Steuerausgleich 2011: 20 Tipps, die bares Geld wert sind!

von in Arbeitsrecht am Dienstag, 21. Februar 2012 um 13:02

Niemand zahlt gern zu viel! Schon gar nicht ans Finanzamt! Trotzdem passiert es ständig: Weil viele Arbeitnehmer auf die Möglichkeit einer Arbeitnehmerveranlagung vergessen – sprich: ihren “Steuerausgleich” nicht machen! Dabei ist das überhaupt keine Hexerei: karriere.at gibt gemeinsam mit der Arbeiterkammer 20 Tipps wie man im Abgaben- und Paragraphendschungel den Überblick behält und sich seine hart verdienten Euros aus dem Jahr 2011 zurückholt. Hier geht’s zu den Steuer-Tipps für 2012!

steuerausgleich_2011

Arbeitnehmerveranlagung, Steuerausgleich, Absetz- und Freibeträge: Begriffe, die Nicht-Steuerexperten oft von alleine die Haare zu Berge stehen lassen. Dabei kann es sich durchaus auszahlen, sich damit auseinanderzusetzen – denn viele Arbeitnehmer lassen jährlich eine beträchtliche Summe beim Finanzamt liegen.

“Unserer Erfahrung nach lassen sich pro Steuerpflichtigem im Schnitt zwischen 200 und 320 Euro zurückholen”, weiß Gertraud Lunzer von der Steuerabteilung der Arbeiterkammer Wien. Insgesamt würden pro Jahr im Rahmen der Arbeitnehmerveranlagung rund 950 Millionen Euro vom Staat an die Bürger zurücküberwiesen.

Doch wie geht man die Steuererklärung für das Jahr 2011 an? Worauf ist zu achten? Was bedeuten die einzelnen Begriffe und wo bekomme ich Auskünfte, falls ich nicht weiter weiß? karriere.at hat bei den Steuerexperten der Arbeiterkammer Oberösterreich nachgefragt, welche folgende Tipps parat haben (bezogen auf das Jahr 2011):

1. Arbeitnehmerveranlagung – was ist das überhaupt?

Das, was im allgemeinen Sprachgebrauch “Steuerausgleich” genannt wird, heißt offiziell “Arbeitnehmerveranlagung”. Wer diese beantragt, bewirkt, dass die Steuer auf das betreffende Jahreseinkommen neu berechnet wird. Unter bestimmten Voraussetzungen kann sich daher eine Steuerrückvergütung – also eine Rückzahlung – ergeben.

Beispielsweise wenn…
-…man monatlich unterschiedlich hohe Bezüge erhalten hat.
-…während des Jahres den Job gewechselt hat oder man nicht das ganze Jahr beschäftigt war.
-…man so wenig verdient, dass man Anspruch auf eine Steuergutschrift hat (mehr dazu bei Punkt 19 “Negativsteuer”)
-…Anspruch auf bestimmte Absetzbeträge für Alleinverdiener (Punkt 7), Alleinerzieher (Punkt 8), Mehrkindzuschlag (Punkt 9) oder die Pendlerpauschale (Punkt 17) besteht, diese aber in der laufenden Lohnverrechnung noch nicht berücksichtigt wurden.
-…Sonderausgaben (ab Punkt 12), Werbungskosten (Punkt 16) oder außergewöhnilche Belastungen (Punkt 18) angefallen sind, die noch nicht in einem Freibetragsbescheid berücksichtigt sind.

2. Ganz grundsätzlich: Was kann den Steuerausgleich beeinflussen?

1. Absetzbeträge, die zur Gänze von der zu zahlenden Steuer abgezogen werden: z.B. Alleinverdiener- oder Alleinerzieherabsetzbetrag, Mehrkindzuschlag, Unterhaltsabsetzbetrag)
2. Freibeträge, welche die Bemessungsgrundlage verringern können, die die Höhe der berechneten Steuer festsetzt. Darunter fallen Kinderfreibetrag, Sonderausgaben, Werbungskosten, Pendlerpauschale oder außergewöhnliche Belastungen. Diese Beträge verringern also nur die zu zahlende Steuer, werden also nicht zur Gänze gutgeschrieben.

3. Wo kann ich die Arbeitnehmerveranlagung beantragen?

- Entweder online unter www.finanzonline.at: Hierfür muss man beim Finanzamt Zugangsdaten beantragen (per E-Mail oder Brief). Achtung: Unbedingt aktuelle E-Mail-Adresse verwenden, da man per E-Mail benachrichtigt wird, dass der Bescheid elektronisch in der persönlichen “Databox” hinterlegt wurde. Vergisst man in dieser Zeit regelmäßig seine Mails zu checken, kann es passieren, dass man eine allfällige Berufungsfrist übersieht.
- Oder direkt beim Finanzamt des Wohnsitzes: Dafür benötigt man das Formular L1 bzw. L1k für Kinder-Absetzposten (ein Formular pro Kind).

4. Wie lange kann ich den “Steuerausgleich” beantragen?

Für die Arbeitnehmerveranlagung hat man fünf Jahre lang Zeit – Ausnahme ist die Pflichtveranlagung. Wichtig: Zwar sind beim Einreichen keine Belege beizulegen, diese müssen aber über sieben Jahre aufbewahrt werden, da das Finanzamt diese nachfordern kann.

5. Kann es sein, dass ich durch die Arbeitnehmerveranlagung eine Nachforderung erhalte, also mehr bezahlen muss?

Es kann ein Nachforderungsbescheid eintreffen. Sollte das passieren, kann man jedoch seine Arbeitnehmerveranlagung (ausgenommen Pflichtveranlagung) binnen eines Monats schriftlich zurückziehen und muss somit auch nichts nachzahlen. Die Arbeiterkammer bietet dafür zur Hilfe Musterbriefe an.

6. Wann muss ich verpflichtend einen Steuerausgleich machen?

  • Wenn man zwei oder mehr lohnsteuerpflichtige Bezüge hatte.
  • Wenn man Krankengeld von der Krankenkasse erhalten hat.
  • Wenn man im Unternehmen einen Freibetragsbescheid abgegeben hat oder man beispielsweise Alleinverdiener-/Alleinerzieherabsetzbetrag oder Pendlerpauschale in Anspruch genommen hat, obwohl die Voraussetzungen dafür nicht (mehr) gegeben waren.
  • Wenn man Bezüge aus dem Insolvenzfonds erhalten hat.
  • Achtung: Zeitlimit für die genannten Fälle ist der 30. September des Folgejahres!
  • Wenn man neben dem lohnsteuerpflichtigen Einkommen zusätzliche Einkünfte von mehr als 730 Euro bezogen hat (z.B. Selbständigkeit, Mieteinnahmen, Landwirtschaft). In diesen Fällen ist ist die Einkommensteuererklärung bis 30. April des Folgejahres einzureichen (über FinanzOnline bis 30. Juni).

7. Wann steht mir der Alleinverdienerabsetzbetrag zu?

Wenn Sie im Jahr 2011 für mindestens ein Kind länger als sechs Monate Familienbeihilfe bezogen haben und in einer Ehe/Lebensgemeinschaft/eingetragenen Partnerschaft gelebt haben und der Partner nicht mehr als 6.000 Euro verdient hat.

- Weitere Infos, wie man die Einkommensgrenzen für den “Zuverdienst” berechnet hier (unter “ABSETZBETRÄGE”).
- Achtung: Der Absetzbetrag muss jedes Jahr neu beantragt werden!

8. Was ist der Alleinerzieherabsetzbetrag?

Der Alleinerzieherabsetzbetrag kann von Alleinstehenden (ledig, geschieden, verwitwet) geltend gemacht werden, die im betreffenden Jahr mindestens sieben Monate Familienbeihilfe bezogen haben. Die Höhe der Berechnung ist analog zum Alleinverdienerabsetzbetrag (vorheriger Punkt).

9. Gibt es einen Mehrkindzuschlag?

Ja. Der Mehrkindzuschlag (20 Euro pro Monat für das dritte und jedes weitere Kind) steht zu, wenn für mehr als zwei Kinder Familienbeihilfe bezogen wurde und das steuerpflichtige Jahreseinkommen beider Partner im Vorjahr 55.000 Euro nicht überstiegen hat.

10. Ich zahle Unterhalt. Kann ich das auch beim Steuerausgleich geltend machen?

Ja, das ist möglich. Wenn Sie Alimente für Kinder zu bezahlen haben, beträgt der Absetzbetrag für das erste Kind 29,20 Euro, für das zweite Kind 43,80 Euro und ab dem dritten Kind (und für jedes weitere Kind) 58,40 Euro.

11. Wie viel Kinderfreibetrag kann ich geltend machen?

220 Euro für jedes Kind, für das mehr als sechs Monate Familienbeihilfe im Kalenderjahr bezogen wurde.

Tipp: Bezahlen beide Elternteile Lohnsteuer, können beide den Kinderfreibetrag geltend machen. Dieser beläuft sich dann auf 132 Euro pro Elternteil.
Tipp: 132 Euro Kinderfreibetrag stehen auch zu, wenn im Jahr für mehr als sechs Monate der Unterhaltsabsetzbetrag zusteht.

Steuerausgleich12. Was sind so genannte “Topf-Sonderausgaben”, also Sonderausgaben mit Höchstbetrag?

Will man “Topf-Sonderausgaben” abschreiben, müssen die Aufwendungen 240 Euro übersteigen. Ein Viertel des beantragten Betrages ist dann absetzbar. Achtung: Ab einem Jahreseinkommen von mehr als 36.400 Euro vermindert sich der abschreibbare Betrag, ab 60.000 Euro entfällt die Abschreibe-Möglichkeit ganz.

13. Was fällt darunter?

14. Wie lauten der Höchstbeträge für “Topf-Sonderausgaben”?

- 2.920 Euro ohne Alleinverdiener- oder Alleinerzieherabsetzbetrag
- 5.840 Euro mit Alleinverdiener- oder Alleinerzieherabsetzbetrag
- 1.460 Euro zusätzlich, wenn für mehr als sechs Monate Familienbeihilfe für mindestens drei Kinder bezogen wurde (eingerechnet sind Kinder, für die Alimente zu zahlen sind)

15. Welche Sonderausgaben haben keinen Höchstbetrag?

  • Freiwillige Weiterversicherung in der gesetzlichen Pensionsversicherung und Nachkauf von Versicherungszeiten
  • Kirchenbeiträge bis 200 Euro pro Jahr
  • Spenden an begünstigte Spendenempfänger bis maximal zehn Prozent des Vorjahreseinkommens.

16. Was fällt unter den Begriff “Werbungskosten”?

Darunter sind Ausgaben zu verstehen, die unmittelbar mit der Ausübung des Berufes zusammenhängen. Will man solche steuerlich geltend machen, muss der Betrag höher als 132 Euro sein. Darunter fallen unter anderem (mehr hier unter “BEISPIELE FÜR WERBUNGSKOSTEN”):

  • Gewerkschaftsbeitrag, Betriebsratsumlage
  • Berufliche Fahrt- und Reisekosten
  • Kosten für typische Berufskleidung und deren Reinigung
  • Fachliteratur
  • Arbeitsmittel und Werkzeuge (z.B. Computer)
  • Ausgaben für Bewerbungen um einen Job

17. Welche Richtlinien gelten bei Freibeträgen für die Pendlerpauschale?

Wenn eine so genannte “Kleine Pendlerpauschale” zusteht, kann bei Strecken von 20-40 Kilometern 696 Euro Freibetrag geltend gemacht werden, bei 40-60 Kilometern 1.356 Euro und bei mehr als 60 Kilometern 2.016 Euro.

Bei der “Großen Pendlerpauschale” gelten folgende Werte:
- 372 Euro (2-20 km)
- 1.476 Euro (20-40 km)
- 2.568 Euro (40-60 km)
- 3.672 Euro (mehr als 60 km)

18. Was ist als “Außergewöhnliche Belastung” zu werten?

(Auszug, vollständige Liste unter “AUSSERGEWÖHNLICHE BELASTUNGEN”)

Mit Abzug eines Selbstbehaltes:

  • Krankheitskosten (auch Kur, Pflegeheim, Zahnarzt, Prothesen, Hörgeräte)
  • Begräbnis- und Grabkosten von je maximal 4.000 Euro, sofern diese nicht durch den Nachlass gedeckt sind.

ArbeitnehmerveranlagungOhne Abzug eines Selbstbehaltes (Auszug):

  • Kosten für die Betreuung von Kindern bis zum zehnten Lebensjahr (bei erhöhter Familienbeihilfe bis zum 16. Lebensjahr) durch private und öffentliche Einrichtungen oder durch pädagogisch qualifizierte Personen bis 2.300 Euro pro Kind und Jahr (NEU: Auch Verpflegungs- und Bastelgeld)
    Voraussetzung: Familienbeihilfe oder Unterhaltsabsetzbetrag (Punkt 7) für mehr als sechs Monate pro Jahr. Das Kind darf sich dafür nicht ständig außerhalb des EU-/EWR-Raumes oder der Schweiz aufhalten.
  • Kosten für die auswärtige Berufsausbildung eines Kindes (110 Euro/Monat)
  • Unterhalt für im Ausland lebende haushaltszugehörige Kinder in Höhe von 50 Euro pro Kind und Monat
  • Krankheitskosten bei einer Erwerbsminderung von mindestens 25 Prozent. Auch die Kosten einer Heilbehandlung (Arzt-, Spitals-, Kur-, Therapie- und Medikamentenkosten) und einer Diätverpflegung können abgesetzt werden.

19. Unter welchen Umständen steht mir eine Steuergutschrift, also die so genannte “Negativsteuer” zu?

  • Wenn man so wenig verdient, dass man keine Lohnsteuer bezahlen muss, bekommt man über die Arbeitnehmerveranlagung bis zu 110 Euro erstattet. Voraussetzung: Es müssen Sozialversicherungsbeiträge geleistet worden sein.
  • Der Betrag kann sich auf 251 Euro erhöhen, wenn Anspruch auf Pendlerpauschale besteht. (Unbedingt zustehenden Betrag – siehe Punkt 17 – in Formular eintragen!)
  • Personen, die Anspruch auf Alleinverdiener- oder Alleinerzieherabsetzbetrag haben, diesen aber nicht oder nicht zur Gänze nutzen können (wenn keine Lohnsteuer bezahlt wird oder diese niedriger ist als der zustehende Absetzbetrag ist), bekommen den Absetzbetrag samt Kinderzuschlägen auf Antrag vom Finanzamt ausbezahlt.

20. Gibt es eine “Checklist”, mit der ich meine persönliche Arbeitnehmerveranlagung 2011 durchgehen kann?

Ja, die gibt es, und zwar von der Arbeiterkammer Salzburg. Punkt für Punkt durchgehen und Geld vom Finanzamt zurückholen!

Linktipps:

Bildnachweis: colourbox.com (2), tanatat / Quelle Shutterstock

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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