Stress, Angst, Depression – Städter ticken anders als Landbewohner

von in Arbeitsleben am Freitag, 1. Juli 2011 um 13:09

Man lebt ja nicht umsonst in der Großstadt: Wen es in Ballungsräume wie Wien, Linz, Graz oder Salzburg zieht, der liebt die Lebensqualität pulsierender Metropolen, die Jobaussichten in Wirtschaftszentren und wohl auch die Tatsache, dass eine Großstadt niemals schläft. Mit weitreichenderen Folgen, als man bisher dachte: Psychiater fanden nun nämlich heraus, dass sich das Urban Life unmittelbar auf die Stressverarbeitung im Gehirn auswirkt. Gerade wenn es um Angst und die Entstehung von Depressionen geht, „ticken“ Stadtbewohner laut der Untersuchung tatsächlich anders.

Kein neues Phänomen, nur neue Zahlen: Immer mehr Menschen zieht es in die Stadt – nicht zuletzt wegen des größeren Angebots an Jobs. Wie gestern beschrieben, wird allein der Raum Wien wird bis zum Jahr 2030 um ein Viertel mehr Erwerbstätige zählen als bisher.

City of Stress

Das Leben in der Stadt prägt uns stärker als bisher vermutet, bringt nun eine Untersuchung eines Teams rund um die deutschen Psychiater Florian Lederbogen und Andreas Meyer-Lindenberg ans Licht, über die die Plattform wissenschaft.de berichtet: Die Gehirne von Stadtbewohnern gehen anders mit Stress, Emotion und Angst um wie jene von Landbewohnern. Herausgefunden haben das die Forscher mit einem Stresstest, bei dem die Probanden (32 Studenten) Mathematik-Aufgaben lösten mussten, bei denen sie durch Zeitdruck und negative Rückmeldungen beeinflusst wurden – alles, um den Stress zu erhöhen. Nebenbei wurde die Gehirnaktivität der Teilnehmer untersucht.

Das Ergebnis ist mehr als interessant: Jene Teilnehmer, die zum Versuchszeitpunkt in einer Stadt lebten, hatten eine weitaus stärkere Aktivität ihrer Amygdala – also jener Hirnregion, welche auf die Verarbeitung von Emotionen Einfluss hat. Und: Teilnehmer, die ihre Kindheit in der City verbracht haben, wiesen Unterschiede in ihrem limbischen System, das uns mit Stress zurechtkommen lässt, auf.

Interessant wird die Untersuchung, wenn man die Ergebnisse in Korrelation mit der Demografie setzt. Schon heute leben weltweit mehr Menschen in Städten als am Land – Tendenz stark steigend.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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