Stichwort Arbeitsmotivation – Der Kreislauf um Geld, Macht und Teilnahme

von in Arbeitsleben, HR am Dienstag, 18. Oktober 2011 um 14:06

Was motiviert mich jeden Tag ins Büro zu gehen und meinen Job zu machen? Die erste Kaffeepause, die nette Kollegin am Nachbartisch oder das neue Projekt? Was hat meinen Chef motiviert, mich einzustellen? Eine Eingebung des Schicksals, mein Lebenslauf oder meine Gabe, gute Laune zu verbreiten? Was motiviert meine Kolleginnen gut mit mir zusammenzuarbeiten? karriere.at-Gastautorin Rita Obergeschwandner auf den Spuren der Motivation.

Ein Gastartikel von Rita Obergeschwandner

Hinter all diesen eingangs erwähnten Fragen verbergen sich zunächst einmal zwei Motivationen der Autorin: 1. einen Text zu schreiben um Rechnungen zu bezahlen und 2. das Thema Arbeitsmotivation etwas genauer zu beleuchten. Eine Spurensuche die bei Frank Stronach beginnt, Reinhard K. Sprenger streift und mit einer Begleiterin der Seele endet: Einem Gedankenaustausch mit Psychologin Petra Schwarz von Soulguard.

Short and simple: Was bedeutet der Begriff Mitarbeitermotivation?

Bereits Einstein war dafür, die Dinge so einfach wie möglich zu machen – ich versuche es ihm gleichzutun und beginne mit ein paar Erklärungen. Im Wort Motivation steckt der Begriff Motiv, ein oder mehrere Beweggründe etwas zu tun, etwa zu arbeiten oder auf der faulen Haut zu liegen. Bei Motivation unterscheidet man weiters zwischen einer extrinsischen (ich werde von außen gelockt) und intrinsischen (ich bin von selbst motiviert, habe einen Grund warum ich da bin und brauche nicht sofort eine Motivation von außen) Motivation. Meine Arbeitsmotivation kann etwa Geld, Macht oder Teilnahme (Wo ist meine Position im sozialen Gefüge?) sein oder eine Mischung. Sie wird beeinflusst  (siehe Grafik 1, 2) und kann sich durch verschiedenste Umstände ändern.

MitarbeiterInnenmotivation: gekommen um zu bleiben

Wie gelingt es der „Führung“ Mitarbeiter zu motivieren, zu halten und nicht zu frustrieren? Welche Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden?

Der folgende Text bietet keine 10-Punkte-Liste zum Abhaken, keine allgemeingültigen Weisheiten von hochdotierten Erfolgscoaches sondern ein paar Gedanken zum Thema. Denn Faktum ist: Jede Mitarbeiterin, jeder Mitarbeiter ist individuell und muss auch als solcher behandelt werden. Die Kunst der Führung ist, jedem idealen Mitarbeiter die Aufgabe und den Raum zu geben.

Einmal kam eine Frau zu mir, eine Wiedereinsteigerin mit sechs Kindern – ich habe sie gefragt wie ihr idealer Arbeitsplatz aussehen soll. Sie wollte einen Platz an dem sie alleine, fokussiert arbeiten kann – ohne freundlich sein zu müssen. Sie ist Goldschmiedin geworden … Es geht darum, zu schauen: Wem passt der Schuh – die Ferse abzuschneiden damit er passt, ist keine Lösung.
Petra Schwarz

Rolle und Aufgabe jedes Mitarbeiters müssen klar definiert sein, der Prozess kann variieren. Wichtig ist auch das Gemeinschaftserlebnis, das gemeinsames Ziel. Reinhard K. Sprenger vergleicht ein Unternehmen mit einer Fußballmannschaft: die Mitarbeiter haben verschiedene Aufgaben aber einen gemeinsamen Willen.

Laut Frank Stronach ist etwa der Mensch die Säule der Wirtschaft. Den sogenannten Humanfaktor außer Acht zu lassen, führt zum Kollaps. Es ist daher wichtig, Mitarbeiter zu beteiligen.

Ich hatte einmal zwei Workshoptage in einer Firma, einen Tag mit den Mitarbeiterinnen, einen mit den Führungskräften … es ging darum, dass sie formulieren sollten was sie wollen … im Endeffekt wollten alle das gleiche – MitarbeiterInnen und Führung, aber beide Gruppen dachten, die anderen wollten was anderes … es ist daher oft von Vorteil, querhierarchisch zu arbeiten, alle an einen Tisch zu holen
Petra Schwarz

Wo Menschen sind, menschelts: Wohlfühlfaktor Kaffeepause

Auch wenn es vielleicht Arbeitgeber nicht gerne hören: Kaffeepausen verbessern den Austausch zwischen den Mitarbeiter und somit auch das Betriebsklima. Denn wie heißt es so schön: Beim Reden kommen die Leute zusammen, ob vor dem Kaffeeautomaten, in der Betriebsküche oder auf der Raucherstiege. Arbeit und ihre Wirkungen entfalten sich bei Gesprächen in der Pause und nach der Arbeit. Petra Schwarz vergleicht das mit einem Muskel der durch den Sport Anreiz erhält und nachher erst so richtig zum arbeiten beginnt.

