Adé, du schöner Teamgeist: Wenn Unternehmen zu schnell wachsen

von in HR am Montag, 29. November 2010 um 10:56

Am Beginn sind handlungsorientierte Alleskönner gefragt. Wenn sich ein Unternehmen aber weiterentwickelt und vor allem mitarbeitermäßig wächst, geht es nicht mehr ohne klare Strukturen und Mitarbeiterführung. Worauf Unternehmen und Mitarbeiter achten sollten, damit der Teamgeist nicht flöten geht, beschreibt Karrierecoach, Unternehmensberaterin und Autorin Svenja Hofert in ihrem heutigen Gastbeitrag für karriere.at.

Nach einem Jahr war der nette Marian plötzlich nicht mehr da. Der engagierte Alleskönner: von einem Tag auf den anderen durch einen Marketingfachmann ersetzt, die PR verantwortete jetzt eine Agentur. Seitdem die Geschäftsführung alles neu strukturiert hatte, hatte sich auch das Arbeitsklima verändert. Auf der einen Seite die Mitarbeiter der ersten Stunde, auf der anderen die neuen. Es hatten sich Cliquen gebildet und statt freundschaftlichem Gründergeist herrschten Reibereien und Machtkämpfe. Teamgeist? Ausgehaucht!

Die Szene beschreibt eine typische Situation in Unternehmen, deren Strukturen sich aufgrund schnellen Mitarbeiterwachstums plötzlich verändern. Während in der Gründungsphase handlungsorientierte Gestalter und Generalisten gefragt sind, die sich selbst steuern und organisieren, erfordert die Wachstumsphase eine strukturierte Herangehensweise und klare Führung – Handeln mit Freiraum, aber nach Vorgaben. Während am Anfang Freundschaft und Arbeiten auf Augenhöhe Erfolgsprinzip war, dämpfen jetzt Einschränkungen die Motivation.

Nun ist es die schwierige Aufgabe  der Führung, neue Ziele und Werte zu definieren und vorzuleben, denn die Mitarbeiter müssen sich in neuen Rollen und Teams zusammenfinden. Das ist nicht anders wie bei einer Fußballmannschaft: Wenn neue Spieler dazukommen, gerät die Mannschaft aus den Fugen, denn die Rollen müssen sich jetzt neu finden. Fußballfans können das jede Woche in der Bundesliga beobachten: Bei Spielerveränderungen braucht es fast immer eine längere Zeit, bis das Team wieder Tore schießt und Siege erzielt. Da reicht es nicht, einen neuen Kapitän als formellen Führer aufzustellen – dieser muss sich auch bewähren. Im Unternehmen ist das genauso: Jede personelle Veränderung führt dazu, dass sich alte Rollen auflösen, bevor sich neue finden. Wenn die Führung jetzt klare Orientierung gibt, kann neuer Teamgeist entstehen. Wenn nicht, wird hohe Fluktuation die Folge sein.

Tipps für Inhaber und Führungskräfte:

  • Welche Eigenschaften brauchen neue Mitarbeiter? Besetzen Sie neue Stellen nicht nur nach fachlichen Anforderungen, sondern auch nach persönlichen. Persönlichkeitstests wie das Reiss-Profil oder auch der Meredith-Belbin-Test helfen dabei.
  • Führen Sie Zielvereinbarungen für Teams ein. Legen Sie mit dem Team gemeinsam fest, was erreicht werden soll. Dabei müssen die Ziele eindeutig und messbar sein – und schriftlich niedergeschrieben.
  • Trennen Sie sich zur Not von Mitarbeitern, die in der Aufbauphase wichtig waren, aber sich in der Professionalisierungphase nicht einfügen wollen. Jede Unternehmensphase braucht andere Persönlichkeiten.

Für Mitarbeiter:

  • Wachstum ist eine tolle Chance, um sich zu positionieren: Bringen Sie sich für Funktionen ins Spiel, die Sie interessieren.
  • Wachstum bringt auch neue Projekte: Engagieren Sie sich dabei, das Unternehmen voran zu bringen.

Gehen Sie locker damit um, dass es nicht mehr ganz so freundschaftlich zugeht. Studien besagen: Teamarbeit ist bei einem mittlerem Streitniveau am effektivsten. Also:  Ein paar Konflikte sind durchaus gut für die Firma.

Zur Person:

Svenja Hofert ist Karrierecoach und Unternehmensberaterin sowie Autorin verschiedener Standardwerke im Karriere- und Gründungsbereich, u.a. „Karrieremacherbuch“ und „Praxisbuch Existenzgründung“ (beide Eichborn). Ihr neuestes Werk hat sie mit Thorsten Visbal im Team verfasst: „ich hasse Teams“ (Eichborn-Verlag)

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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