Tatort Teeküche: Wenn die Kollegen ihre guten Manieren vergessen

von in Arbeitsleben am Montag, 27. Januar 2014 um 11:57

Viele kennen ihn vielleicht von zu Hause – den ewigen Streit um das Geschirr. Genauer gesagt, die Ordnung in der Küche. Umso bitterer dann, wenn der Küchenkonflikt sich im Büro fortsetzt. „Machen die das zu Hause auch so?“, fragen sich vielleicht die einen. „Dafür bin ich nicht angestellt“, denken die anderen. Im Interview erklärt Psychologe Klaus Sejkora, was hinter dem Streit in der Teeküche steckt.

Das ist Büro-Streitpunkt Nummer eins

Schmutziges Geschirr in der Spüle, ein Kühlschrank, dessen Inhalt bald zu leben beginnt. Wer einmal in einem Büro mit Tee- oder Gemeinschaftsküche gearbeitet hat, der kennt wohl diese aber auch ähnliche Küchenszenarien sehr gut. Egal, ob die Milch mal wieder leer oder das mitgebrachte Joghurt plötzlich weg ist: Streitpunkt Nummer eins ist die Unordnung. Meist stehen schmutzige Kaffeehäferl, Gläser & Co. jedoch für etwas ganz anderes.

Was steckt hinter den Konflikten?

Was also steckt hinter den Konflikten? Psychologe Klaus Sejkora beschreibt die beiden häufigsten Ursachen:

  1. Klaus Sejkora

    Klaus Sejkora

    Revier abstecken: Ich will demonstrieren, dass mein Team oder meine Abteilung wichtiger ist als deine, und dass ich wichtiger bin als du. Daher breite ich mich im Kühlschrank aus, daher lasse ich meine Kaffeetasse stehen – ich bin schließlich wichtig und habe keine Zeit für solche Kleinigkeiten.

  2. Nicht ausgelebte Konflikte: Andere – persönliche, oft auch inhaltliche – Konflikte werden nicht ausgetragen, schwelen unter dem Teppich und brechen an einer Stelle auf, die damit gar nichts zu tun hat. Beispiel: Eine Schnittstelle funktioniert nicht, wie es von ihr erwartet wird. Das Thema wird aber nicht angesprochen, weil es Ängste gibt, dass man dann erst recht ‚hängen‘ gelassen werden könnte. Daher wischt man dem Kollegen eins aus, indem man seine Milch nimmt, sein Joghurt im Kühlschrank unter anderen Sachen begräbt.

Ein Machtwort vom Chef

KonflikteDes Bürofriedens Willen: Was kann man tun? Zu lösen sind solche Konflikte einerseits durch Ansprechen, und zwar durch direktes. Dies könnte etwa so klingen: „Meinem Eindruck nach gibt es immer wieder Konflikte in der Teeküche. Ich möchte einerseits praktikabel Lösungen dafür finden, andererseits klären, ob vielleicht andere ungelöste Konflikte dahinter stecken.“ Das Wort ‚Konflikte´ ist – gerade in Österreich – nicht sehr beliebt, weil es als etwas Böses, Feindschaft Erzeugendes gesehen wird. Umso mehr sollte man es an- und aussprechen, um zu zeigen, dass Konflikte ganz normal sind, wo Menschen zusammenarbeiten, und dass sie lösbar sind“, so Sejkora. Wenn all dies nichts hilft, so wird es den Führungskräften nicht erspart bleiben, ein Machtwort zu sprechen. Dies könnte wie folgt aussehen: „Ich erwarte, dass Sie miteinander respektvoll und wertschätzend umgehen und Probleme jenseits der operativen Tätigkeit als erwachsene Menschen lösen.“

„Welchen Umgangston gebe ich vor?“

Respektvoller UmgangAuch die vermeintlich lächerlichen Streiterein um eine saubere Teeküche sollten ernst genommen werden, so Sejkora: „Mitverantwortlichkeit und Identifikation mit dem Unternehmen hängt davon ab, wie respektiert ich mich als Mensch mit meinen Bedürfnissen und Anliegen fühle. Wenn ich als Führungskraft solche Konflikte in meiner Abteilung, meinem Unternehmen registriere, stellt sich die Frage: „Was hat es mit mir zu tun? Wie übe ich meine Vorbildfunktion aus? Was für ein Klima der Konfliktlösung (oder Nichtlösung) lebe ich vor? Welchen Umgangston gebe ich vor?“ Stimmt die Unternehmenskultur, so stimmt auch meist das Klima in und zwischen den Abteilungen. Dann fragt sich wohl niemand mehr: „Habt ihr noch alle Tassen im Schrank?“

Zur Person: Klaus Sejkora

Klaus Sejkora ist Psychologe, Psychotherapeut und Coach mit eigener Praxis in Linz. Seine Schwerpunkte sind: Burnout-Prophylaxe, Team- und Führungskräfteentwicklung.

Bildnachweis: berna namoglu  / Quelle Shutterstock, Sejkora, ollyy / Quelle Shutterstock, Alexey Boldin / Quelle Shutterstock

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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