Standard Karriere oder Zickzack-Weg?

von in Bewerbung, Jobsuche am Freitag, 14. Oktober 2011 um 13:07

Gibt es so etwas wie eine Standard Karriere heute überhaupt noch? Wie in der Generation unserer Eltern? Schule, eventuell Uni-Abschluss und dann ein Job, den man über Jahrzehnte ausübt. In manchen Branchen würden sich Jobsuchende sicher freuen, würde es noch häufiger scheinbar fix vorgegebene Karrierewege geben. Wahrscheinlich vor allem jene, die sich in Praktika, befristeten Verträgen oder als so genannte „fixe Freie“ ins Zeug legen, ohne aber dieselben Rechte und Benefits zu genießen wie ihre fix angestellten Kollegen.

„Kann das Kind nicht einfach Karriere machen, wie es damals Standard war?“ Die Sorgenfalten der Eltern sind unübersehbar: Wann wird für den Sprössling endlich einmal ein „ordentlicher“ Job herausschauen? So mit Urlaub, Weihnachtsgeld, geregelten Arbeitszeiten und ordentlicher Versicherung? Man hat ja immerhin versucht, jede Rutsche zu legen: Gymnasium, Studium, ein dichtes Netz an Beziehungen, Weiterbildungen – all das wurde zur Verfügung gestellt. Und nun hangelt sich das Kind, obwohl schon jenseits der Mitte Zwanzig, von einem Praktikum zum nächsten. Von einer projektbezogenen Mitarbeit zum nächsten „Freien Dienstvertrag“.

Woran mag das liegen? Die simple Begründung „Falsche Ausbildung für die gegebene Nachfrage am Markt“ erscheint als zu simpel. Denn abgesehen von der Tatsache, dass jeder junge Mensch genau die Ausbildung machen sollte, für die einfach das stärkste Interesse vorhanden ist, erweisen sich Prognosen, welche Absolventen mittelfristig gefragt sein werden, über die Jahre hin oft einfach als falsch. Beispiel: Wer sich zu Beginn des Jahrtausends in Österreich für ein Lehramtsstudium interessierte, bekam von Studienberatern und Medien suggeriert: Tu es nicht. Nach dem Studium bist du garantiert arbeitslos. Mag vom damaligen Standpunkt aus auch gestimmt haben. Heute sind Junglehrer wieder begehrtes Gut, alles spricht vom Lehrermangel.

Warum verlaufen so viele Karrierewege zickzack?

  • Faktor Angebot am Arbeitsmarkt: Belegbar ist, dass die Chancen auf einen „klassischen“ Karriereweg nach dem Vorbild unserer Elterngeneration heute deutlich kleiner sind als noch vor Jahren: Laut Statistik Austria beginnt nämlich jeder vierte Berufseinsteiger sein Arbeitsleben in einem so genannten atypischen Beschäftigungsverhältnis. Gewerkschaftsverterter sprechen gar davon, dass rund ein Drittel der österreichweit 3,45 Millionen Beschäftigten mit arbeits- und sozialrechtlichen Nachteilen leben. Modelle wie Teilzeit-Jobs, Werk- oder Freie Dienstverträge werden bei Unternehmen (hauptsächlich aus Kosten- und Flexibilitätsgründen) immer beliebter. Lohndumping inklusive. Möglich ist das in Branchen, in denen großer Nachschub an Absolventen gegeben ist (Medien, Werbung, Architektur…).
  • Faktor Ausgeglichenheit: Eine Vielzahl an Studien sagen aus, dass Jobsuchende und auch -wechsler „softe“ Faktoren wie Work-Life-Balance, Vereinbarkeit von Beruf, Familie und privaten Interessen aber auch Imagefaktoren („Passt das Unternehmen zu mir?“) „klassischen“ Karriereindikatoren wie Aufstiegsschancen oder hohem Gehalt vorziehen, wie beispielsweise hier oder hier berichtet.
  • Faktor HR-Wertewandel: Vor nicht allzulanger Zeit galt ein  30-Jähriger mit zehn Jahren Berufserfahrung bei drei verschiedenen Firmen gern noch als unsteter Jobhopper in HR-Abteilungen („Den haben wir sicher nicht lange…“). Diese Sichtweise hat sich bei vielen (natürlich nicht bei allen!) Unternehmen mittlerweile abgeschliffen, weil man über weite Strecken verstanden hat:  Bewerber – gerade wenn es sich um begehrte Fachkräfte handelt – arbeiten dort, wo ihnen das Gesamtpaket am besten erscheint. Das wissen auch die Arbeitnehmer – und haben keine Scheu, auch in kürzeren Abständen den Job zu wechseln.
  • Faktor Generalistentum: Die Art und Weise, wie in Firmen Output generiert wird, hat sich gewandelt. Starre Abteilungsstrukturen werden immer häufiger durchsetzt von projektbezogen arbeitenden Teams: Mehrere Abteilungen stellen für Spezialaufgaben ihre (meist) fähigsten Mitarbeiter ab. Aus Projektgruppen entstehen oft neue Aufgabengebiete, die besetzt werden müssen. Beispiel: Ein Team bestehend aus Mitarbeitern von Marketing, PR, Sales und IT/Development werden mit dem Projekt „Einführung eines Social Media Konzeptes“ betraut. Nach wenigen Sitzungen kristallisiert sich heraus, welche Mitarbeiter aufgrund ihres Vorwissens Leadership in diesem Bereich an den Tag legen und die Aufgabe auch künftig übernehmen werden. Fazit: Jede Projektgruppe birgt für Mitarbeiter die Chance dazuzulernen. Mit dem Effekt, dass sich diese auch Wissen aus anderen Unternehmensbereichen aneignen. In Kombination mit der Tatsache, dass ständig neue Berufe und Aufgabengebiete entstehen, erhöht sich damit für den Einzelnen auch die Chance sich bei anderen Firmen weiterzuentwickeln.

 

 

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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