Start in den Beruf: gemischte Gefühle bei Absolventen

von in Arbeitsmarkt, HR am Freitag, 20. Mai 2016 um 10:54

Was erwarten Absolventen vom Berufseinstieg? Je nach Geschlecht und Branche recht unterschiedliche Dinge, wie das aktuelle trendence Graduate Barometer herausgefunden hat. Die ambivalenten Gefühle zeigen sich beispielsweise in eher besorgten Frauen und der scheinbar gängigen Erwartungshaltung, dass Familienzeit negativ für die Karriere sei. Dennoch: Jeder Fünfte spielte bereits einmal mit dem Gedanken, ein Start-up zu gründen.

Mehr als 7.700 Studierende an 32 österreichischen Hochschulen wurden in Kooperation mit karriere.at für das trendence Graduate Barometer befragt. Im letzten Artikel haben wir verraten, für welche Unternehmen die Wirtschaftswissenschaftler und Techniker am liebsten arbeiten würden, worauf sie bei der Wahl des Arbeitgebers Wert legen und welches Gehalt für sie drin sein muss. Wie die Absolventen in die Zukunft blicken, und was das Geschlecht der Befragten dabei ausmacht, haben wir uns nun angesehen:

Sorgen um die berufliche Zukunft: vor allem Frauen grübeln

2016 eine Arbeitsstelle zu finden wird schwer sein – daran glaubt mehr als ein Drittel der Befragten. Vor allem Frauen machen sich Sorgen. Jede zweite Befragte sieht der Zukunft besorgt entgegen. Wenn es um eine eigene Familie geht, fällt auf, dass fast so viele männliche Business-Absolventen (36,3 Prozent) wie Frauen aus dem Engineering- und IT-Bereich (38,4 Prozent) davon überzeugt sind, es würde sich negativ auf die Karriere auswirken, wenn man sich Zeit für die Familie nimmt.

Zeit für die Familie = negative Karriereauswirkungen – daran glauben immerhin ein Drittel der Befragten

Immerhin beinahe die Hälfte aller Befragten (42,5 Prozent) sowohl im Bereich Business also auch in Engineering und IT, fühlt sich dafür aber gewappnet. Sie finden: Mit meiner Ausbildung bin ich optimal auf meine berufliche Laufbahn vorbereitet. Dabei sind Frauen tendenziell vorsichtiger mit dieser Aussage: Die Differenz zwischen männlichen und weiblichen Absolventen beträgt hier in etwa 10 Prozent.

Frauenförderung: Vor allem Frauen finden Frauen förderungswürdig

„Der Werdegang von Frauen sollte gefördert werden.“ Zu dieser Aussage wurde eine Stellungnahme gefordert. Überraschendes Ergebnis: Nur etwas mehr als 20 Prozent der männlichen Befragten stimmen dem zu. Dabei weichen vor allem die männlichen Business-Absolventen stark vom Durchschnitt ab: nur 16,1 Prozent davon sind mit einer Frauenförderung einverstanden. Die Frauen selbst finden das weibliche Geschlecht förderungswürdiger: 59,6 Prozent stimmen der Aussage zu.

Dem Korsett von Großkonzernen entgehen: Unternehmergeist vorhanden

  • Dass es in Großunternehmen mitunter schwierig sein kann, sich selbst zu verwirklichen – davon sind viele überzeugt. Frauen wie Männer sind sich einig darüber, dass man eigene innovative Ideen in Großkonzernen nur bedingt durchsetzen kann – gut die Hälfte aller Befragten (45 Prozent) denken so.
  • Daraus resultierend wurde auch nach dem Entrepreneurship gefragt. Aus dem Engineering- und IT-Bereich kann sich jeder Fünfte vorstellen, während oder nach dem Studium ein eigenes Start-up auf die Beine zu stellen.
  • Dabei liegen die weiblichen Befragten im Schnitt 5 Prozent unter ihren männlichen Kollegen. Und auch im Businessbereich haben bereits rund 20 Prozent mit dem Gedanken gespielt, sich in die Selbstständigkeit zu wagen.
  • Die Geschlechterschere geht hier allerdings bereits auf knappe 10 Prozent auf: Männer geben sich hier tatkräftiger.

 

Über die Studie

trendence ist ein unabhängiges Beratungs- und Forschungsunternehmen für Employer Branding und Personalmarketing. Die österreichische Absolventenstudie wird seit 2007 jährlich als Barometerstudie durchgeführt. Befragt wurden diesmal mehr als 7.700 Teilnehmer im Zeitraum September 2015 bis Februar 2016. Das trendence Graduate Barometer ist Teil von Europas umfassendster Absolventenbefragung in 24 Ländern.

Bildnachweis: Ollyy/Shutterstock

Tanja Karlsböck

Tanja Karlsböck verfasst Blogposts rund umʼs Arbeitsleben, denn Schreiben ist ihre liebste Kulturtechnik.

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