Neben dem wichtigen (Zeit-)Raum für den Kaffeeplausch ist auch der Arbeitsraum (Stichworte Atmosphäre und Ergonomie) und ein Raum für MitarbeiterInnengespräche oder Coachings wichtig.

In einer Firma wurden Coachings für MitarbeiterInnen bereit gestellt, doch dieser Coach hatte kein Büro, keinen Raum, musste immer einen freien Raum suchen.Der Chef hingegen hatte ein Büro so groß wie 3 Räume…
Petra Schwarz

Gesunde Work-Life-Balance

Für ein Unternehmen oder eine Organisation ist es wichtig, gute MitarbeiterInnen zu halten und dass diese die Motivation haben gesund zu bleiben. Dazu gehört nicht etwa, krank zur Arbeit zu gehen und Stop zu schreien, bevor man verbrennt. Einen Artikel dazu gibt es hier.

Schauplatz Leistungs(be)schau: Was tragen Prämien und Geschenke zur MitarbeiterInnenmotivation bei?

Laut Reinhard K. Sprenger sind Urkunden und andere Auszeichnungen vergebene Liebesmüh: Urkunden und Auszeichnungen haben häufig sogar eine demotivierende Wirkung – auf jene, die sie nicht bekommen. Goodies wie Laptop, Dienstwagen und Blackberry können ebenfalls die Motivation negativ beeinflussen. Mit jedem „Geschenk“ drängt die Belohnung das eigentliche Handeln in den Hintergrund. Je mehr ich mit externen Belohnungen auf ein Handeln reagiere, das eigentlich um seiner selbst Willen gemacht wurde, desto mehr verdränge ich den Eigenantrieb, so Sprenger. Auf Geschenke zu verzichten bedeutet demnach keine Verminderung der Arbeitsmotivation und schont die Geldbörse der Chefetage – Grund genug in einen gut organisierten Betriebsausflug mit gemütlichem Zusammensitzen in einer Buschenschank, oder in eine gute Kaffeemaschine zu investieren.

Boni & Co

Die Medien schreiben es fast täglich: Manager erhält Bonuszahlung in Millionenhöhe. Diese nicht immer nachvollziehbaren leistungsbezogenen Bonuszahlungen sind laut Sprenger auch nicht immer zielführend: Die einzelnen Mitarbeiter wetteifern um den Bonus, sie arbeiten nicht mehr zusammen. Im schlimmsten Fall versuchen sie, die Bemessungsgrenze nach unten zu manipulieren, damit sie schneller in den Bonusbereich kommen. Das ist eine ganz gefährliche Sache. Nicht vergessen sollte die Chefetage die eingangs erwähnte Berichterstattung, denn via Medien geoutete Spitzenboni kommen bei der Belegschaft am Fließband sicher nicht gut an.

Fazit

Den idealen MitarbeiterInnen-Motivationsplan gibt es nicht – genausowenig wie eine einfache Lösung der Finanzkrise so manches EU-Staates. Die Chefetage kann aber etwa durch Mitarbeitergespräche und Workshops die MitarbeiterInnen individuell und als Team stärken.

Hintergrundinformationen, Quellen und mehr

Die Expertin
Mag.a Petra Schwarz ist Sozialwissenschafterin, Expertin für Identität und Sicherheit, Psychologin, Coach und Supervisorin.
www.soulguard.org

Selbsttest für Chefitäten: Bin ich eine gute Chefin, ein guter Chef?

Lektüre für strebsame ChefInnen und motivierte MitarbeiterInnen

Mythos Motivation, Reinhard K. Sprenger

Gut aufgestellt, Fußballstrategien für Manager, Reinhard K. Sprenger

Sprenger in Interview

Markenarchitektur: Strategien zwischen Einzel- und Dachmarke sowie lokaler und globaler Marke, Andreas Strebinger

Weitere Web-Tipps zum Thema:

http://www.focus.de/finanzen/karriere/management/tid-15624/mitarbeitermotivation-geld-wird-ueberschaetzt_aid_438595.html

http://www.intrinsische-mitarbeitermotivation.de/

http://www.vorgesetzter.de/mitarbeitermotivation/

http://www.365motivation.de/

Redaktion

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