Studie: Chefs mit Erfahrung sollte man nicht belügen

von in Arbeitsleben am Montag, 27. August 2012 um 10:26

Wie man es auch dreht und wendet – ein gesunder Mensch lügt. Sei es, um die eigenen Interessen zu wahren oder um die Gefühle anderer nicht zu verletzten. Nicht nur wann und warum wir lügen, sondern auch wie wir lügen variiert dabei stark. In Bewerbungsgesprächen etwa wird gerne genau das erzählt, was man meint, dass das Gegenüber von einem hören möchte. Aber Vorsicht: Chefs können, so Mannheimer Forscher, das Entlarven von Lügen künftig trainieren.

Die Motive sind vielfältig, oft überraschen sich die Lügner selbst

Bewerbungsgespräche sind – zumindest für die Bewerber – mit Sicherheit keine alltägliche Situation. Nervosität, Anspannung oder schlichtweg die Angst, einen Job nicht zu bekommen, führen manchmal eine seltsame Regie: Beim Versuch, sich selbst in einem bestmöglichen Licht zu präsentieren, verschwimmt die Grenze zwischen Realität, Wunschdenken und Lüge oft schnell. So passiert es, dass man sich plötzlich Dinge über sich sagen hört, über die man sich im Nachhinein selbst wundert. Etwa, dass man ein Super-Golfspieler ist oder in seinem vorigen Job quasi die ganze Abteilung alleine geleitet hat. Der Lebenslauf, Referenzen sowie Kontakte innerhalb der Branchen können große Lügen und Übertreibungen oft rasch aufdecken helfen – den Job kann man in diesem Fall ebenso vergessen wie den eigenen Ruf. Aber auch kleine Lügen oder Übertreibungen können, so ein Forscherteam der Universität Mannheim, unter gewissen Umständen rasch entlarvt werden.

Vertrautheit schafft Sicherheit – auch beim Aufdecken von Flunkereien

Und zwar gibt es, so das Team um den Sozialpsychologen Marc-André Reinhard, einen nachweisbaren Zusammenhang zwischen der Vertrautheit mit einer bestimmten Situation und dem Entlarven von Lügen, wie die Plattform Forschung erleben berichtet. In einer Studie wurden den Studienteilnehmenden Videos von verschiedenen Bewerbungsgesprächen gezeigt. In diesen wurden die vermeintlichen Bewerber zu einer früheren Tätigkeit befragt – die Hälfte der „Bewerber“ sagte dabei die Wahrheit, die andere Hälfte wurde zum Lügen angehalten. Die Vertrautheit der Studienteilnehmer mit den erzählten Geschichten wurde ebenfalls variiert: Ein Teil der Gruppe bekam vorab kurze Beschreibungen zu den meist genannten Tätigkeiten – wie etwa als Bedienung oder studentische Hilfskraft – zu lesen. Der andere Teil schaute sich die Bewerbungsvideos an, ohne mehr über die genannten Jobs zu wissen.

Wer mehr weiß, schaltet die Logik ein

Und siehe da: Personen, die zuvor Infos über die Tätigkeiten erhalten hatten, konnten Lüge und Wahrheit deutlich besser voneinander unterscheiden als Personen, die im Vorfeld keine Informationen erhalten hatten. Weitere Analysen der Forscher ergaben, dass dies damit erklärbar ist, dass Personen, die mit dem Inhalt einer Äußerung vertraut waren, ihr Urteil auch stärker auf inhaltliche Hinweise, wie zum Beispiel die Logik des Gesagten, stützten. „Klassiker“, die bisher in der Lügendetektion angewandt wurden, wie etwa das Achten auf den Blickkontakt, verlieren damit an Bedeutung.

Informieren statt belogen werden

Chefs und Personaler, aber auch alle anderen, die künftig noch stärker auf den Wahrheitsgehalt mancher Aussagen achten wollen, sollten sich demnach vorab gut informieren, denn die dadurch gewonnene höhere Vertrautheit mit einer später geschilderten Situation kann dabei helfen, auf die richtigen Signale zu achten und Lügen so besser zu erkennen. Ob schlau gelogen oder schlecht geflunkert – die Moral von der Geschichte lautet: Ehrlich währt am längsten.

Fotonachweis: Colourbox

 

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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