I’m sorry! Warum man nach Streit im Büro nicht immer auf die Entschuldigung warten sollte

von in Arbeitsleben am Dienstag, 22. März 2011 um 12:10

Entschuldigung! Es tut mir leid! I’m sorry! Natürlich – es tut einfach gut, wenn ein Kollege nach einem Streit im Büro angekrochen kommt und sagt, dass er im Unrecht war. Dass er die Bahnen des sportlich-professionellen Umgangs verlassen hat. Und – das Wichtigste: Dass er Unrecht hatte. Es ist einfach ein Gebot der Höflichkeit, sich für sein schlechtes Benehmen gebührend zu entschuldigen. Gerade am Arbeitsplatz, da man ja mit den Kollegen ohnehin im selben Boot sitzt und Kollegenbeziehungen ja länger andauern. Dass der Akt der Entschuldigung selbst für die Versöhnung aber weitaus weniger wichtig ist als angenommen, belegt nun eine Studie.

Entschuldigungen sind unerlässlich, wenn es darum geht, ein Unternehmen am Laufen zu halten. Weil es nur dann funktioniert, wenn ein Mindestmaß an Teamgeist vorhanden ist. Und dieser will gepflegt sein.

Dass eine Arbeitsumgebung gerade in Stressphasen aber keine Sonntagsschule sein muss, steht ebenfalls außer Frage. Grundvoraussetzung dafür, dass ein zeitweilig etwas rauerer Ton keine schweren Blessuren hinterlässt: Es muss ansonsten ein gewisses Level an Höflichkeit und ein angenehmer Umgang untereinander herrschen. Ist dies der Fall, fallen nämlich knappere Formulierungen und flapsigere  Arbeitsanweisungen weniger ins Gewicht, als wenn ein ohnehin vergiftetes Klima vorherrscht.

„Der wird das nicht so gemeint haben, immerhin war an dem Tag ja die Hölle los“, lautet dann ein „Stehgeiger“, mit dem man sich quasi selbst die Entschuldigung des Gegenübers für dessen Entgleisung formuliert und auf persönlichen Groll verzichtet. Eine Taktik, die auch durchaus effektiv ist, besagt nun oben erwähnte Studie. Demnach seien vorgestellte Entschuldigungen nach Konflikten im Büro nämlich weitaus wirkungsvoller, um seine eigene Kränkung zu vergessen, als tatsächlich erfolgte.

Imaginäre Entschuldigungen wirken besser

Die Forscher entwickelten für die Untersuchung ein Vertrauensspiel: Jeder Proband erhielt einen Spielpartner, nicht wissend, dass dieser eigentlich ein Verbündeter der Wissenschaftler war. Im Zuge dieses Spieles konnten sie ihrem vermeintlichen Spielpartner 10 Euro geben, damit dieser es verwaltet. Das Geld wurde vom Untersuchungsleiter daraufhin verdreifacht und der „Partner“ konnte entscheiden, wie viel er dem eigentlichen Besitzer wieder zurückgab. Sprich: Man versuchte, ein Klima herzustellen, in dem sich der Proband ungerecht behandelt fühlte.

Daraufhin erhielt eine Hälfte der Teilnehmer eine Nachricht seines angenommenen Komplizen, in der sich dieser für sein Fehlverhalten entschuldigte. Die andere Hälfte wurde angewiesen, sich dessen Entschuldigung selbst vorzustellen.

Das Ergebnis wurde bereits vorweggenommen: Die zweite Gruppe war es, die im Endeffekt weniger gekränkt aus der Situation herausging. Sogar viel mehr: Eine zweite Runde ergab, dass die „Im-Kopf-Entschuldiger“ sogar eher bereit waren, ihren Partnern wieder Vertrauen entgegenzubringen, obwohl sie von diesen bereits einmal um Geld betrogen worden waren.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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