Fremdsprachen: Sprachenfit im Job oder Lost in Translation?

von in Arbeitsleben, Jobsuche am Mittwoch, 4. Juli 2012 um 10:59

Während andere Last-Minute-Urlaubsangebote im Büro studieren, fühle auch ich mich unter Zugzwang, meinen Urlaub zu planen. Stellt sich nur die Frage: Einfach weg auf eine einsame Insel fernab jeglicher Kommunikation oder in die Zukunft investieren und meine Fremdsprachenkenntnisse aufpolieren? Dieser Artikel von Rita Obergeschwandnder bietet Sprachgenies Hilfe und Tipps bei der Entscheidungsfindung pro und kontra Sprachenerwerb.

Von Rita Obergeschwandner

Du bist, was du sprichst?

Mehr als eine Sprache zu beherrschen hat sich noch nie schlecht im Lebenslauf gemacht. Heutzutage, da viele Firmen ihre Fühler ins Ausland ausstrecken und das Motto „think global“ vertreten, sind vielfältige Sprachkenntnisse essentiell. Das hat auch das Marktforschungsinstitut Gallup bereits vor längerer Zeit festgestellt – laut seiner Studie (2009, Auftrag WIFI) erwarten 4/5 der Personalverantwortlichen in österreichischen Firmen von ArbeitnehmerInnen umfassende Fremdsprachenkenntnisse. Rund 75 Prozent der befragten PersonalvertreterInnen testen die Sprachenkompetenz von BewerberInnen beim Vorstellungsgespräch. Wie hieß es so schön in der Schule? „Man lernt für das Leben.“ Doch Vokabel lernen war damals uninteressant und Fremdsprachenkenntnisse schwinden ohne Beanspruchung rapide dahin.

Sprachen – der Schlüssel zur (Arbeits-)welt

Englischkenntnisse auf Native Speaker-nahem Niveau zu sprechen ist bei internationalen Unternehmen Voraussetzung und auch bei nationalen Stellenprofilen oft ein fixes Kriterium. Chinesisch bietet ebenfalls Riesenchancen, vor allem wenn man im Produktions-, Handels-, Banking- und Finance-Bereich sowie auch im Incoming-Tourismus arbeitet. Chinesisch wird von 1,2 Milliarden Menschen gesprochen. Rund 1,5 Millionen  sprechen Englisch, davon sind etwa ein Viertel Native Speaker.

Nastrovje!

… kann fast jeder sagen, doch es ist wohl eher russisches Roulette, ob man den Biss hat, die Sprache mitsamt der kyrillischen Schrift auch tatsächlich zu lernen. Russischkenntnisse sind vor allem im Bankwesen, im Handel, in der Industrie oder etwa in der IT-Branche von Vorteil. Weltweit kommunizieren rund 275 Millionen Menschen in dieser slawischen Sprache.

¿Qué tal?

… sollte man viele Spanier in Zeiten der Krisen-Rettungsschirme wohl eher nicht fragen. Will man sich aber in der europäischen Tourismus-Branche beweisen, sollte man der spanischen und italienischen Sprache mächtig sein. Kleiner Tipp: Spanisch lernt sich leichter als italienisch, da man es nahezu genauso ausspricht wie man es schreibt. Arbeitet man mit Südamerika-Konnex ist Spanisch ebenfalls ein Muss.

Weiterführender Artikel: Gallup Studie: Österreicher sind unverändert Fremdsprachen-Muffel

Wie und wo kann ich eine Sprache lernen?

  • Option 1 – Sprachentausch: Spracheninstitute an vielen Universitäten bieten sogenanntes Tandem-Sprachenlernen an. Erasmus-StudentInnen vernetzen sich mit „Einheimischen“ und dann wird einfach kommuniziert, zum Beispiel in Wien oder Graz. Auch im Internet kann man/frau sich mit Native Speakern vernetzen, etwa via www.sprachtausch.net Kostenfaktor: Nur der Kaffee oder das Bier beim Treffen im Kaffeehaus! Funfaktor: Durchaus gegeben, da man ja über allen möglichen Sinn oder Unsinn tratschen kann! Was bringts? Gute Kommunikations-Skills, aber kein Zertifikat.
  • Option 3 – Kurs in good old Österreich: Bei Berlitz, Wifi, Volkshochschule, Urania und wie sie alle heißen: Tipp! In der Steiermark bekommt man beispielsweise einen 50 Euro-Bildungsscheck von der Arbeiterkammer pro Semester. Kostenfaktor: variabel – aber anerkannte Zertifikate haben ihren Preis. Funfaktor: kommt auf die Truppe, sprich MitschülerInnen an. Was bringts? Variabel – je nach Anbieter.
  • Option 4: Sprachstudium in der Bildungskarenz: Infos dazu bei der Arbeiterkammer. Kostenfaktor: Grundsätzlich leistbar, da man vom AMS Geld erhält. Dafür geringer Funfaktor. Was bringts? Einen Pluspunkt im Lebenslauf für die zusätzliche Sprache, sofern man die Sprache an der Universität oder einem anerkannten Institut lernt. Aber: Eine berufliche Auszeit, die man bei Bewerbungsgesprächen möglicherweise auch rechtfertigen muss.
  • Option 5: Online-Sprachkurse: Sprachen lernen in der Online-Community ist ein recht neuer Ansatz – und wird unter anderem vom österreichischen Startup busuu.com angeboten.

Drei Regeln zum Thema Sprachen:

1. Volles Vertrauen in Online-Übersetzungshilfen ist ein No-Go für jegliche Art von Kommunikation. Die Korrektheit der Übersetzung ist in 99% der Fälle nicht gegeben.
2. Alle Optionen prüfen: Wie viel Zeit habe ich, wie viel Geld möchte ich investieren? Möchte ich ein Zertifikat und wenn ja welches? Reichen mir Kommunikations-Skills oder muss ich auch Texte, etwa Geschäftsbriefe schreiben.
3. Nicht von den Aktionen, Spots und Inseraten unseriöser Sprachanbieter blenden lassen. Was zählt ist: Wissen wo man hin möchte und Augen und Ohren offen halten, welche Sprachen in diesem Job/Bereich gefordert sind.

Bildnachweis: colourbox.com

Redaktion

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