Steuerausgleich 2012: Ihr Geld liegt beim Finanzamt!

von in Arbeitsleben, Arbeitsrecht am Dienstag, 19. März 2013 um 08:53

Mit dem Frühling kommt für viele Österreicher auch die Zeit, die Arbeitnehmerveranlagung anzugehen. Sprich: Den Steuerausgleich für das Jahr 2012 zu machen. Jahr für Jahr bleiben laut Experten Millionen Euro beim Fiskus liegen, die von Arbeitnehmern per Arbeitnehmerveranlagung zurückgeholt werden könnten. Diese ist – trotz ihres sperrigen Namens – keine Hexerei. karriere.at sprach mit AK-Experten, wie man sich den Weg durch den Begriffs-Dschungel aus Sonderausgaben, Absetz- und Freibeträgen bahnt.

steuerausgleich_2012

Ob nun aus Scheu vor Behördenkontakten oder aus purer Vergesslichkeit: Jahr für Jahr verabsäumen es zigtausende Österreicher, sich per Steuerausgleich ihr Geld vom Finanzministerium zurückzuholen. Laut Gertraud Lunzer von der Steuerabteilung der Arbeiterkammer Wien lassen sich im Schnitt pro Steuerpflichtigem zwischen 200 und 320 Euro herausholen! All jene, die ihre Arbeitnehmerveranlagung machen, holen pro Jahr insgesamt einen Gesamtbetrag von einer knappen Milliarde Euro, nämlich rund 950 Millionen Euro, vom Staat zurück.

Doch wo beginnen, wo aufhören? Was kann man alles geltend machen? Und wie bringt man seinen Bescheid überhaupt ein?

Detaillierte Informationen und Kontaktadressen bieten die Steuerabteilungen der Arbeiterkammer mit übersichtlich aufbereiteten Foldern bzw. die Website des Finanzministeriums. Hier wird man Schritt für Schritt zur Arbeitnehmerveranlagung geleitet.

Die wichtigsten Infos zur Arbeitnehmerveranlagung auf einen Blick (Auswahl):

  1. Die Arbeitnehmerveranlagung kann entweder beim Finanzamt des eigenen Wohnsitzes (Formular L1, gegebenennfalls die Beilagen L1k und L1i) eingebracht werden oder online auf der Seite des zuständigen Finanzamts über www.finanzonline.at. Wichtig: Die dazu verwendete E-Mail-Adresse sollte unbedingt gültig sein, um über das Eintreffen des eigenen Bescheids sofort informiert zu werden und allfällige Berufungsfristen einhalten zu können.
  2. Die Arbeitnehmerveranlagung kann man immer machen, wenn man im betreffenden Kalenderjahr steuerpflichtige Einkünfte bezogen hat. Positiv auf die zu zahlende Steuer wirkt sich beispielsweise aus, wenn man Sonderausgaben, Werbungskosten oder außergewöhnliche Belastungen abschreiben kann. Es kann sich auch eine Steuerrückvergütung ergeben, wenn man Alleinverdiener oder Alleinerzieher ist, man Anspruch auf den Mehrkindzuschlag hat, Unterhalt für Kinder bezahlt oder den erhöhten Pensionistenabsetzbetrag geltend machen kann. Es kann auch zu einer Rückvergütung kommen, wenn man während des Jahres unterschiedlich hohe Bezüge hatte, seine Arbeit aufgenommen hat oder in Pension gegangen ist. Auch Arbeitnehmer, die so wenig verdient haben, dass sie keine Lohnsteuer bezahlt haben, können sich Geld zurückholen (z.B. Ferialjob, Lehre etc.).
  3. Man kann die Arbeitnehmerveranlagung fünf Jahre lang rückwirkend durchführen. Sprich: Im Jahr 2013 sollte der “Steuerausgleich” für 2008 spätestens eingereicht werden. Belege muss man nicht direkt beilegen, man ist aber verpflichtet, diese sieben Jahre lang aufzubewahren und dem Finanzamt nach Aufforderung vorzulegen.
  4. Es besteht die Möglichkeit, dass man einen Nachforderungsbescheid erhält. Ist dies der Fall, kann man seine Arbeitnehmerveranlagung allerdings innerhalb eines Monats zurückziehen ohne etwas nachzahlen zu müssen. Dafür bietet die AK Musterbriefe an.
  5. Wichtig: Unter bestimmten Voraussetzungen muss eine Arbeitnehmerveranlagung eingebracht werden, eine so genannte “Pflichtveranlagung“: Informationen dazu bietet das Finanzministerium auf seiner Website.

Wichtige Absetz- und Freibeträge (Auswahl):

Alleinverdiener- und Alleinerzieherabsetzbetrag:

Der Alleinverdiener- bzw. Alleinerzieherabsetzbetrag beläuft sich bei einem Kind auf 494 Euro, bei zwei Kindern auf 669 Euro und für jedes weitere Kind erhöht sich der Betrag um 220 Euro.

Als Alleinverdiener gilt, wer im betreffenden Jahr mindestens sechs Monate in einer Ehe, Lebensgemeinschaft oder eigetragenen Partnerschaft gelebt hat und für mindestens ein Kind mehr als ein halbes Jahr Familienbeihilfe bezogen hat. Die Einkünfte des/der PartnerIn dürfen dabei im Kalenderjahr nicht höher als 6.000 Euro sein.

Alleinerzieher ist, wer im Kalenderjahr mehr als sechs Monate alleinstehend ist und für mindestens ein Kind mehr als sechs Montate Familienbeihilfe bezogen hat.

