Kinderbetreuung durch eine Tagesmutter – Zwei Frauen erzählen

von in Arbeitsleben am Dienstag, 28. Mai 2013 um 10:26

Die Kinderbetreuung stellt viele Familien – vor allem Frauen – vor große Herausforderungen. Lange Auszeiten und ein schwieriger Wiedereinstieg sorgen nicht selten für einen Karriereknick, der sich auch auf das Gehalt auswirkt. Eine Möglichkeit der Kinderbetreuung sind Tagesmütter. Was der Beruf mit sich bringt und wieso Familien sich für diese Betreuungsform entscheiden, erklären zwei Betroffene im Interview.

1. Aus der Sicht einer Tagesmutter:

„Es ist manchmal ein langer Tag“

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Erika Viehaus

Erika Viehaus ist Tagesmutter in Steyr. Die 52-Jährige, selbst zweifache Mutter, ist seit mittlerweile zwölf Jahren dabei. Ihre junge Klientel ist meist jünger als drei Jahre, „die Kinder kommen hauptsächlich vor der Kindergartenzeit zu mir.“ Der Tagesablauf von Erika Viehaus ist, so wie der vieler anderer Tagesmütter auch, kein fixer. „Manche Kinder kommen sehr bald in der Früh, aktuell wird ein Kind schon um fünf Uhr gebacht. Es gibt aber auch welche, die erst am Nachmittag kommen und bis Abends bleiben. Es ist manchmal ein langer Tag.“

Bis zu vier Kinder zur selben Zeit

kinderViehaus hat die Betreuungserlaubnis für acht Kinder, rechtlich ist es so, dass nicht mehr als vier Kinder auf einmal betreut werden dürfen. „Das geht sich bei mir recht gut aus, meistens sind drei Kinder gleichzeitig da.“ Stress kennt die 52-Jährige zwar, dennoch beschreibt sie ihre Arbeit als „irrsinnig schön, denn die Kinder geben viel zurück.“ Den aktuellen Mangel an Tagesmüttern kann Viehaus deshalb nicht verstehen, „ich kann die Arbeit jedem empfehlen, der Kinder liebt.“

Mit 40 zum Traumberuf

Viehaus selbst wollte schon immer etwas mit Kindern machen, nur ergeben hat es sich nicht. Lange Zeit hat sie im Büro, dann im Verkauf gearbeitet. Ein Zeitungsartikel vor zwölf Jahren hat dann den Ausschlag zur beruflichen Veränderung gegeben. „Ich werde sicherlich bis zu meiner Pensionierung Kinder betreuen. Tagesmutter ist mein absoluter Traumberuf.“

Berufstätige Großmütter und -väter

oma_kindWelche Kinder kommen eigentlich zu Tagesmüttern? „Meistens ist der Grund, dass die Großeltern weit weg wohnen oder selbst noch berufstätig sind. Auch wollen viele Mütter und Väter ihre Familien nicht immer in Anspruch nehmen – dafür sind eher die Wochenenden da“, berichtet Viehaus. Bedenkt man die künftige demografische Entwicklung – längere Arbeitszeiten bis zur Pensionierung  – wird schnell klar, dass berufstätige Großmütter und -väter auch in Zukunft keine Seltenheit darstellen werden.

„Der Partner muss damit einverstanden sein“

Die Voraussetzungen für den Beruf sind schnell erklärt. Zum einen freilich die Liebe zu den Kindern. Weiters muss man geduldig und aufgeschlossen sein. Auch genügend Platz zum Toben aber auch zum Schlafen – die Kinder haben zum Teil unterschiedliche Schlafenszeiten – ist wichtig. Einen wichtigen Aspekt hebt Viehaus besonders hervor: Der Partner muss einverstanden sein. „In meinem Fall etwa, wo die Kinder von früh bis spät da sind, muss man den Rückhalt und das Verständnis des Partners haben. Wer die Fronten vorher nicht klärt, bekommt früher oder später Probleme.“

2. Aus der Sicht einer Mutter:

Kleine Gruppe für kleine Kinder

Bettina Gollner

Bettina Gollner

Was es bedeutet, sein Kind von einer Tagesmutter betreut zu wissen, schildert die Polizeijuristin Bettina Gollner. Ihr Sohn kam im Jänner 2011 zur Welt, seit Oktober 2012 ist er zwei Tage pro Woche bei einer Tagesmutter. „Veronika hat ein unglaubliches Herz für Kinder und es ist einfach faszinierend zu sehen, wie sie mit den Kleinen umgeht“, schwärmt sie. Der Juristin war damals rasch klar, dass sie bald wieder arbeiten gehen wird. Die Entscheidung für die Art der Fremdbetreuung hat sich das Ehepaar Gollner nicht leicht gemacht. „Wir haben uns viel erkundigt und auch Kinderkrippen angesehen. Für ein so kleines Kind schien uns aber die Betreuung bei einer Tagesmutter viel besser geeignet als in einer großen Gruppe.“

„Kann mir viel von ihr abschauen“

Auch für Gollner ist es das Um und Auf, dass sich Tagesmutter und Eltern verstehen. „Veronika betreut die Kinder derart professionell, liebevoll und konsequent, dass ich mir als Mutter viel von ihr abschauen kann. Bei ihr läuft einfach alles am Schnürchen und sie bleibt immer ruhig und freundlich und kommt auch uns Eltern extrem entegegen.“ Einen weiteren Vorteil dieser Betreuungsform sieht die Mutter darin, dass ihr Sohn in Kontakt mit anderen Kindern ist und so sehr bald den Umgang mit Gleichaltrigen lernt.

„Bin eigentlich eine Glucke“

„Ich bin eigentlich eine Glucke und könnte meinen Sohn nicht hergeben, wenn es nicht so gut funktionieren würde.“ Die Gollners teilen sich die Kinderbetreuung Halbe/Halbe „vielleicht macht mein Mann sogar derzeit etwas mehr.“ Ihren Sohn wollen sie noch mindestens ein Jahr bei der geliebten Tagesmutter lassen.

Infos zum Beruf

Aktuell gibt es allein in Oberösterreich 300 Tagesmütter, sie betreuen rund 1200 Kinder. Tagesväter gibt es generell wenige, in OÖ etwa ist derzeit keiner angestellt. Das Gehalt richtet sich nach den Stunden und der Anzahl der betreuten Kinder, so viel sei jedoch gesagt: Die Liebe zu den Kindern ist sicherlich Hauptmotiv der Betreuerinnen.

Weitere Infos zu Kosten, der nächsten Ausbildung und vieles mehr gibt es etwa beim Verein Tagesmütter Oberösterreich.

Weiterführende Links:

fib – Frauen im Brennpunkt

Kinderdrehscheibe Wien

TEZ Salzburg

Tagesmütter Steiermark

Plattform Kinderbetreuung Tirol

Caritas Kinderbetreuung Niederösterreich

AVS Tagesmütter Kärnten

Projekt Tagesmütter Burgenland

 

 

Bildnachweis: Goran Bogicevic / Quelle Shutterstock, privat, Alena Ozerova / Quelle Shutterstock, Ingrid Balabanova / Quelle Shutterstock

 

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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