Studie: Krise ließ Arbeitszufriedenheit von Führungskräften sogar noch steigen

von in HR, Jobsuche am Freitag, 23. Juli 2010 um 08:26

Wie wohl fühlen Sie sich an Ihrem Arbeitsplatz? Seien Sie sicher: Die Arbeitszufriedenheit Ihres Chefs liegt mit großer Wahrscheinlichkeit über der Ihren. Das belegt der aktuelle Führungskräfte Monitor der Arbeiterkammer (AK). So liege der Arbeitsklima Index bei leitenden Angestellten um vier Indexpunkte höher, als jener von „Normalos“. Und nicht nur das: In den meisten Branchen wurde die Stimmung in den Führungsetagen seit Ausbruch der Wirtschaftskrise sogar noch besser.

Bei 111 Indexpunkten liegt derzeit der Arbeitsklima Index bei Führungskräften, um vier Punkte höher als bei den übrigen Beschäftigten (107). Noch im Mai dieses Jahres wies deren Indexwert ganze 110 Punkte aus.

Dass die Zufriedenheit der Führungskräfte in der Krise sogar noch anstieg, habe mehrere Gründe, so die Arbeiterkammer in einer Aussendung: Einerseits würden diese ihre Beziehung zu Kollegen heute als besser einstufen als noch 2008. Außerdem gaben ganze 74 Prozent der Befragten an, mit ihrem derzeitigen Einkommen zufrieden zu sein. Vor zwei Jahren lag dieser Wert erst bei 70 Prozent. Auch sehen heute fast drei Viertel (73 Prozent) der leitenden Angestellten für sich nun bessere Aufstiegschancen als noch 2008 (63 Prozent).

Soweit die Zahlen. Was auf den ersten Eindruck durchaus zynisch wirkt – Vorgesetzte, die sich trotz Krise plötzlich wohler fühlen, während „Normalos“ um den Job zittern – kann man aber auch anders interpretieren. Zum Beispiel: Führungskräfte entwickeln gerade in schwierigen Zeiten stärkeres Verantwortungsgefühl für ihre Mitarbeiter, müssen auf neue Gegebenheiten reagieren, entdecken ihre verloren geglaubte Kreativität wieder. Sie bemerken, dass nicht alles so laufen muss, „wie es immer war“. Ihre Denkansätze und Lösungskompetenz werden von den Unternehmensleitungen neu entdeckt und in höherem Maß zu schätzen gelernt. Kurzum: Sie können das tun, wofür sie Führungskräfte geworden sind: Nämlich gestalten. Das steigert das Selbstvertrauen. Und das wiederum gibt Sicherheit.

Das muss aber nicht so sein, wie folgende Auswertung zeigt: Denn nicht ganz so rosig sieht laut Arbeiterkammer die Zufriedenheit bei den Führungskräften in Industrie und Gewerbe aus: Deren Arbeitsklima Index sank nämlich innerhalb der vergangenen beiden Jahre von 114 auf 107 Indexpunkte. Dies rühre laut AK daher, dass sich leitende Angestellte in diesen Wirtschaftsbereichen zunehmend von Änderungen in technischen oder organisatorischen Abläufen belastet sehen. Auch sehen nur noch zwei Drittel (66 Prozent) gute Aufstiegschancen in ihren Berufsfeldern. Vor der Krise waren  noch satte 74 Prozent mit ihren Karriereperspektiven zufrieden. Deutlich pessimistischer als im Vorjahr geben sich Führungskräfte in Industrie und Gewerbe bei der Einschätzung, ob sie im Falle eines Berufswechsels einen gleichwertigen Job finden würden: Mehr als die Hälfte (54 Prozent) glaubt heute daran, in einem schlechteren Job weiterarbeiten zu müssen. 2008 hätten dies erst 41 Prozent angenommen, so die AK.

Wie lässt sich aber das interpretieren? Wieder ein möglicher Ansatz: Grundsätzlich gilt für Führungskräfte in Industrie und Gewerbe dasselbe wie für jene in den übrigen Wirtschaftsbereichen. Mit dem entscheidenden Unterschied jedoch, dass die krisenbedingt getroffenen Maßnahmen, wie Kurzarbeit, Überstundenabbau und freiwilliger Lohnverzicht in Industrie und Gewerbe vermehrt auch die Führungsebenen erreicht haben. Ihnen erging es somit noch eher wie dem einfachen Arbeiter oder Angestellten. Kurzarbeit und Co. geben ja bekanntlich nicht gerade das Gefühl, für das Unternehmen unentbehrlich zu sein. Und der sicher geglaubte Arbeitsplatz beginnt im Kopf plötzlich  gehörig zu wackeln…

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren