Gefühl und Arbeitswelt Teil 3: Kann man seine Stressresistenz erhöhen?

von in Arbeitsleben am Mittwoch, 5. September 2012 um 10:08

Gefühl und Arbeitswelt – zwei Begriffe, die man mit Sicherheit nicht unmittelbar verbinden würde. Es ist aber so, dass Gefühle auch in der Arbeit eine Rolle spielen – denn man kann sie nicht morgens beim Portier abgeben und abends wieder mit nach Hause nehmen. Emotionen sind menschlich und der Umgang damit fällt manchen Menschen eben leichter als anderen. Der richtige Umgang mit Gefühlen – auch in der Arbeitswelt – kann jedoch trainiert werden. Wie, das erklärt Helga Kernstock-Redl, Wirtschaftspsychologin, systemischer Coach und Autorin im dritten Teil der Serie „Gefühl und Arbeitswelt“.

Im vorerst letzten Teil der karriere.at-Gefühlsserie geht es um die Themen „Stressresistenz erhöhen“ und „Gefühlswelt trainieren“.

Wie schützende Kraftfelder und elegante Waffen helfen können

Wie kann man seine Stressresistenz erhöhen?

Helga Kernstock-Redl

Kernstock-Redl: Interessanterweise kommen hier sehr viele und gut erforschte Strategien aus der Traumapsychologie zur Anwendung. Deren Ziel ist es, die innere Anspannung unter allen Umständen im erträglichen Bereich zu halten. Damit kann es etwa bei entsprechendem Training gelingen, sich zu jeder Zeit in einen guten Zustand zu holen, komme was wolle. Um sich gegen akute Angriffe zu wehren, gibt es einige „Schilder“ und „Defensiv-Waffen“. Dazu gehört auch die Möglichkeit, sich schützende „Kraftfelder“ vorzustellen. Sätze wie „Was hat das jetzt wohl mit ihm/ihr zu tun? Wieso hat er/sie das notwendig?“ können vor unergiebigen Selbstzweifeln bewahren, falls man übermäßig dazu neigt. Der Wert liegt im Detail und in der optimalen Passung zur aktuellen Situation. Ein Beispiel: Bei ungefragten und als etwas abwertend empfundenen „guten Ratschlägen“ ist das unverbindlich-freundliche Statement „Danke für den Tipp“ oft eine elegante „Waffe“. Und nochmal zurück zur Traumapsychologie: Natürlich ist es wichtig, sich so weit wie möglich frei von Altlasten zu machen: Wenn Sie die weinerliche Stimme oder die wütende Körperhaltung des Gesprächspartners massiv an ungute Erlebnisse aus der Vergangenheit erinnert, dann erhöht das den Stresspegel enorm. Solche alten Koppelungen zu verändern kann ebenfalls deshalb die Stressresistenz deutlich erhöhen.

„Manche haben es etwas leichter als andere“

Kann man seine Gefühlswelt trainieren?

Kernstock-Redl: Grundsätzlich gibt es vermutlich von Geburt an Menschen mit einem intensiveren Gefühlsleben als andere, es gibt die sehr leidenschaftlichen und die eher kühlen. Doch jeder von uns kann und muss den Umgang mit der Gefühlswelt trainieren, manche haben es nur etwas leichter als andere. Wir kommen nur mit einigen wenigen Gefühlsmanagement-Strategien auf die Welt. Aus eigener Erfahrung weiß ich: Hier lernt man auch nie aus, ich bin immer mal wieder von mir selber überrascht. Wenn also jemand chronisch übermäßig aufbrausend ist oder oft vor lauter Begeisterung Fehlentscheidungen trifft, kann es sein, dass er einfach keine Werkzeuge hat, mit der aufsteigenden Emotion umzugehen. Doch wie gesagt, das kann jedermann lernen, ganz so wie andere Fertigkeiten auch.

In der Serie Gefühl und Arbeitswelt bisher erschienen:

Wieviel Emotion darf sein

Ärger, Frust und Choleriker

Zur Person: Helga Kernstock-Redl

Helga Kernstock-Redl arbeitet und lebt als Wirtschaftspsychologin, systemischer Coach und Autorin in Wien. Sie hat bereits mehrere Sachbücher verfasst, darunter auch „Gefühlsmanagement“.

Bildnachweis: Colourbox, Kernstock-Redl

 

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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