Linktipp: Weitere wichtige Informationen dazu auf help.gv.at.

Mehrkindzuschlag:

Voraussetzung für den Mehrkindzuschlag (20 Euro pro Monat ab dem dritten Kind) ist, dass im Kalenderjahr 2012 für mindestens drei Kinder zumindest zeitweise Familienbeihilfe bezogen wurde und das Familieneinkommen nicht höher als 55.000 Euro liegt.

Sonderausgaben mit Höchstbetrag:

Diese werden auch Topf-Sonderausgaben genannt, vermindern die Steuerbemessungsgrundlage und haben im Steuerformular die Nummern 455 (Personenversicherungen) und 456 (Wohnraumschaffung und -sanierung). Man benötigt dafür Aufwendungen, die höher sind als 240 Euro. Ein Viertel der beantragten Aufwände wirkt sich auf die Bemessungsgrundlage aus (z.B. 60 Euro von 240 Euro). Ab einem Jahreseinkommen von 36.400 Euro verringert sich der abschreibbare Betrag, ab 60.000 Euro kann man nichts mehr abschreiben.

Die gültigen Höchstbeträge und weitere Infos finden Sie beispielsweise auf der Website der AK OÖ.

Sonderausgaben ohne Höchstbetrag:

Keinen Höchstbetrag gibt es beispielsweise bei der freiwilligen Weiterversicherung in der gesetzlichen Pensionsversicherung und beim Nachkauf von Versicherungszeiten (Kennzahl 450), bei Kirchenbeiträgen bis 400 Euro/Jahr (Kennzahl 458), bei Spenden an bestimmte Empfänger (Kennzahl 451) bis zu zehn Prozent des Vorjahreseinkommens und bei den Kosten des Steuerberaters (Kennzahl 460).

Weiterführende Infos dazu auf der Website des Finanzministeriums.

Werbungskosten:

Werbungskosten hängen immer mit der beruflichen Tätigkeit des Antragstellers zusammen. Dazu zählen beispielsweise Gewerkschaftsbeiträge (Kennzahl 717), das Pendlerpauschale (Kennzahl 718 – alle Infos dazu hier) und Pflichtbeiträge an die Gebietskrankenkasse für eine geringfügige Beschäftigung und für mitversicherte Familienangehörige (Kennzahl 274).

Unter Werbungskosten – sofern sie höher sind als 132 Euro – fallen außerdem:

  • Arbeitsmittel wie Computer (719) und Fachliteratur (720)
  • Reisekosten, wenn diese nicht oder in geringerem Ausmaß vom Arbeitgeber getragen werden (721)
  • Berufliche Fort-, Aus- und Umschulungskosten (722)
  • Kosten für doppelte Haushaltsführung (723)
  • Typische Berufskleidung inkl. Reinigung (724)
  • Bewerbungs-Aufwände (724)
  • Betriebsratsumlage (724)
  • Heimfahrtskosten, wenn tägliche Heimfahrt nicht zumutbar (300)

Weitere Infos dazu auf bmf.gv.at.

Außergewöhnliche Belastungen:

Diese Gruppe ist in zwei Untergruppen zu unterscheiden:

  1. Mit Selbstbehalt (Selbstbehalt abhängig von Einkommen und familiärer Situation): z.B. Krankheitskosten (730), Begräbniskosten (731/sofern nicht durch Nachlass gedeckt), Kurkosten (734) und andere außergewöhnliche Belastungen (735). Alle Infos dazu auf bmf.gv.at
  2. Ohne Selbstbehalt: Darunter fallen beispielsweise: Kosten von Katastrophenschäden (475), auswärtige Berufsausbildung von Kindern, Unterhaltsleistungen für im Ausland lebende Kinder. Es fallen darunter auch außergewöhnliche Belastungen wegen Behinderungen von mindestens 25 Prozent (476). Vollständige Liste auf bmf.gv.at

Kinderfreibeträge & Co.

Eltern können darüber hinaus die Beilage L1k ausfüllen und somit weitere Abschreibungsmöglichkeiten ausschöpfen:

  • Kinderfreibetrag: 220 Euro pro Kind im Haushalt. Wenn beide Elternteile Lohnsteuer beziehen, kann man diesen Betrag auch aufteilen und erhält somit 132 Euro pro Elternteil. Auch für Kinder, die nicht im Haushalt leben, für die man aber Unterhalt bezahlt, stehen dem Antragsteller 132 Euro zu.
  • Unterhaltsabsetzbetrag: Für unterhaltspflichtige Kinder, die nicht im gemeinsamen Haushalt leben und für die keine Familienbeihilfe bezogen wird. (1. Kind: 29,20 Euro, 2. Kind: 43,80 Euro, ab dem 3. Kind: 58,40 Euro)
  • Außergewöhnliche Belastungen für Kinder: z.B. Aufwendungen für behinderte Kinder, Krankheitskosten, auswärtige Berufsausbildung eines Kindes usw. Was viele nicht wissen: Auch die Kosten für eine Betreuung von Kindern bis zum zehnten Lebensjahr in öffentlichen und privaten Einrichtungen oder durch pädagogisch qualifizierte Personen können abgesetzt werden (bei erhöhter Familienbeihilfe bis zum 16. Lebensjahr). Hier kann man jährlich pro Kind bis zu 2.300 Euro abschreiben. Vollständige Infos auf der Seite des Finanzministeriums.

Bildnachweis: FeSeven / Quelle Shutterstock, kozirsky / Quelle Shutterstock, bmf.gv.at, B. Stefanov / Quelle Shutterstock

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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