelastung: „Studien belegen, dass in Großraumatmosphären der Adrenalinlevel im Blut der Mitarbeiter höher ist, als bei jenen in kleineren Arbeitseinheiten.” Das führt dazu, das viele Mitarbeiter in solchen Stress-Umgebungen nicht mehr „die Nerven“ haben, um kreativ oder innovativ zu sein. Sie versuchen, Experimente zu vermeiden.

Nicht vom Lärm pflanzen lassen!

Ein möglicher Ausweg: Die gute, alte Zimmerpflanze. Pongratz: „Es gibt Studien, die zeigen, dass Pflanzen die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter erhöhen. Sie verbessern nicht nur das Raumklima und die Luftqualität, sondern haben sogar einen positiven Effekt auf die Akustik, wenn sie in größerer Menge eingesetzt werden“, erklärt der Büroarchitektur-Experte.

 

Redaktion

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