Meine Kollegen sind sch…! Warum Teamplayer gesucht werden und Einzelkämpfer Karriere machen

von in HR am Montag, 6. September 2010 um 09:03

Kaum eine Stellenausschreibung, die nicht das Wort „Teamplayer“ enthält. Die Fähigkeit und der Wille, mit Kollegen im Kollektiv zusammenzuarbeiten und sich laufend mit diesen abzustimmen, werden heute im Großen und Ganzen von Unternehmen vorausgesetzt. Doch ist Teamarbeit nicht bloß ein Bonmot, das sich Unternehmen aus Gründen des Employer Brandings an die Fahnen heften? Und: Wollen Arbeitnehmer überhaupt im Team eingesetzt werden? Eine deutsche Studie besagt nämlich: Jeder Zweite arbeitet allein effizienter als im Team.

Ihnen kommt bereits beim Anblick der Kollegen am Montagmorgen das Frühstück wieder hoch? Sie fühlen sich durch das ständige Telefonieren Ihres Gegenübers im Großraumbüro persönlich provoziert? Sie vertreten die Meinung, dass diese ständigen „Teamsitzungen“ Ihrer Arbeitsgruppen eigentlich nur Zeit verschwenden? Seien Sie sicher: Sie sind nicht allein mit dieser Meinung.

Denn eine Studie der Buchautoren Svenja Hofert und Thorsten Visbal – sie sind Verfasser des Buches „Ich hasse Teams. Wie Sie die Woche mit Kollegen überleben“ – belegt nun: Rund die Hälfte der Befragten bringen mehr Leistung, wenn sie alleine arbeitet. Gemessen an einem Wert zwischen 1=Einzelkämpfer und 10=Teamliebhaber, sieht sich der Durchschnitt der Befragten bei 5,4. Angestellte, die kein Personal zu führen haben, sind mit 5,8 noch am ehesten als Herdentiere zu bezeichnen. Führungskräfte und Selbständige hingegen liegen mit 5,1 und 5,3 sogar unter dem Durchschnitt.

Interessant sind vor allem die in der Studie angegebenen Gründe, was Arbeitnehmer an der Zusammenarbeit mit Kollegen nervt: 36 Prozent hassen ineffizientes Arbeiten, 23 Prozent ineffiziente Umsetzung. Und 16 Prozent schlechte Kommunikation. Immerhin sieben Prozent mögen keine ineffektiven Team-Meetings. Auch wenn es sich um eine deutsche Studie handelt, sind die Ergebnisse wohl gut auf Österreich übertragbar.

Warum aber zieht jeder Zweite die Arbeit als Einzelkämpfer dem Arbeitsprozess im Rudel vor? Ein Grund dürfte sein, dass in vielen Unternehmen noch häufig in Arbeitsumgebungen gearbeitet wird, die wirkliche Teamarbeit eher blockieren als fördern. Das beginnt mit dem Fehlen an geeigneten Rückzugs- und Besprechungsräumen, über schlechte Personalzusammenstellung („Passt dieser Mitarbeiter ins Team?“) und endet bei mangelhaften Teambuilding-Aktivitäten. Den plausibelsten Grund aber liefern die Autoren gleich mit: Werden Leistungen im Team erbracht, steht trotzdem die Leistung von Einzelnen oft im Vordergrund. Und gelobt werden wollen wir schließlich doch alle, oder?

Wie geht es Ihnen? Sind Sie eher Herdentier oder Lonely Ranger? Falls Sie es nicht so genau wissen, stellen Sie sich dem ultimativen Teamhasser-Test! Amüsant!

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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