Arbeitnehmerveranlagung 2015: Holt euch euer Geld zurück!

von in Arbeitsleben am Mittwoch, 27. Januar 2016 um 11:41

Die Arbeitnehmerveranlagung zu erledigen macht nicht wirklich Spaß – kann aber einiges an Geld bringen. Warum es sich lohnt, den sogenannten Steuerausgleich im Frühjahr zu erledigen und welche Kosten man absetzen kann:

Mit der Arbeitnehmerveranlagung wird beantragt, dass die Steuer der Einkommen für das betreffende Jahr neu berechnet wird. Ergibt die Neuberechnung ein Guthaben, darf man sich über eine Rückzahlung freuen. Die Arbeiterkammer empfiehlt, den Steuerausgleich jedes Jahr zu machen und sich Geld zurückzuholen. Auf ooe.arbeiterkammer.at gibt es alle Detail-Infos zum Steuerausgleich 2015.

Wann lohnt sich die ganze Prozedur?

Eine Steuergutschrift kann sich ergeben, wenn:

  • ihr keine Lohnsteuer bezahlt und dadurch Anspruch auf Negativsteuer habt
  • ihr monatlich unterschiedlich hohe Bezüge erhalten habt
  • während des Jahres den Job gewechselt habt oder nicht das ganze Jahr über beschäftigt wart
  • der Alleinverdiener- oder Alleinerzieherabsetzbetrag oder die Pendlerpauschale von der Lohnverrechnung noch nicht berücksichtigt wurde
  • ihr Kinder habt
  • ihr Freibeträge wie Werbungskosten geltend machen möchtet

In manchen Fällen ist man auch verpflichtet, die Veranlagung durchzuführen. Z.B. wenn man zwei oder mehrere lohnsteuerpflichtige Bezüge im betreffenden Jahr erhalten hat. Die Pflichtveranlagung muss dann bis spätestens 30. September erledigt werden. Wer zu seinem Einkommen zusätzlich mehr als 730 Euro im Kalenderjahr an Einkünften bezogen hat, muss außerdem die Einkommenssteuererklärung abgeben.

Wann durchführen?

Im Frühling herrscht Hochsaison für den Steuerausgleich. Bis Ende Februar müssen Arbeitgeber die Jahreslohnzettel beim Finanzamt eingereicht haben. Man kann die Arbeitnehmerveranlagung fünf Jahre lang rückwirkend durchführen. Belege müsst ihr nicht beilegen, seid jedoch verpflichtet, diese sieben Jahre lang aufzubewahren und dem Finanzamt nach Aufforderung vorzulegen.

Wo erledigt ihr das?

Auf zwei Wegen könnt ihr den sogenannten Steuerausgleich erledigen: Direkt beim zuständigen Wohnsitzfinanzamt mit dem Formular L1 (plus Formular L1k pro Kind) oder online unter finanzonline.bmf.gv.at. Bei der Online-Veranlagung Daten wie Anschrift und E-Mail-Adresse unbedingt aktuell halten! Wer nicht ausdrücklich auf die elektronische Zustellung verzichtet, wird per E-Mail über die Hinterlegung digitaler Schriftstücke informiert. Ärgerlich, wenn man etwas nachreichen muss und die Info nicht an die aktuelle E-Mail-Adresse zugeschickt wird.

Häufige Absetz- und Freibeträge (Auswahl)

Alleinverdiener- und Alleinerzieherabsetzbetrag

Der Alleinverdiener- bzw. Alleinerzieherabsetzbetrag beläuft sich bei einem Kind auf 494 Euro, bei zwei Kindern auf 669 Euro, bei drei Kindern auf 889 Euro und für jedes weitere Kind erhöht sich der Betrag um 220 Euro. Der Alleinverdienerabsetzbetrag kann geltend gemacht werden, wann man im Jahr 2015 für mindestens sechs Monate Familienbeihilfe bezogen und mehr als sechs Monate in einer Ehe, Lebensgemeinschaft oder eingetragenen Partnerschaft gelebt hat. Der Partner oder die Partnerin darf im Kalenderjahr nicht mehr als 6.000 Euro verdient haben. Alleinerzieher ist, wer mehr als sechs Monate im Jahr 2015 in keiner Ehe oder eheähnlichen Gemeinschaft gelebt und für das Kind oder die Kinder mehr als sechs Monate Familienbeihilfe bezogen hat.

Mehrkindzuschlag

Der Mehrkindzuschlag beträgt monatlich 20 Euro für das dritte und jedes weitere Kind. Anspruch darauf haben Bezieher von Familienbeihilfe mit mindestens drei Kindern. Das Familieneinkommen darf 55.000 Euro nicht überschreiten. Der Mehrkindzuschlag ist für jedes Kalenderjahr extra beim Finanzamt im Wege der Arbeitnehmerveranlagung zu beantragen.

Sonderausgaben

  • Freiwillige Weiterversicherung in gesetzlichen Pensionsversicherungen
  • Prämien freiwilliger Personenversicherungen, Nachkauf von Versicherungszeiten
  • Kosten für Wohnraumschaffung und -sanierung
  • Kirchenbeiträge bis zu 400 Euro jährlich
  • Steuerberatungskosten
  • Spenden an humanitäre Einrichtungen bis maximal 10 Prozent des Jahreseinkommens

Eine Übersicht über alle Sonderausgaben ist hier zu finden. Achtung: Belege für alle Sonderausgaben sieben Jahre aufbewahren!

Werbungskosten

Diese Ausgaben sind unmittelbar mit der beruflichen, nicht-selbstständigen Tätigkeit verbunden. Hat man das Pendlerpauschale noch nicht bei seinem Arbeitgeber geltend gemacht, kann man es im Zuge des Steuerausgleichs als Werbungskosten beanspruchen. Ein Werbungskostenpauschale von 132 Euro jährlich steht jedem Arbeitnehmer zu, es ist in der Lohnsteuertabelle bereits eingerechnet. Werbungskosten wirken sich daher nur dann auf die Steuer aus, wenn sie höher als 132 Euro jährlich ausfallen. Für einige Berufsgruppen ist ein Werbungskostenpauschale vorgesehen, z.B. für Musiker, Journalisten oder Schauspieler.

  • Aufwand für Arbeitsmittel wie Computer oder Werkzeug
  • Fachliteratur
  • Berufsbekleidung
  • Kosten berufsbedingter Fortbildung oder Umschulung in einen anderen Beruf
  • Gewerkschaftsbeiträge
  • Internet

Eine komplette Aufstellung aller Werbungskosten ist hier zu finden.

Bildnachweis: Aaron Amat / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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