Stress ist zwar ungesund, erhöht aber nicht das Krebsrisiko

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 21. Februar 2013 um 11:08

Für die Erkenntnis, dass Stress ungesund ist, braucht es keine Studie. Zeitdruck, dauerhafte Überforderung und Schlafmangel hinterlassen ihre Spuren. Was bisher jedoch nicht bekannt war, ist, ob eine dauerhafte Belastung sich auch auf das Krebsrisiko auswirkt. Dieser Frage ging nun ein europäisches Forscherteam nach und zwar mit der größten Studie dieser Art. Das Ergebnis: Stress schlägt sich zwar auf Herz, Nieren und andere Organe – das Krebsrisiko scheint er jedoch nicht zu erhöhen.

Was uns krank macht

„Für rund 90 Prozent aller Krebsleiden spielen auch Umweltfaktoren und Lebensstil eine große Rolle“, so die Forscher um Katriina Heikkilä laut der Online-Plattform wissenschaft.de Demnach gibt es zum Beispiel eindeutige Belege, dass Rauchen oder UV-Strahlung dazu beitragen, bestimmte Zellen entarten zu lassen. Daraus kann etwa Lungen- oder Hautkrebs entstehen. Dass auch psychische Belastungen eine wichtige Rolle für diese Krankheit spielen, ist die Meinung vieler Patienten und auch Ärzte. Doch was sagt die Wissenschaft dazu? Fördert Stress die Entstehung von Tumoren?

Viel Belastung + wenig Mitsprache = maximaler Stress

Um Antworten auf diese Fragen zu finden und zu prüfen, ob Druck und Dauerbelastung Krebshelfer sind, haben Wissenschaftler die bisher größte Metastudie zu diesem Thema gemacht. Als Stressform, die viele Menschen betrifft und die sich noch dazu gut messen lässt, wurde der Arbeitsstress herangezogen. Wie sehr der Job stresst, hängt dabei von zwei Faktoren ab: Erstens wie hoch Arbeitsbelastung und Zeitdruck sind und zweitens wie viel Mitsprache ein Mitarbeiter darüber hat, was er wann tut. Je weniger Kontrolle man über die eigene Zeit und Leistung hat, desto mehr Stress empfindet man.

Stress oder nicht Stress: Das ist nicht die Frage

Für ihre Untersuchung werteten die Forscher insgesamt zwölf Studien aus, bei denen die Gesundheit von 116.056 Menschen aus sechs europäischen Ländern über zehn Jahre hinweg beobachtet worden ist. Jeder der Teilnehmer hatte seine berufliche Belastung in einer standardisierten Befragung eingestuft und zudem Angaben darüber gemacht, wie lange der Stress bereits anhielt. Auf Basis dieser Daten untersuchten die Forscher nun, ob Studienteilnehmer an Krebs erkrankten und schauten sich zudem an, wie viel Stress die Betroffenen erlitten haben. Das Ergebnis: Es wurde kein Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen Arbeitsstress und dem Krebsrisiko gefunden. Unter den insgesamt 5765 an Krebs erkrankten Personen waren ebenso viele gestresste wie ungestresste Teilnehmer.

Keine Entwarnung

„Den Arbeitsstress zu reduzieren, würde zwar unzweifelhaft das Wohlergehen und die Gesundheit eines Menschen verbessern, sein Krebsrisiko kann er damit aber wahrscheinlich nicht signifikant senken“, so Heikkilä. Eine Entwarnung für Stress generell ist diese Studie jedoch nicht: Denn wie die Forscher betonen, können andere Arten von Stress das Risiko für Tumorerkrankungen durchaus erhöhen. Es gibt etwa Hinweise darauf, dass Hirntumor-Patienten zuvor häufiger Stress durch einen schweren Schicksalsschlag erlebt haben.

Bildnachweis: magdanphoto / Quelle Shutterstock

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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